Eine höhere Rente bekommen vor allem Frauen, die lange gearbeitet aber wenig verdient haben.

Die Bundes­regierung hat die Grund­rente beschlossen, sie soll zum 1. Januar 2021 in Kraft treten. Davon profitieren Menschen, die lange gearbeitet, aber unter­durch­schnitt­lich verdient haben. Deren kleine Renten würden dann künftig auto­matisch aufgestockt. Laut Arbeits­ministerium sind das vor allem Frauen und Ostdeutsche – 1,3 Millionen Menschen sollen die Grund­rente bekommen. Die Stiftung Warentest erklärt, wie die neue Rente funk­tioniert.

Wer die Grund­rente bekommt

Die Grund­rente ist für Rentner gedacht, die lange gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben, aber eher wenig verdient haben und damit nur eine kleine gesetzliche Rente bekommen. Diese Personen sollen mit der Grund­rente im Alter besser dastehen als diejenigen, die gar nicht oder nur kurz in die Renten­versicherung einge­zahlt haben. Die Grund­rente soll ohne Antrag auto­matisch fließen.

Um die Grund­rente zu bekommen, müssen Versicherte mindestens 35 Jahre sogenannte Grund­renten­zeiten vorweisen können. Dazu zählen laut Gesetz­entwurf Pflicht­beitrags­zeiten für versicherte Beschäftigung oder Tätig­keit, Pflicht­beitrags­zeiten aufgrund von Kinder­erziehung, Pflege und Antrags­pflicht­versicherung, rentenrecht­liche Zeiten wegen des Bezugs von Leistungen bei Krankheit und während der Inan­spruch­nahme von Leistungen zur medizi­nischen Rehabilitation und von Leistungen zur Teilhabe am Arbeits­leben, Ersatz­zeiten sowie Berück­sichtigungs­zeiten wegen Kinder­erziehung und Pflege.

Für alle, die mindestens 33 aber nicht 35 Jahre mit Grund­sicherungs­zeiten vorweisen können,gibt es eine geringere Aufstockung. Sie steigt mit jedem Monat, bis mit 35 Jahren die volle Grund­rente erreicht ist.

Die Grund­rente wird auch denjenigen gezahlt, die bereits in Rente sind. 1,3 Millionen Rentne­rinnen und Rentner sollen laut Bundes­regierung von der Aufstockung profitieren.

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Gehalts­höhe im Erwerbs­leben relevant

Um Anspruch auf die Grund­rente zu haben, dürfen Versicherte in ihrem Erwerbs­leben im Durch­schnitt höchs­tens 80 Prozent des Durch­schnitts­gehaltes (2020: 40 551 Euro) verdient haben, das sind umge­rechnet pro Jahr 0,8 Entgelt­punkte in der Renten­versicherung. Mindestens müssen sie jedoch 30 Prozent verdient haben, also 0,3 Entgelt­punkte pro Jahr. Ob das Gehalt aus einer Voll­zeit- oder Teil­zeit­tätig­keit kommt, spielt keine Rolle.

Einkommensan­rechnung bei Grund­rente

Die volle Grund­rente wird nur an Rentner gezahlt, deren Einkommen unter einem Frei­betrag von 1 250 Euro für Allein­stehende und 1 950 Euro für Paare liegt. Dieser Frei­betrag soll jähr­lich angepasst werden.

Der Einkommens­frei­betrag bezieht sich auf das zu versteuernde Einkommen (Gehalt, Renten, Betriebsrenten, Miet­einkünfte und ähnliches) inklusive zu versteuernder Kapital­erträge. Der steuerfreie Anteil der Rente wird hinzugerechnet. Das zu versteuernde Einkommen ist geringer als das Brutto­einkommen. Das Finanz­amt berück­sichtigt dafür Abzüge wie zum Beispiel Werbungskosten und Sonderausgaben.

Liegt das berück­sichtige Einkommen ober­halb des Frei­betrags, wird das darüber­liegende Einkommen zu 60 Prozent auf die Grund­rente ange­rechnet. Das soll durch einen auto­matischen Daten­abgleich mit dem Finanz­amt passieren.

Über­steigt das Einkommen bei Allein­stehenden 1 600 Euro und bei Paaren 2 300 Euro, wird das Einkommen zu 100 Prozent ange­rechnet

Keine Vermögens­prüfung

Eine Vermögens­prüfung findet nicht statt. Versicherte können also Grund­rente erhalten, obwohl sie ein Haus, Goldbarren oder andere größere Vermögen haben.

Berechnung der Grund­rente

Die Grund­rente wird anhand der Entgelt­punkte in der Renten­versicherung berechnet, die Versicherte im Laufe ihres Erwerbs­lebens gesammelt haben. Für ein Jahr Rentenbeiträge mit Durch­schnitt­verdienst (2020: 40 551 Euro) bekommen Versicherte in den alten Bundes­ländern einen Entgelt­punkt, in den neuen Bundes­ländern etwas mehr. Die erworbenen Entgelt­punkte werden verdoppelt, allerdings auf maximal 0,8 Entgelt­punkte pro Jahr und für maximal 35 Jahre. Der ermittelte Wert wird danach um 12,5 Prozent gekürzt. Wer im Durch­schnitt mehr als 0,8 Entgelt­punkte erworben hat, erhält keinen Grund­renten­zuschlag.

Wer nur zwischen 33 und 35 Jahren Grund­renten­zeiten vorweisen kann, bekommt einen kleineren Zuschlag. Bei 33 Jahren werden die Entgelt­punkte auf maximal 0,4 Entgelt­punkte hoch­gewertet. Für jeden zusätzlichen Monat erhöht sich die Aufwertung – bis auf maximal 0,8 Entgelt­punkte bei 35 Jahren.

Beispiel­rechnung für die Grund­rente

Ein Rentner hat 40 Jahre lang 0,5 Entgelt­punkte pro Jahr erarbeitet, er hat also halb so viel wie der Durch­schnitt verdient. Das entspricht in den alten Bundes­ländern aktuell einem Jahres­gehalt von 20 276 Euro. Seine gesetzliche Rente beträgt dann 661 Euro. Durch die Grund­rente bekommt er für 35 Jahre 0,3 Entgelt­punkte zusätzlich (347 Euro). Dieser Wert wird um 12,5 Prozent gekürzt. Der Zuschlag des Rentners würde somit 304 Euro betragen, und als neue Rente bekäme er 965 Euro.

Angenommen, der allein­lebende Rentner arbeitet nebenbei und kommt auf ein monatliches anrechen­bares Einkommen von insgesamt 1 400 Euro. Nach Abzug des Frei­betrags (1 250 Euro) bleiben 150 Euro. Davon werden 60 Prozent von der Grund­rente abge­zogen: 90 Euro. Der Zuschlag durch die Grund­rente würde dann nur noch 214 Euro betragen.

Frei­betrag beim Wohn­geld

Damit die Grund­rente keine negative Auswirkung auf einen eventuellen Bezug von Wohngeld hat und damit wirkungs­los würde, soll hier ein Frei­betrag einge­richtet werden. Wohn­geld ist ein Zuschuss zur Miete oder zur Belastung bei selbst genutztem Eigentum für Menschen mit nied­rigen Einkünften. Gerade in Groß­städten sind viele Rentner auf Wohn­geld angewiesen. Durch den Frei­betrag wird die Grund­rente beim Wohn­geld nicht voll als Einkommen ange­rechnet. Der Frei­betrag wird je nach Einkommen individuell berechnet und beträgt mindestens 100 Euro und maximal 216 Euro. Frei­beträge soll es auch bei der Grund­sicherung für Arbeits­suchende, in der Hilfe zum Lebens­unterhalt, in der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung geben.

Einführung der Grund­rente

Die Bundes­regierung plant, die Grund­rente zum 1. Januar 2021 einzuführen. Bedenken gibt es jedoch von der Personal­vertretung der Deutschen Renten­versicherung: Der Stellen­aufbau und die Vorbereitungen für einen reibungs­losen Start der Grund­rente sei in den wenigen Monaten bis zum Jahres­wechsel nicht zu schaffen.

Alle Informationen beziehen sich auf den Gesetzentwurf zur Einführung der Grundrente der Bundes­regierung mit Stand 14.02.2020. Änderungen sind noch möglich.

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