Gutscheine Special

Wert­papier. Selbst namentlich ausgestellte Gutscheine sind über­trag­bar.

Wie bitte, schon nach sechs Monaten verfallen? Geschenk­gutscheine können für die Beschenkten auch Stress bedeuten. Doch nicht immer ist eine so kurze Einlösefrist rechtens. Dann gilt die gesetzliche Frist, und Händler müssen den Gutschein bis zu drei Jahre nach dem Kauf annehmen. Damit das praktische Universalgeschenk nicht zum Streitfall wird, ist es gut, schon beim Kauf seine Rechte zu kennen. test.de zeigt, worauf es ankommt, und gibt praktische Tipps.

Bereits beim Kauf auf die Einlösefrist achten

Schnell besorgt, flexibel einsetz­bar, persönlicher als ein Geld­geschenk: einfach praktisch, so ein Gutschein. Allein im Weihnachts­geschäft 2013 setzten die deutschen Händler rund 2 Milliarden Euro damit um, schätzt der Branchen­verband HDE. Bereits beim Kauf sollten Kunden auf eine nicht zu knapp bemessene Einlösefrist achten. Sonst kann aus der gutgemeinten Gabe Stress für den Beschenkten werden.

Wie lange sind Gutscheine gültig?

Wenn kein Ablaufdatum auf dem Gutschein vermerkt ist, gilt er drei Jahre ab Ende des Jahres, in dem er gekauft wurde. So will es das Bürgerliche Gesetz­buch. „Die regel­mäßige Verjährungs­frist beträgt drei Jahre“, steht in Paragraf 195. Gutscheine, die zu Weih­nachten 2013 verschenkt wurden, gelten also bis zum 31. Dezember 2016.

Manchmal sind auch kürzere Fristen rechtens, zum Beispiel bei einem Gutschein für eine Stadt­rund­fahrt, eine Massa­gebehand­lung oder fürs Haareschneiden. Da die Ausgaben des Anbieters von Jahr zu Jahr steigen, etwa durch höhere Löhne oder Strom­kosten, entspricht der Wert der Dienst­leistung irgend­wann nicht mehr dem ursprüng­lichen Wert des Gutscheins.

Tipp: Lassen Sie den Gutschein besser über einen Betrag statt eine bestimmte Dienst­leistung ausstellen. Im Jahr 2008 urteilte das Ober­landes­gericht München: Ein Amazon-Gutschein – über einen Betrag – darf nicht auf ein Jahr befristet sein, sondern muss drei Jahre gelten (Az. 29 U 3193/07).

Darf ein Gutschein schon nach drei Monaten verfallen?

Lauf­zeiten von weniger als einem Jahr sind nach herr­schender Recht­sprechung zu knapp und damit unwirk­sam. Wenn so etwas auf einem Gutschein steht, sollte der Inhaber des Papiers auf die Drei­jahres­frist hinweisen und sie einfordern.

Es gibt aber Ausnahmen, beispiels­weise Gutscheine für eine Musical­vorstellung, die nur noch kurze Zeit auf dem Spiel­plan steht. Auch bei Schnäpp­chen­gutscheinen und anderen Werbeaktionen darf die Frist kürzer sein (siehe Groupon, Dailydeal und Co.).

Darf ein Geschäft sich nach Frist­ab­lauf weigern, den Gutschein einzulösen?

Nach Ablauf einer wirk­samen Einlösefrist muss der Händler den Gutschein nicht mehr annehmen. Nach Ansicht der Verbraucherzentralen haben Kunden aber Anspruch darauf, dann einen Teil des Geld­werts erstattet zu bekommen. Schließ­lich hat der Händler vom Käufer des Gutscheins Geld kassiert, das er nicht ohne jegliche Gegen­leistung behalten darf.

Dem Händler steht allerdings von der Gutscheinsumme so viel zu, wie sein Gewinn bei frist­gerechter Einlösung gewesen wäre. Wie viel das ist, muss im Einzel­fall je nach der üblichen Gewinn­spanne entschieden werden.

Tipp: Wenn Sie einen Gutschein bekommen haben, warten Sie nicht zu lange mit dem Einlösen. Sie ersparen sich dadurch lästige Diskussionen. Schaffen Sie es nicht, ihn recht­zeitig einzulösen, fragen Sie den Händler vor Ablauf der Frist, ob eine Verlängerung möglich ist. Geht er darauf ein, lassen Sie sich die verlängerte Gültig­keit schriftlich auf dem Gutschein vermerken.

Kann ich mir den Wert des Gutscheins auch auszahlen lassen?

Einen Anspruch darauf haben Sie nicht, selbst wenn Ihnen absolut nichts vom Waren­angebot des Händ­lers gefällt. Eine Barauszahlung des Gutschein­werts können Sie allenfalls dann verlangen, wenn ein konkret im Gutschein benanntes Produkt nicht mehr liefer­bar ist.

Kann ich einen Gutschein an eine andere Person weitergeben, auch wenn mein Name drauf­steht?

Ja, recht­lich ist das problemlos möglich. Gutscheine sind Inhaber­papiere, das heißt, jeder Über­bringer kann sie nutzen. Selbst wenn ein Name auf dem Gutschein steht, zeigt das nur, dass der Schenkende dem Gutschein eine persönliche Note verleihen wollte. Dem Händler kann das letzt­lich egal sein, er ist nicht zu einer Identitäts­kontrolle verpflichtet.

Ausnahmen gibt es nur, wenn jemand individuelle Voraus­setzungen erfüllen muss – zum Beispiel wenn ein Gesund­heits­zeugnis oder eine besondere Versicherung für die Teil­nahme an einer Fahrt im Heiß­luft­ballon notwendig ist.

Tipp: Bewahren Sie Gutscheine ebenso sorgfältig auf wie Bargeld. Wenn Sie sie verlieren oder verlegen, sind Sie auf den guten Willen des Händ­lers angewiesen.

Darf ich einen Gutschein auf mehrere Einkäufe verteilen?

Eine klare Regelung gibt es dafür nicht. Wenn der Verwaltungs­aufwand für den Händler zumut­bar ist, muss er sich darauf einlassen. Zum Beispiel dürfte es kein Problem sein, wenn jemand für einen 100-Euro-Einkaufs­gutschein vier Einkäufe à 25 Euro tätigt. Der Rest­wert wird dann auf dem Gutschein vermerkt oder der Kunde erhält eine neue Gutschrift. Etliche Geschäfte geben auch Gutscheinkarten aus, von denen Teil­beträge abge­bucht werden können.

Gelten für Umtausch­gutscheine die gleichen Regeln wie für Geschenke?

Nimmt der Verkäufer aus Kulanz einwand­freie Ware zurück, erhalten Kunden dafür statt des gezahlten Kauf­preises oft einen Einkaufs­gutschein. Der funk­tioniert wie ein Geschenk­gutschein – darf also auch befristet sein. Bei Rück­gabe mangelhafter Ware brauchen sich die Käufer dagegen nicht mit Gutscheinen zufrieden­zugeben. Kann die defekte Ware weder repariert noch umge­tauscht werden, können sie ihr Geld zurück­verlangen.

Was ist, wenn das Geschäft oder Hotel, von dem ich einen Gutschein habe, inzwischen pleite ist?

Im Fall einer Insolvenz erhalten Sie keine Ware oder Dienst­leistung und wahr­scheinlich nicht einmal das Geld zurück. Betroffene können zwar, wie alle Gläubiger des insolventen Unter­nehmens, ihre Ansprüche beim Insolvenz­verwalter anmelden.

Soweit noch Geld vorhanden sein sollte, könnten Kunden dann eine entsprechende Quote ausgezahlt bekommen. Doch die Chancen, auch nur einen Teil des Betrags zu erhalten, sind meist gering.

Gutscheine haben ihre Tücken. Aber einfach nur Geld schenken ist lang­weilig. Was kann ich tun?

Sie können auch selbst ange­fertigte Gutscheine verschenken, zum Beispiel „50 Euro für eine neue Kaffee­maschine“. Dann haben die Beschenkten kein Problem mit der Gültig­keits­dauer oder dem Insolvenzrisiko. Und sie können selbst entscheiden, wo sie einkaufen und so zum Beispiel Sonder­angebote nutzen.

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