Güns­tige Tarife für Strom und Gas Special

Sauer wegen einer Preis­erhöhung? Das ist ein guter Anlass, den Versorger zu wechseln und hunderte von Euro zu sparen.

Bald geht es wieder los. Die Strom­kunden erhalten Post von ihrem Versorger. Er teilt eine Preis­erhöhung mit.

Energie­experten wie die des Internet­vergleichs­rechners verivox gehen von durch­schnitt­lich 4 Prozent Erhöhung aus. Im Einzel­fall kann es aber auch deutlich mehr sein. Nach der Preissteigerungs­welle zu Jahres­beginn wird aber bei vielen Kunden selbst ein kleiner Anstieg das Fass zum Über­laufen bringen.

Auch den Gaskunden sitzt der Ärger über die jüngste Preis­erhöhung vermutlich noch in den Knochen. Allein zwischen September und November haben 390 Gasversorger die Preise erhöht. „Damit hat jeder zweite Gasanbieter die Preise erhöht“, sagt Dagmar Ginzel von verivox.

Besonders heftig langte die „Gasversorgung Wismar Land Vertrieb GmbH“ zu. Hier stieg der Preis für einen Haushalt mit einem Jahres­verbrauch von 20 000 Kilowatt­stunden im Grund­tarif gleich um 24,8 Prozent auf 2 034 Euro.

Wer sich Preissteigerungen nicht gefallen lassen und den Versorger wechseln will, hat zwei Möglich­keiten. Entweder er nutzt kostenlose Internet­rechner wie check24.de, toptarif.de und verivox.de oder er wendet sich an die Energieberatungs­stellen einer Verbraucherzentrale (Adressen siehe www.verbraucherzentrale-energieberatung.de).

Die Mühe lohnt sich: Unsere Modell­familie spart in drei Beispiel­städten pro Jahr zwischen 50 und 150 Euro beim Strom und bis zu 570 Euro beim Gas, wenn sie sich aus dem teuren Grund­versorgungs­tarif verabschiedet (siehe Tabelle „Tarifbeispiele“).

Tarif­rechner mit Tücken

In die Vergleichs­rechner gibt der Kunde seine Post­leitzahl und seinen Jahres­strom­verbrauch ein. Schon erhält er eine Liste mit güns­tigen Angeboten für Strom und Gas.

Die Rechner haben jedoch einen Haken: Sie arbeiten mit Voreinstel­lungen, die nicht für alle Kunden gleichermaßen geeignet sind. Bequeme, vorsichtige oder umwelt­bewusste Kunden landen mit den Voreinstel­lungen der Rechner schnell im falschen Tarif. Die Voreinstel­lungen wenden sich an Sparfüchse, die auch Vorkasse akzeptieren, um die höchste Ersparnis raus­zuholen, und die bereit sind, schnell wieder zu wechseln.

Die Stiftung Warentest und der Verbraucherzentrale Bundes­verband (vzbv) kritisieren solche Tücken der Tarif­rechner. Lösen lässt sich das Problem nur, wenn der Energiekunde im Rechner die Voreinstel­lungen wegklickt und eigene Kriterien fest­legt. Außerdem sollte er am besten mehrere Rechner zum Vergleich nutzen.

Billigan­gebot ist teurer als Grund­tarif

Was passieren kann, wenn Kunden eine Voreinstellung unkritisch nutzen, zeigt ein Beispiel: Ein Strom­kunde klickt bei toptarif.de und verivox.de für die Berliner Post­leitzahl 10435 alle Voreinstel­lungen bis auf eine weg. „Einmaligen Bonus berück­sichtigen“ lässt er stehen und sieht in der Treffer­liste auf Platz eins oder drei ein Angebot von Stromio. Es hat einen Neukundenbonus von 25 Prozent.

Laut Liste kosten 4 000 Kilowatt­stunden Strom im Tarif „Garant“ rund 861 Euro im ersten Vertrags­jahr. Als Ersparnis zum Grund­tarif werden gut 113 Euro angegeben. Das Angebot hat eine Lauf­zeit von 24 Monaten. Genauso lang gilt auch eine Preisfixierung für den Strom­beschaffungs­preis.

Das Angebot klingt super. Tatsäch­lich ist es aber über die Gesamt­lauf­zeit von zwei Jahren 62 Euro teurer als der Grund­tarif des örtlichen Versorgers Vattenfall.

Möglich ist diese Täuschung, weil in der Preis­über­sicht nur der Preis für das erste Jahr berück­sichtigt wird. Darin ist der Bonus von 25 Prozent einge­rechnet, der im zweiten Jahr wegfällt. Der Bonus beträgt im ersten Jahr immerhin rund 287 Euro. Damit hat es Stromio geschafft, sich in den Rechnern nach vorne zu mogeln.

Schon im ersten Jahr wird mancher Kunde über­rascht sein. Denn er zahlt trotz Bonus höhere monatliche Abschläge als bisher. Denn der Bonus wird erst in der Jahres­end­abrechnung berück­sichtigt.

Diese Häkchen führen zum Ziel

Solche Beispiele sollten niemanden vom Wechsel abhalten. Denn mit den richtigen Klicks lassen sich Fallen umgehen.

Empfehlens­werte Tarife sollten eine Mindest­vertrags­lauf­zeit von nicht mehr als zwölf Monaten haben und eine kurze Kündigungs­frist von höchs­tens acht Wochen. Wichtig ist außerdem, dass die Preis­garantie mindestens so lang oder länger ist als die Mindest­vertrags­lauf­zeit.

Preis­garantie ist aber nicht gleich Preis­garantie, auch wenn der Kunde in der Eingabemaske dieses Wort anklickt. Die meisten Versorger garan­tieren nicht, dass der Endpreis gleich bleibt, sondern schließen bestimmte Kosten­bestand­teile aus. Schließ­lich sind etwa zwei Drittel des Strom­preises Steuern, Abgaben oder Entgelte für Netznut­zung.

In der Ergeb­nisliste weisen die Rechner gut darauf hin, welche Preis­bestand­teile über die Vertrags­lauf­zeit unver­ändert bleiben. Häufig ist dann aber nicht mehr von einer Garantie, sondern von Preisfixierung die Rede.

In der Tabelle zeigen wir, wie viel ein Muster­haushalt sparen kann. Wir haben dafür alle Voreinstel­lungen weggeklickt und nur eine „Preis­garantie“ dazugewählt. Bei „Zahlungs­weise“ haben wir „monatlich“ einge­stellt und uns als Kündigungs­frist für „höchs­tens acht Wochen“ entschieden.

Wir haben es akzeptiert, wenn sich die „Preisfixierung“ nur auf den reinen Energiepreis bezieht. War sie aber kürzer als die Mindest­lauf­zeit, schied der Tarif aus. Interes­sant war, dass diese Tarife Neukunden selten mit Extraboni lockten.

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