Eine höhere Rente bekommen vor allem Frauen, die lange gearbeitet aber wenig verdient haben.

Die Grund­rente kommt. Sie tritt zum 1. Januar 2021 in Kraft. Menschen, die lange gearbeitet, aber unter­durch­schnitt­lich verdient haben, bekommen einen Zuschlag auf ihre Rente. Laut Bundes­arbeits­ministerium sind das vor allem Frauen und Ostdeutsche – insgesamt sollen rund 1,3 Millionen Menschen die Grund­rente erhalten. Teils könnten sich erste Auszahlungen aber bis Ende 2022 hinziehen. Die Stiftung Warentest erklärt, wie die neue Rente funk­tioniert.

Wer die Grund­rente bekommt

Die Grund­rente ist für Rentne­rinnen und Rentner gedacht, die lange gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben, aber eher wenig verdient haben. Damit jahr­zehnte­lange Arbeit mit nied­rigem Verdienst bei der Rente besser berück­sichtigt wird, gibt es für solche Menschen jetzt einen Zuschlag. Sie sollen mit der Grund­rente im Alter besser dastehen als diejenigen, die gar nicht oder nur kurz in die Renten­versicherung einge­zahlt haben. Beantragen müssen Versicherte sie nicht. Sie wird auch denjenigen gezahlt, die bereits in Rente sind.

1,3 Millionen Rentne­rinnen und Rentner sollen laut Bundes­regierung von der Aufstockung profitieren.

Volle Grund­rente bei 35 Jahren Beitrags­zeit

Um die volle Grund­rente zu bekommen, müssen Versicherte mindestens 35 Jahre sogenannte Grund­renten­zeiten vorweisen können. Dazu zählen Beitrags­zeiten aus Beschäftigung aufgrund von Kinder­erziehung oder Pflege. Auch Antrags­pflicht­versicherung, rentenrecht­liche Zeiten wegen des Bezugs von Leistungen bei Krankheit und während der Inan­spruch­nahme von Leistungen zur medizi­nischen Rehabilitation und von Leistungen zur Teilhabe am Arbeits­leben, Ersatz­zeiten sowie Berück­sichtigungs­zeiten wegen Kinder­erziehung und Pflege gehören dazu.

Für alle, die mindestens 33 aber nicht 35 Jahre mit Grund­sicherungs­zeiten vorweisen können, gibt es eine geringere Aufstockung. Sie steigt mit jedem Monat, bis mit 35 Jahren die volle Grund­rente erreicht ist.

Alles rund um die Rente auf test.de

Basiswissen zur gesetzlichen Rente: Gesetzliche Rentenversicherung
Wenn das Geld nicht reicht: Grundsicherung im Alter
Früher in Rente: Rente mit 63
Professionelle Hilfe: Rentenberatung im Praxistest
Vorbereitung auf den Ruhe­stand: Finanzplan für die Rente

Gehalts­höhe im Erwerbs­leben relevant

Die Grund­rente richtet sich zwar an Menschen mit nied­rigen Löhnen. Zu wenig dürfen sie aber auch nicht verdient haben. Der Gesetz­geber will mit einer Unter­grenze verhindern, dass Personen vom Zuschlag profitieren, deren Arbeits­entgelte nur die Bedeutung eines ergänzenden Einkommens hatten – wie das etwa bei „Minijobbern“ oft der Fall ist.

Berechnet wird die Grund­rente deshalb aus allen Grund­renten­zeiten, in denen der Verdienst mindestens 30 Prozent des Durch­schnitts­verdienstes in Deutsch­land betragen hat. Das sind im Jahr 2020 monatlich rund 1 013 Euro brutto und entspricht 0,3 jähr­lichen Entgelt­punkten auf dem Renten­konto. Liegt der Verdienst darunter, zählt die Zeit nicht mit. Der Durch­schnitts­verdienst ändert sich jedes Jahr. Die Gehalts­grenzen liegen deshalb für vergangene Jahre nied­riger.

Ober­grenze bei 80 Prozent des Durch­schnitts

Der Verdienst während des Berufs­lebens darf aber für den Grund­renten­anspruch auch eine bestimmte Ober­grenze nicht über­schritten haben. Im Durch­schnitt dürfen Rentne­rinnen und Rentner höchs­tens 80 Prozent des Durch­schnitts verdient haben. Das sind im Jahr 2020 rund 2 700 Euro brutto im Monat und entspricht 0,8 jähr­lichen Entgelt­punkten auf dem Renten­konto. Liegt das durch­schnitt­liche Einkommen des gesamten Berufs­lebens darüber, gibt es keinen Zuschlag.

So erhöht sich die Rente durch den Zuschlag

Die Grund­rente wird anhand der Entgelt­punkte auf dem Renten­konto berechnet, die Versicherte im Laufe ihres Erwerbs­lebens gesammelt haben. Für ein Jahr Rentenbeiträge mit Durch­schnitt­verdienst (2020: 40 551 Euro) bekommen Versicherte in den alten Bundes­ländern einen Entgelt­punkt, in den neuen Bundes­ländern etwas mehr. Die erworbenen Entgelt­punkte werden verdoppelt, allerdings auf maximal 0,8 Entgelt­punkte pro Jahr und für maximal 35 Jahre. Der ermittelte Wert wird danach um 12,5 Prozent gekürzt. Das soll dafür sorgen, dass Menschen, die einen höheren Beitrag gezahlt haben auch eine höhere Gesamt­rente bekommen.

Wer zwischen 33 und 35 Jahren Grund­renten­zeiten vorweisen kann, bekommt einen kleineren Zuschlag. Bei 33 Jahren werden die Entgelt­punkte auf maximal 0,4 Entgelt­punkte hoch­gewertet. Für jeden zusätzlichen Monat erhöht sich die Aufwertung – bis auf maximal 0,8 Entgelt­punkte bei 35 Jahren.

Beispiel­rechnung für die Grund­rente

Das System der Grund­rente ist kompliziert. Deshalb hier ein Beispiel zur Verdeutlichung:

Ein Rentner aus Köln hat 40 Jahre lang 0,5 Entgelt­punkte pro Jahr erarbeitet, er hat also halb so viel wie der Durch­schnitt verdient. Das entspricht aktuell einem Jahres­gehalt von 20 276 Euro. Seine gesetzliche Rente beträgt damit 684 Euro. Durch die Grund­rente bekommt er für 35 Jahre 0,3 Entgelt­punkte zusätzlich (359 Euro). Damit kommt er insgesamt auf die Maximal­erhöhung von 0,8 Entgelt­punkten. Dieser Wert wird um 12,5 Prozent gekürzt. Der Zuschlag des Rentners würde somit 314 Euro betragen. Als neue Rente bekäme er 998 Euro.

Einkommensan­rechnung bei der Grund­rente

Ist das Einkommen im Ruhe­stand trotz nied­riger gesetzlicher Rente ordentlich, etwa durch Miet­einkünfte, zahlt die Rentenkasse den Zuschlag nicht. Die volle Grund­rente wird nur an Rentne­rinnen und Rentner gezahlt, deren Einkommen unter einem Frei­betrag von 1 250 Euro für Allein­stehende und 1 950 Euro für Paare liegt. Dieser Frei­betrag soll jähr­lich angepasst werden.

Der Einkommens­frei­betrag bezieht sich auf das zu versteuernde Einkommen (Gehalt, Renten, Betriebsrenten, Miet­einkünfte und ähnliches) inklusive zu versteuernder Kapital­erträge. Der steuerfreie Anteil der Rente wird hinzugerechnet. Das zu versteuernde Einkommen ist geringer als das Brutto­einkommen. Das Finanz­amt berück­sichtigt dafür Abzüge wie zum Beispiel Werbungskosten und Sonderausgaben.

Liegt das berück­sichtige Einkommen ober­halb des Frei­betrags, wird das darüber­liegende Einkommen zu 60 Prozent auf die Grund­rente ange­rechnet. Das soll durch einen auto­matischen Daten­abgleich mit dem Finanz­amt passieren.

Über­steigt das Einkommen bei Allein­stehenden 1 600 Euro und bei Paaren 2 300 Euro, wird das Einkommen zu 100 Prozent ange­rechnet

Beispiel für Einkommensan­rechnung

Angenommen, der allein­lebende Kölner Beispiel-Rentner arbeitet nebenbei und kommt so zusammen mit seiner Rente auf ein monatliches anrechen­bares Einkommen von insgesamt 1 400 Euro. Nach Abzug des Frei­betrags (1 250 Euro) bleiben 150 Euro. Davon werden 60 Prozent – 90 Euro – von seiner ursprüng­lichen Grund­rente von 314 Euro abge­zogen. Der Zuschlag durch die Grund­rente würde dann nur noch 224 Euro betragen (314 Euro – 90 Euro).

Keine Vermögens­prüfung bei Grund­rente

Anders als beim Einkommen, spielt die Höhe des Vermögens bei der Grund­rente keine Rolle. Eine Vermögens­prüfung findet nicht statt. Versicherte können also Grund­rente erhalten, auch wenn sie Haus, Land, Goldbarren oder andere größere Vermögens­werte haben.

Frei­betrag beim Wohn­geld

Damit die Grund­rente keine negative Auswirkung auf einen eventuellen Bezug von Wohngeld hat und damit wirkungs­los würde, gibt es hier einen Frei­betrag. Wohn­geld ist ein Zuschuss zur Miete oder zu den Kosten selbst genutztem Wohn­eigentums für Menschen mit nied­rigen Einkünften. Gerade in Groß­städten sind viele Rentne­rinnen und Rentner auf Wohn­geld angewiesen. Durch den Frei­betrag wird die Grund­rente beim Wohn­geld nicht voll als Einkommen ange­rechnet.

Der Frei­betrag wird je nach Einkommen individuell berechnet und beträgt mindestens 100 Euro und maximal 216 Euro. Frei­beträge soll es auch bei der Grund­sicherung für Arbeits­suchende, in der Hilfe zum Lebens­unterhalt, in der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung geben. Für diese Fürsorgesysteme ist allerdings keine der Grund­renten­regelung entsprechende Staffelung bis zum Erreichen der vollen 35 Jahre an Grund­renten­zeiten vorgesehen. Eine gestaffelte Frei­betrags­regelung sei laut Bundes­regierung mit einem zu hohen Verwaltungs­aufwand verbunden.

Auszahlung der Grund­rente

Am 2. Juli 2020 hat der Bundes­tag die Grund­rente verabschiedet. Einen gesetzliche Anspruch darauf haben Rentner ab dem 1. Januar 2021. Die Deutsche Renten­versicherung warnte allerdings schon in der Vergangenheit vor dem hohen Verwaltungs­aufwand bei der Prüfung der Neu- und Bestands­rentner. Die Behörde rechnet deshalb damit, die Grund­renten­bescheide für Neurentner erst in etwa einem Jahr verschi­cken zu können – Bestands­rentner müssen vermutlich noch bis Ende 2022 auf ihren Bescheid warten.

Keine Belastung der Beitrags­zahler

Damit es durch die Grund­rente nicht zu einer höheren Belastung der Renten­beitrags­zahler kommt, sollen die Kosten voll­ständig durch eine Erhöhung des Bundes­zuschusses zur Renten­versicherung – also aus Steuer­mitteln – finanziert werden. Sie werden im Einführungs­jahr rund 1,3 Milliarden Euro betragen.

Newsletter: Bleiben Sie auf dem Laufenden

Mit den Newslettern der Stiftung Warentest haben Sie die neuesten Nach­richten für Verbraucher immer im Blick. Sie haben die Möglich­keit, Newsletter aus verschiedenen Themen­gebieten auszuwählen.

test.de-Newsletter bestellen

Diese Meldung ist am 02. März 2020 erschienen und wurde seitdem mehr­mals aktualisiert, zuletzt am 3. Juli.

Dieser Artikel ist hilfreich. 102 Nutzer finden das hilfreich.