Gürtelrose Test

Das zweite Gesicht der Wind­pocken. Wer Windepo­cken hatte, trägt das Virus Varizella Zoster für immer im Körper. Es kann Jahr­zehnte im Nerven­system schlummern. Alter, Stress und Krankheiten können den Erreger reaktivieren. Er löst dann Gürtelrose aus, sicht­bar am Haut­ausschlag.

Etwa jeder Fünfte erkrankt in seinem Leben an Gürtelrose, besonders oft trifft es ältere Menschen. Stress oder schwere Krankheiten begüns­tigen sie auch bei Jüngeren. Normaler­weise verheilt eine Gürtelrose in vier bis sechs Wochen. Jeder Zehnte leidet danach aber unter chro­nischen Nerven­schmerzen. Die Pharma­industrie hat einen Impf­stoff gegen Gürtelrose, auch Herpes Zoster genannt, entwickelt und vertreibt ihn unter dem Namen Zostavax. In Deutsch­land ist der Impf­stoff seit 2013 für Menschen ab 50 Jahre verfügbar. Unser Test zeigt, was die 175,35 Euro teure Impfung bringt.

Jeder zehnte leidet auf Dauer unter Nerven­schmerzen

Ein plötzlich brennender Schmerz – meist zwischen Taille und Brust, manchmal auch im Gesicht, am Ohr oder Auge: So kündigt sich eine Gürtelrose typischer­weise an. Wenige Tage später über­zieht ein meist bandförmiger Ausschlag die immer heftiger schmerzende Körper­stelle. Etwa jeder Fünfte erkrankt in seinem Leben daran, besonders oft trifft es ältere Menschen. Stress, seelische Belastungen oder schwere Krankheiten begüns­tigen den Ausbruch auch bei jüngeren Leuten. Normaler­weise verheilen die äußeren Anzeichen einer Gürtelrose in vier bis sechs Wochen. Bis zu 10 Prozent der Patienten leiden aber auch danach unter chro­nischen Nerven­schmerzen. Diese können Monate, Jahre oder ein Leben lang quälen, selbst wenn das Immun­system gesund ist.

Hilft der Impf­stoff Zostavax gegen Gürtelrose?

Die Pharma­industrie hat einen Impf­stoff gegen Gürtelrose, auch Herpes Zoster genannt, entwickelt. In Deutsch­land ist er seit 2013 für Menschen ab 50 Jahre verfügbar. Sein Name: Zostavax. Inzwischen wurde sein Nutzen in vielen Studien untersucht. Ein Experten­kreis aus Medizinern und Pharmazeuten hat die Literatur für uns ausgewertet. Fazit: Eine Impfung für alle Menschen über 50 Jahre ist wenig sinn­voll. Am ehesten lohnt sie sich für 60- bis 69-Jährige.

Tipp: Ausführ­liche Informationen zur Behand­lung von Gürtelrose finden Sie in unserer Daten­bank Medikamente im Test. Das PDF zu Lippenherpes und Gürtelrose hat 14 Seiten und kostet 3 Euro.

Impf­schutz hält nicht ewig

Gürtelrose Test

Impf­ausweis. Darin dokumentiert der Arzt jede Impfung.

Die gute Nach­richt: Die von unseren Experten einbezogenen Studien belegen, dass der Impf­stoff wirkt. Er kann bei 50- bis 59-Jährigen gut zwei Drittel der Erkrankungen verhindern, bei den 60- bis 69-Jährigen sind es etwas weniger. Das Risiko für schwere Verläufe sinkt insgesamt leicht. Die schlechte Nach­richt: Bei noch älteren Patienten nimmt die Immun­antwort auf die Impfung immer weiter ab, sie bilden also weniger Antikörper. Das ist ernüchternd. Zum einen, weil Gürtelrose im hohen Alter öfter und häufig mit mehr Komplikationen auftritt. Zum anderen, weil eine frühe Impfung, etwa gleich nach dem 50. Geburts­tag, keinen sicheren Lang­zeit­schutz bietet. Es ist unklar, ob die Wirkung länger als fünf Jahre hält. Zurzeit wird noch erforscht, ob Auffrischungs­impfungen helfen können.

Vereinzelt schwere Neben­wirkungen

Am sinn­vollsten erscheint die Impfung für 60- bis 69-Jährige: Sie haben ein höheres Erkrankungs­risiko als 50-Jährige, aber die Impfung verhindert noch fast zwei Drittel der Erkrankungen. Empfehlens­wert ist die Injektion vor allem vor medizi­nischen Maßnahmen, die das Immun­system herunter­fahren und so die Gefahr einer Gürtelrose erhöhen, etwa Chemo­therapie und Kortisonbe­hand­lung. Haben diese Therapien begonnen, ist es erst­mal zu spät: Der Lebend­impf­stoff ist für Menschen mit deutlicher Immun­schwäche nicht zugelassen. Er wird daher auch bei Aids­patienten, Auto­imm­unerkrankungen, Leukämie und nach Trans­plantationen nicht verwendet. Schwere Neben­wirkungen treten nur vereinzelt auf. Öfter rötet sich die Einstich­stelle, juckt oder schwillt an.

Spät­folgen der Wind­pocken

Bei gefähr­lichen, sehr anste­ckenden Krankheiten wie den Masern sind Impfungen ein Segen für die Allgemeinheit. Je mehr Menschen sie nutzen, desto weniger erkranken. Gürtelrose ist aber normaler­weise nicht anste­ckend. Sie bricht aus, wenn das Immun­system des Einzelnen schwächelt. Den Erreger tragen Betroffene längst im Körper. Verantwort­lich ist das Wind­pocken-Virus, Varizella Zoster, das sich nach über­standener Krankheit in den Nerven von Rückenmark und Gehirn fest­setzt. In vielfacher Kopie schlummert es dort oft Jahr­zehnte. Wenn die Abwehr nach­lässt, kann es wieder aktiv werden. Dann zeigt es sich in seinem zweiten Erscheinungs­bild – als Gürtelrose.

Geringe Anste­ckungs­gefahr

Anste­ckend ist Herpes Zoster nur für jene, die noch keine Wind­pocken durch­gemacht haben: etwa 5 Prozent der Deutschen. Sie können sich am Sekret infizieren, das die Bläschen der Gürtelrose freisetzen – aber nur bei direktem Kontakt. Die Anste­ckung führt dann nicht zum Herpes Zoster, sondern zu Wind­pocken. Wer die Kinder­krankheit einmal hatte, muss sich vor Wind­pockenpatienten nicht fürchten. Im Gegen­teil: Studien zeigen, dass Kontakte mit ihnen das Immun­system trainieren und vor Gürtelrose schützen können. Dieser Effekt würde entfallen, wenn viele Kinder gegen Wind­pocken geimpft sind und nicht mehr daran erkranken. Da die Ständige Impf­kommis­sion (Stiko) diese Impfung seit 2004 empfiehlt, ist das Szenario für heutige Erwachsene realistisch. Michael Kochen, emeritierter Professor für Allgemeinmedizin aus Freiburg: „Eine hohe Durch­impfungs­rate gegen Wind­pocken könnte zu mehr Gürtelrose-Fällen im hohen Alter führen.“

Kassen zahlen die Impfung oft nicht

Zur Impfung gegen Gürtelrose gibt es noch keine Stiko-Einschät­zung. Die Kassen zahlen sie daher oft nicht. Wer die Impfung möchte, trägt die Kosten von 175,35 Euro meist selbst. Bei Verdacht auf Gürtelrose sollten Betroffene sofort zum Arzt. Er kann antivirale Medikamente mit Aciclovir oder Brivudin verordnen. Direkt nach Krank­heits­ausbruch wirken sie am besten. Auch Schmerz­mittel helfen, sorgfältige Haut­pflege schützt vor bakteriellen Zusatz­infektionen.

Themenpaket Impfen

Das Themenpaket Impfen der Stiftung Warentest klärt, welche Stan­dard-Impfungen für Kinder, Erwachsene und Reisende sinn­voll sind. Dazu enthält es Impf­kalender für Kinder und Erwachsene, Fragen und Antworten aus dem Experten-Chat, Infos zur Kosten­über­nahme von Krankenkassen für Reiseimpfungen und die Auswertung der Umfrage Impfen mit mehr als 10 000 Teilnehmern. Das PDF hat 35 Seiten und kostet 2 Euro.

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