Der Naturaktienindex NAI hat in zehn Jahren um 300 Prozent zugelegt. Jetzt wird er von 25 auf 30 Werte aufgestockt.

Chinas Wirtschaft wächst rasant, ist aber weit davon entfernt, sozial und ökologisch zu sein. Trotzdem hat jetzt als erstes chinesisches Unternehmen die Firma Bio Treat Technology Eingang in den Naturaktienindex (NAI) gefunden.

Der NAI gilt als konsequenteste Umsetzung der Idee grüner Geldanlage. In dem Index sind Firmen wie Solarworld, Starbucks und Shimano gelistet. Seit Jahresbeginn zählt er 30 statt 25 Mitglieder.

„Es gibt immer mehr Firmen, die auf vorbildliche Weise zur ökologisch oder sozial nachhaltigen Entwicklung beitragen, sodass wir den Index aufgestockt haben“, sagt Pressesprecher Norbert Schnorbach.

Bio Treat Technology ist auf Abfall- und Abwasserbehandlung spezialisiert und spielt in diesem Segment eine Vorreiterrolle in China. Beeindruckt hat den Ausschuss des NAI, der die Werte auswählt, auch die für das Land untypische offene Informationspolitik der Firma.

Neu sind auch der Wasserkraftwerksbauer Canadian Hydro Developers aus Kanada sowie drei Firmen aus den USA: der Krankenversicherer Molina Health Care, der auch Randgruppen Zugang zur Krankenversicherung ermöglicht, dazu der Biowarengroßhandel United Natural Foods und die Firma Ormat Technologies, ein Hersteller von Erdwärme­kraftwerken.

Pionierarbeit Ende der 90er Jahre

Der NAI sucht nicht nur nach Unternehmen, die eine Vorreiterrolle spielen, sondern übernahm selbst eine, als er vor knapp zehn Jahren auf den Markt kam. Damals hieß er noch Nax und listete 20 Firmen. Erst Anfang 2001 bekam er den Namen NAI. Die Deutsche Börse hatte Verwechslungen mit ihrem Dax befürchtet.

Seit Auflage am 1. April 1997 bis zum 30. November 2006, unserem Stichtag, hat der Index – auf Euro-Basis gerechnet – ein Plus von 306 Prozent gemacht, 15,6 Prozent pro Jahr. Der NAI ist ein Preisindex, Dividenden sind nicht enthalten.

Zum Vergleich: Der herkömmliche Aktienindex MSCI Welt stieg selbst inklusive Dividendenzahlungen in derselben Zeit nur um 6,7 Prozent pro Jahr.

Auch der für den NAI aufgelegte Fonds Green­ Effects schneidet gut ab: In den vergangenen fünf Jahren, die Grundlage unserer Investmentfonds-Datenbank sind, hat er ein jährliches Plus von 5,3 Prozent gemacht, der MSCI Welt erreichte 1,8 Prozent.

Der Anstoß für den Index kam aus der Redaktion der Zeitschrift natur, heute ­natur+kosmos. Sie wollte herausfinden, ob Geldanlage mit gutem Gewissen wirklich mit Renditeverzicht einhergeht oder ob sich nachhaltiges Wirtschaften nicht vielmehr durch eine langfristig überdurchschnittliche Wertsteigerung bezahlt macht.

Die Zeitschrift beauftragte den Wiener Fachmann für grüne Geldanlage, Max Deml, den Index zu entwickeln. Es bildete sich ein Anlageausschuss mit sechs externen Experten. Ihm gehören heute zum Beispiel Thomas Orbach vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie an und Antje Schneeweiß von Südwind, Institut für Ökonomie und Ökumene.

Anfang 1998 standen die endgültigen Anlagekriterien fest. Die hat der Ausschuss, dem Max Deml seinerzeit angehörte, gemeinsam mit dem Hamburger Finanzdienstleister Securvita ausgetüftelt, der zwischenzeitlich eingestiegen war und den NAI weiterhin betreut.

Die meisten Fonds, die nach ethisch-ökologischen Gesichtspunkten investieren, wurden weit später aufgelegt. Auch ­einige andere Indizes wie der britische FTSE4Good oder der Dow Jones Sustainability Index des Schweizer Finanzdienstleisters SAM kamen später auf den Markt. Nur der Fonds ÖkoVision, der eine ähnlich strenge Auswahl trifft wie der NAI, wurde schon 1996 aufgelegt. Max Deml gibt heute den Aktienindex nx-25 heraus.

Fünf sind heute noch dabei

Von Anfang an dabei und jetzt noch Mitglied im NAI sind die französische Firma Boiron, die homöopathische Arznei produziert, das niederländische Consultingbüro Grontmij, der Kartonagenhersteller Mayr-Melnhof aus Österreich, der japanische Fahrradteilebauer Shimano und Tomra Systems. Die Norweger bauen Rücknahmeautomaten für Pfandflaschen.

Der Kosmetikproduzent Body Shop ist nach der Übernahme durch L'Oréal herausgefallen, die Eiscremerührer Ben & Jerrys nach dem Kauf durch Unilever. „Übernahmen sind der Hauptgrund für Auswechslungen“, sagt Horst Hamm, Sprecher des NAI-Ausschusses.

Ein weiterer Grund für Ausschlüsse sind Verstöße gegen die Kriterien. Der Schuhmacher Timberland musste gehen, weil er für seine Zulieferer keine sozial verträglichen Arbeitsbedingungen mehr garantieren konnte. Whole Foods Markets habe gewerkschaftliche Arbeit behindert.

Energy Conversion Devices war auch in der Gründungsliste, wurde zwischendurch durch die Solarfirma Golden Genesis ersetzt und ist seit 1. Januar 2003 wieder ­dabei. Zu diesem Zeitpunkt wurde der ­Index von 20 auf 25 Werte aufgestockt.

Solarworld war der Renner

Die Werte sollen langfristig ertragreich sein, das ist das Ziel. „Im Vordergrund steht der ökologisch-soziale Aspekt, erst in zweiter Linie schauen wir auf die ökonomischen Daten“, sagt Schnorbach. Die Marktforschungsgesellschaft imug, Hannover, liefert wirtschaftliche Daten und Berichte zur Nachhaltigkeit.

Zum guten Ergebnis des NAI hat wesentlich die deutsche Firma Solarworld beigetragen, die um 250,8 Prozent pro Jahr zugelegt hat, seit sie im NAI ist. „Als wir Solarworld aufgenommen haben, ahnten wir nicht, dass es so toll laufen würde“, sagt Schnorbach. „Solarworld hat sich zum Beispiel durch sein Engagement in Entwicklungsländern von anderen aus der Branche unterschieden.“

Das schlechteste Ergebnis erzielte Fannie Mae. Der Finanzdienstleister ist seit fünf Jahren im Index und hat seither 13,8 Prozent pro Jahr verloren. „Fannie Mae hatte Probleme mit der Aufsichtsbehörde, die aber geklärt werden konnten“, erklärt Schnorbach. Die Firma blieb im NAI.

Wegen Misserfolgs gehen musste aber Condomi. Die Schieflage des Kondome­herstellers führte dazu, dass er seinen Beitrag zur Aids-Verhütung in Afrika nicht mehr leisten konnte, der war aber entscheidend für die Aufnahme in den NAI gewesen.

Bei der Auswahl der Werte achtet der Ausschuss auf einen Mix aus kleinen und großen Unternehmen und darauf, dass sie verschiedenen Branchen angehören. Alle Werte werden jeweils zu Jahresbeginn gleich gewichtet. Während des Jahres verstärkt sich dann der Anteil derer, die gut laufen. Zum nächsten Jahr wird das Gleichgewicht wiederhergestellt.

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