Gründungsseminare Test

Fast alle 21 Kurse im Test informierten über die wichtigsten Gründerthemen. Ob die Inhalte bei den Teilnehmern auch hängen bleiben, ist aber fraglich.

Wer sich selbstständig macht, sollte sich auf jeden Fall frühzeitig in die Themen einarbeiten, mit denen er sich als Existenzgründer herumschlagen muss. Das verringert die Gefahr des Scheiterns. Und die ist, statistisch gesehen, hoch: Jede dritte Gründung steht nach spätestens drei Jahren vor dem Aus.

Um diese schlechte Quote zu verbessern, haben Politik und Wirtschaft gezielt eine eigene Informations- und Beratungslandschaft für Gründer geschaffen. Sie soll diese auf die Fallstricke vorbereiten, die in der Selbstständigkeit lauern. Fester Anlaufpunkt auf diesem Terrain sind Existenzgründungsseminare. Sie können zwar nicht alle Fähigkeiten vermitteln, die die künftigen Selbstständigen benötigen, wohl aber eine erste Orientierung geben und die notwendigen Grundlagen vermitteln. Wir wollten wissen, ob sie das auch leisten, und haben 21 Kurzzeit-Seminare untersucht (siehe „Ausgewählt. . .“).

Das Mittelmaß überwiegt

Im Test waren 18 dreitägige und 3 viertägige Kurse. Das Ergebnis zeigt: Über die Hälfte der Seminare, zwölf an der Zahl, bot gerade einmal eine mittlere Qualität in der zentralen Testkategorie Kursdurchführung. Drei Seminare bekamen hier sogar ein „Niedrig“ oder „Sehr niedrig“. Nur sechs Seminare hoben sich im positiven Sinne vom regierenden Mittelmaß ab: Fünfmal konnten wir für die Kursdurchführung ein „Hoch“ vergeben. Doch nur ein Kurs erzielte hier ein „Sehr hoch“, das Existenzgründer-Seminar von Sax Concept 21. Der Kurs des in Dresden tätigen Unternehmens schnitt somit in der Kursdurchführung am besten ab (siehe Tabelle).

Ein Seminar exzellent gestaltet

Sax Concept 21 bestach mit einem klar strukturierten Kurs, der die zentralen Themen für Gründer zur Sprache brachte: Die Teilnehmer erarbeiteten sich die Inhalte anhand der beispielhaften Erstellung eines Businessplans selbst. Dieser war der rote Faden, an dem sie sich orientieren konnten. Unser Tester lobte dann auch diese Idee: „Auf diese Weise haben die Teilnehmer nach und nach verstanden, wie der Plan aussieht, was sie dort hineinschreiben sollen und woher sie diese Informationen bekommen.“ Gleichzeitig war das Seminar praxisorientiert, weil die Geschäftsmodelle der Teilnehmer als Arbeitsgrundlage dienten. Dabei legte der Dozent großen Wert darauf, die Inhalte abwechslungsreich darzubieten. Ob Rollenspiele, Diskussionen oder Simulationen – die Teilnehmer sollten sich stets einbringen und mitmachen. Das ist vorbildlich, festigt es doch das gerade Gehörte und sorgt dafür, dass es nicht so schnell wieder in Vergessenheit gerät.

Gerade dieser didaktische Aspekt wurde von vielen Trainern in anderen Seminaren vernachlässigt. So lautet ein Fazit unseres Tests: Viele Kurse leisteten inhaltlich durchaus, was sie versprechen. Die Vermittlung des Lernstoffs jedoch gelang nicht allen Dozenten wirklich gut.

Geballte Ladung an Information

Das liegt auch daran, dass es eine Kunst ist, alle für Existenzgründungen relevanten Themen in einem Kurs unterzubringen (siehe Checkliste). Angesichts dieser geballten Ladung an Information ist es nicht verwunderlich, dass es in vielen Seminaren an praxisorientierten Übungen mangelte.

Nur in einigen Seminaren im Test wurde diese Methode auch in ausreichendem Maße eingesetzt, beispielsweise bei der Kreisverwaltung Saalekreis, bei der Unternehmensberatung Ingo Schiener und eben bei Sax Concept 21. Genauso wie bei Rollenspielen oder Simulationen geht es beim Einsatz von Übungen nicht in erster Linie darum, den Unterricht aufzulockern, sondern darum, das gerade Gelernte zu festigen – was auch Bildungsexperten bestätigen (siehe Interview).

Zu viele unnötige Themen

Was passieren kann, wenn ein Trainer das Wissen nicht optimal vermittelt, zeigte das Beispiel des Seminars der VHS Dresden. Statt einen roten Faden vorzugeben, präsentierte der Dozent eine Liste von knapp 60 Themen, die nach und nach abgearbeitet wurden. Dabei machte er es von den Rückfragen der Teilnehmer abhängig, inwieweit er auf ein Thema näher einging. So wurde im Kurs nur wenig über Rechtsformen gesprochen, das eher abseitige Thema der steuerlichen Behandlung eines Dienstwagens aber in epischer Breite besprochen. Diesem Lehrgang konnten wir dann auch nur eine „sehr niedrige“ Kursdurchführung bescheinigen. Das Fazit unseres enttäuschten Testers: „Irgendwie wurden zwar alle wichtigen Themen angesprochen. Was aber dazu gesagt wurde, war mir viel zu unsystematisch und zufällig. Für mich war das Zeitverschwendung.“ Die Mängel bei der Inhaltsvermittlung sind wohl auch eine Folge der Auswahl von Dozenten. Denn offenbar setzen die Seminaranbieter bei ihren Lehrenden in erster Linie auf fachliche Qualifikationen. Doch Unternehmensberater oder Experten für Steuerrecht sind nicht zwangsläufig auch gute Lehrer, die Inhalte verständlich vermitteln. Wer also Wert darauf legt, von didaktisch geschulten Dozenten unterrichtet zu werden, sollte sich beim Anbieter nach deren Qualifikation erkundigen oder gleich direkt mit den Seminartrainern sprechen.

Anbieter nicht sehr auskunftsfreudig

Angesichts der vergleichsweise preiswerten Seminare – sie sind schon ab 30 Euro erhältlich –, mag eine Nachfrage beim Anbieter übertrieben erscheinen. Doch anders können Gründer, deren Zeit in der Regel knapp bemessen ist, diese für sie wichtigen Informationen oft nicht bekommen. Denn in ihren Seminarankündigungen zeigten sich die meisten Bildungsanbieter nicht besonders auskunftsfreudig.

Ein Beispiel: Die Kundeninformation von Crea Kapital Management aus Berlin gab weder Auskunft über den Aufbau und die Dauer noch die Zielgruppe des Existenzgründerseminars und erzielte hier nur eine „sehr niedrige“ Qualität. Lediglich die Volkshochschulen (VHS) Berlin Mitte und Berlin Pankow sowie die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Hagen konnten wir an dieser Stelle mit einem „Hoch“ bewerten.

In Zukunft mehr Vier-Tages-Seminare

Dass Existenzgründungsseminare meist für wenig Geld zu haben sind, hat einen Grund: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) fördert die Anbieter, um die Seminare für möglichst viele Interessenten erschwinglich zu machen. Arbeitslose haben unter Umständen sogar die Möglichkeit, die Seminare umsonst zu besuchen. Denn sie können sich die Kosten von ihrer zuständigen Arbeitsagentur erstatten lassen.

Inzwischen hat das Bafa seine Förderrichtlinien geändert und nimmt damit auf das Kursangebot Einfluss. Da das Amt nun zusätzliche Kursstunden fördert, werden derzeit verstärkt vier- statt dreitägige Kurse angeboten. Diese kosten dann in der Regel 40 statt 30 Euro. Mit dieser Änderung reagierte das Bafa auf die Einwände der Seminaranbieter. Sie hielten die zu vermittelnde Stoffmenge für einen Drei-Tages-Kurs für zu umfangreich und vermissten Zeit für notwendige Rückfragen der Teilnehmer sowie Diskussionen im Kurs.

Außerdem fördert das Bafa seit Juli 2008 Workshops, in denen die Teilnehmer unter fachkundiger Aufsicht individuelle Businesspläne erstellen können. Laut dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle kostet die Teilnahme an den Workshops 150 Euro – das sei weit weniger, als für vergleichbare Angebote derzeit auf dem freien Markt verlangt werde.

Viele Arbeitslose in den Kursen

In vielen Kursen saßen vor allem Frauen und Männer, die aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen wollen oder müssen. Das sorgte nicht immer für eine lernförderliche Atmosphäre: In einigen Seminaren gab es Teilnehmer, die dort offensichtlich vom zuständigen Fallmanager ihrer Arbeitsagentur hingeschickt worden waren und dann nur ihre Zeit absaßen.

Besonders auffällig ist die geographische Verteilung der Seminare: 17 von 21 fanden in den neuen Bundesländern beziehungsweise in Berlin statt. Das hängt unter anderem mit der hohen Arbeitslosenquote in Ostdeutschland zusammen. In den alten Bundesländern dagegen werden mehr ein- und zweitägige Seminare angeboten. Diese haben wir in unserer Untersuchung aber nicht berücksichtigt – unter anderem, um die Vergleichbarkeit der Seminare im Test zu gewährleisten.

Eine Menge Stoff in wenigen Tagen

Selbst für drei- oder viertägige Existenzgründungsseminare bleibt das Problem bestehen, wenig Zeit für zu viel Stoff zur Verfügung zu haben. Eine Alternative können Seminare sein, die für einen längeren Zeitraum konzipiert worden sind. Deshalb haben wir uns zum Vergleich auch zwei Kurse angeschaut, die zehn Tage dauerten.

Der Vorteil längerer Kurse liegt auf der Hand: Es bleibt viel mehr Zeit, um die vielen wichtigen Themen zu behandeln. So konnten etwa in einem der besuchten Kurse die Teilnehmer erst sieben Tage lang alle wichtigen Aspekte des Gründungsprozesses kennenlernen und anschließend drei Tage lang in aller Ruhe einen Businessplan erstellen. Da kann ein kürzerer Kurs natürlich nicht mithalten.

Enorme Preisunterschiede

Der Haken aber ist in aller Regel der Preis: Ein von uns besuchtes Langzeit-Seminar war mit 400 Euro zehn Mal so teuer wie ein viertägiger Existenzgründungskurs, der vom Bafa gefördert wird. Der zweite Kurs, den wir uns anschauten, kostete 330 Euro. Wer also nicht so viel Geld für ein Seminar berappen möchte, muss mit einem Kurs von wenigen Tagen Dauer vorlieb nehmen.

Tipp: Für die Suche nach geeigneten Seminaren bietet sich der Internetauftritt des Bafa an: Dort finden Interessierte eine Suchmaschine, die bundesweit über Termine und Inhalte von Existenzgründungsseminaren informiert (https://www.beratungsfoerderung.net/seminare).j

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