Impfung gegen Gürtelrose (Herpes Zoster)

Fakten zu den zwei bislang erhältlichen Impf­stoffen1

Impf­stoff

Shingrix:

Seit 2018 verfügbar. Der Impf­stoff ist ein Totimpf­stoff. Er enthält inaktive Viren­bestand­teile des Varizella-Zoster-Virus plus einen Wirk­verstärker.

Zostavax:

Seit 2013 verfügbar. Der Impf­stoff enthält abge­schwächte Lebendviren des Varizella-Zoster-Virus.

Zielgruppe

Der Impf­stoff ist für Menschen ab 50 Jahre zugelassen und eignet sich auch für Patienten mit angeborener oder erworbener Immun­schwäche, etwa nach einer HIV-Infektion und bei rheumatoider Arthritis und chro­nisch entzündlichen Darm­erkrankungen.

Der Impf­stoff ist für Menschen ab 50 Jahre zugelassen – außer bei deutlicher Immun­schwäche, die etwa durch Aids, Auto­imm­unerkrankungen oder Leukämie bedingt ist.

Nutzen

Der Impf­stoff kann bei Personen ab 50 Jahre Herpes Zoster und chro­nische Nerven­schmerzen (post­herpetische Neuralgie) effektiv verhindern. Die Wirk­samkeit zum Schutz vor Herpes Zoster beträgt ab dem Alter von 50 Jahren 92 Prozent und zum Schutz vor post­herpetischer Neuralgie 82 Prozent. Der Schutz vor Herpes Zoster nimmt mit zunehmendem Alter leicht ab, beträgt bei 70-Jährigen aber noch etwa 90 Prozent.

Die Impfung senkt die Erkrankungs­zahl und womöglich auch das Risiko, chro­nische Schmerzen zu entwickeln. Ohne Schutz erkranken pro Jahr etwa 7 von 1 000 Menschen zwischen 50 und 59 Jahren an Gürtelrose. Durch die Impfung lassen sich 5 Fälle verhindern. Bei den 60- bis 69-Jährigen erkranken pro Jahr 11 von 1 000 Ungeimpften, etwa 7 Fälle davon kann die Impfung vermeiden. Bei den Über-70-Jährigen werden von 12 Erkrankungen bei 1 000 Ungeimpften pro Jahr nur noch 5 durch eine Impfung verhindert. Das Immun­system reagiert also mit zunehmendem Alter immer schwächer auf die Impfung. Der Schutz wäre nun aber besonders wichtig, denn Erkrankungs­raten und das Risiko für schwere Verläufe steigen.

Neben­wirkungen

Laut Zulassungs­studien gab es kein Signal für schwere Neben­wirkungen oder das Auftreten von Auto­immun­erkrankungen. Allerdings traten bei etwa jedem Zehnten nach der Impfung leichte Neben­wirkungen auf, die ein bis zwei Tage anhalten können: Schmerzen an der Einstich­stelle, Rötungen, Schwel­lungen sowie Fieber, Müdig­keit, Kopf­schmerzen.

Bei etwa jedem zweiten Geimpften rötet und juckt die Haut, speziell an der Einstich­stelle. Sie und angrenzende Muskelpartien sowie Gelenke können schmerzen. Allergische Reaktionen mit verstärktem Juck­reiz und Bläschen­bildung kommen bei 10 bis 100 von 1 000 Geimpften vor. In Einzel­fällen: schwere allergische Reaktionen mit Herz­rasen, Atemnot, Schwindel.

Impf­plan

Zweimalige Impfung in den Ober­arm. Die Impf­termine sollen mindestens zwei und maximal sechs Monate auseinander­liegen.

Einmalige Impfung per Spritze in den Ober­arm.

Immun nach der Impfung

Studien bescheinigen eine Schutz­dauer von vier Jahren. Sie deuten aber an, dass die Impfung länger schützen könnte.

Kein hundert­prozentiger Schutz (siehe Nutzen). Die Schutz­dauer beträgt etwa fünf Jahre, wie lange die Wirkung danach noch anhält, ist unsicher

Einschät­zung

Stiftung Warentest:
Die Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest haben Shingrix noch nicht bewertet

Ständige Impf­kommis­sion:
Alle Menschen ab 60 Jahre sollten sich impfen lassen. Menschen ab 50 sollen sich nur impfen lassen, wenn sie unter einer Immun­schwäche oder anderen schweren Grund­erkrankungen leiden.
Stand der Bewertung: Dezember 2018.
Mehr Infos: Robert Koch Institut,
Epidemiologisches Bulletin 50/2018

Stiftung Warentest:
Die Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest halten die generelle Impfung aller gesunden Über-50-Jährigen mit Zostavax für wenig sinn­voll. Ein gewisser Nutzen ist zwar belegt (siehe oben), doch es ist unklar, wie lange die Immunisierung anhält. Zudem nimmt die Schutz­wirkung mit dem Alter ab, zugleich steigt das Risiko für einen komplikations­reichen Krank­heits­verlauf. Über­legens­wert: Bei gesunden Menschen zwischen 60 und 69 Jahre scheint die Impfung noch am meisten zu nutzen.
Stand der Bewertung: April 2016.

Ständige Impf­kommis­sion:
Sie empfiehlt Zostavax nicht als Stan­dard­impfung oder als Impfung bei bestimmten Krankheiten – „aufgrund der geringen Wirk­samkeit und der geringen Anwendungs­breite“ im Vergleich zu Shingrix.
Stand der Bewertung: September 2017.
Mehr Infos: Robert Koch Institut,
Epidemiologisches Bulletin 36/2017

    • 1 Sämtliche Informationen zu Shingrix sind dem Epidemiologisches Bulletin 50/2018 des Robert Koch Instituts entnommen. Die Informationen zu Zostavax basieren über­wiegend auf einer Studienauswertung der Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest im April 2016. Die Einschät­zung zu Zostavax durch die Ständige Impf­kommis­sion findet sich im Epidemiologischen Bulletin 36/2017 des Robert Koch Instituts.