Grundstücksgeschäfte Meldung

Wucher ist es nicht nur, wenn man alten Leuten vorsätzlich Grundstücke zum Schleuderpreis abschwatzt. Auch wer es an sich gut meint, dabei aber den völlig unrealistischen Preis grob fahrlässig ignoriert, handelt sittenwidrig, urteilte der Bundesgerichtshof (Az. V ZR 437/99). Bislang galten Geschäfte mit alten Leuten nur dann als sittenwidrig, wenn der Käufer die Schwäche des hilflosen Gegenübers bewusst ausnutzte.

Eine 82-jährige Frau hatte kurz vor ihrem Tod drei insgesamt 3.000 Quadratmeter große Grundstücke für 100.000 Mark verkauft. Daneben wurden ihr eine lebenslange Rente von monatlich 1.400 Mark und ein Wohnrecht zugesagt. Nach dem Tod der Frau forderte ihre Erbin die Grundstücke zurück. Dem realen Wert der Grundstücke in Höhe von 860.000 Mark hätten nur 204.000 Mark an Gegenleistungen gegenübergestanden.

Dem Vorwurf der Sittenwidrigkeit schloss sich der Bundesgerichtshof in letzter Instanz an und gab der Erbin Recht. Zwar sei den Grundstückskäufern das Missverhältnis von Leistung und Gegenleistung nicht bewusst gewesen. Doch nicht nur Immobilienprofis seien die üblichen Grundstückspreise bekannt. Auch unerfahrene Erwerber würden sich vor einem solchen Geschäft sachkundig machen, den Markt beobachten oder Expertenrat einholen. Damit seien auch Laien meist in der Lage, außergewöhnlich vorteilhafte Geschäfte zu erkennen. Wer sich nicht informiere, verschließe "sich leichtfertig der Erkenntnis eines besonders groben Missverhältnisses von Leistung und Gegenleistung". Auch das sei Wucher.

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