Gründerinfos im Internet Test

Es gibt viele und gute Gründer-Infos im Internet. Das zeigt unser Test. Die Herausforderung liegt darin, die wirklich gut aufbereiteten Hinweise zu finden.

Onlineportale sind eine feine Sache, wenn sie gut gemacht sind: Sie fassen Informationen zu einem gewissen Thema oder für eine bestimmte Zielgruppe zusammen und bieten so einen Einstieg in das jeweilige Gebiet. Das erspart Internetnutzern, die im Netz nach Informationen suchen, eine Menge Arbeit.

Portale zum Thema Existenzgründung sind Teil einer Reihe von Info- und Beratungseinrichtungen, die das Gründungsgeschehen in Deutschland stimulieren sollen. Deshalb gibt es viele Internetportale, die gefördert werden – sei es vom Bund, von den Ländern oder von Verbänden. Rein privatwirtschaftlich betriebene Portale, die finanziell auf eigenen Füßen stehen, sind dagegen eher selten (siehe „Orientierungspunkte im Internet“).

Die Stiftung Warentest hat nun 14 Gründerportale unter die Lupe genommen, nachdem sie bereits Ende 2008 Untersuchungen zu Existenzgründungsseminaren und -beratungen veröffentlichte. Dafür hat sie die Portale gemäß ihres Leistungsversprechens beurteilt und jeweils die Themengebiete bewertet, die die Portalbetreiber ausdrücklich abdecken wollen (s. „Ausgewählt...“). So wird kein Portal benachteiligt, das keine umfassenden Infos zum Thema Existenzgründung liefert, sondern sich den Bedürfnissen einer bestimmten Zielgruppe oder der Darstellung ausgewählter Themen widmet.

Der zweite Prüfpunkt der Untersuchung war die Bedienbarkeit der Gründerportale. Die zentrale Frage dabei war, ob sie logisch und nachvollziehbar aufgebaut und Informationen leicht und schnell zu finden sind.

Inhalte lassen kaum Wünsche offen

Unter dem Strich kann sich das Ergebnis sehen lassen: Was die Qualität und Breite der gelieferten Informationen angeht, dürften zumindest 4 der 14 Portale im Test bei Existenzgründern nur wenige Wünsche offen lassen. Am besten abgeschnitten hat das Portal www.existenzgruender.de vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI). Es ist derart umfassend und inhaltlich so gut, dass es Nutzern und anderen Portalmachern als das dienen kann, was man neudeutsch derzeit gerne Benchmark nennt: als Maßstab, an dem sich alle anderen messen sollten.

Insgesamt glänzten noch drei weitere Gründerportale mit einer hohen Informationsqualität. Allerdings bieten sie im Vergleich zum BMWI-Portal keine derart umfassenden Infos zum Thema Existenzgründung an: Es handelt sich um das Sächsische Existenzgründernetzwerk (SEN), das über das Gründungsgeschehen in Sachsen informiert, um das auf die Themen Förderung und Finanzierung fokussierte Portal der KfW Mittelstandsbank und um das baden-württembergische Länderportal www.newcome.de (siehe Tabelle „Existenzgründerportale im Überblick“).

Die herausragende Stellung des BMWI-Portals bedeutet allerdings nicht, dass durchweg alle Inhalte, die für Gründer interessant und wichtig sind, dort auch am besten dargestellt sind: Wer zum Beispiel auf der Suche nach einem Muster für einen Businessplan ist, bekommt ein solches beim BMWI zwar geliefert. Bei dem erwähnten SEN und dem Portal Startup in Bayern finden sich aber die besten Businessplan-Vorlagen für Gründer.

Um die Suche nach solchen Detailinformationen zu erleichtern, hat die Stiftung Warentest eine Übersicht erstellt, die die Themen der einzelnen Portale im Detail zeigt. Dafür hat sie die Inhalte der Portale anhand von 52 Themen tabellarisch aufgelistet und deren Qualität bewertet (siehe Tabelle „Existenzgründerportale: Informationsqualität im Detail“). Mit dieser Hilfe können Gründer schnell herausfinden, wo genau die für sie persönlich wichtigen Informationen zu finden sind: So hängt es zum Beispiel ganz maßgeblich von der Art der Gründung ab, welches Portal Selbstständige in spe konsultieren sollten (siehe „Unser Rat“).

Umfassende Infos und gute Inhalte

Insgesamt bleibt es aber dabei, dass das BMWI-Portal aufgrund seiner Kombination von umfassenden Informationen und gut aufbereiteten Inhalten die Maßstäbe für alle anderen Plattformen setzt. So liefert es Infos zu nahezu allen Gründungsarten und Zielgruppen, zum Teil auch auf Englisch, Russisch, Türkisch und Französisch. Lediglich Gründungen im Ausland und aus der Landwirtschaft finden keine besondere Berücksichtigung.

Außerdem ist die Website klar strukturiert und medial abwechslungsreich gestaltet. Nutzer können zum Beispiel auf ein Expertenforum, Onlineplaner und interaktive Checklisten zurückgreifen. Neben Textbeiträgen setzt der Betreiber auch auf andere Formen der Informationsvermittlung wie Videobeiträge und Audio-Podcasts.

Portale für bestimmte Zielgruppen

Das Portal böte sogar weitaus mehr Stoff, hätte das BMWI nicht einige Themengebiete auf eigenständige Gründerportale ausgelagert. Das sind Plattformen, die auf Zielgruppen zugeschnitten sind, die von der Politik als besonders wichtig eingeschätzt werden. Zwei von diesen „Unterportalen“ finden sich auch in der Untersuchung wieder: www.gruenderinnenagentur.de für Existenzgründerinnen, das auch vom Bildungs- und vom Familienministerium sowie der Europäischen Union gefördert wird, und www.exist.de, das Gründungen aus der Wissenschaft zum Thema hat. Nicht im Test befindet sich dagegen das Angebot für Unternehmensnachfolger www.nexxt.org.

Die Bundesweite Gründerinnenagentur zum Beispiel will die Zahl erfolgreicher Unternehmensgründungen durch Frauen steigern. Diese Plattform informiert vorbildlich über Veranstaltungen und Beratungsmöglichkeiten für ihre Zielgruppe. Auch das Thema Unternehmensnachfolge durch Frauen ist eine Stärke des Portals. Eine Schwäche ist aber, dass es allgemeine Infos zur Planung und zum Management einer Existenzgründung nahezu vollständig außer Acht lässt. Gründerinnen sollten sich deshalb diese wichtigen Infos an anderer Stelle besorgen.

Gründungen aus der Wissenschaft ist das Thema des Portals www.exist.de. Es informiert über die Förderungen, Wettbewerbe und Projekte aus der eigenen Programmreihe und liefert dazu detaillierte Informationen. Im Gegensatz zu seinem großen Bruder www.existenzgruender.de ist www.exist.de konkret auf eine klar definierte Zielgruppe zugeschnitten und beschränkt sich auf die Fakten, die für diese Zielgruppe wichtig sind – anders als die meisten anderen Portale im Test.

Expertenforum dient als Hilfe

Damit Nutzer aus der Fülle der zur Verfügung stehenden Fakten individuelle Ergebnissen filtern können, hat das BMWI kürzlich ein Recherchecenter in sein Gründerportal integriert. Dort findet sich zum Beispiel die Funktion eines elektronischen Assistenten, der es Nutzern mit wenigen Mausklicks ermöglicht, sich ein maßgeschneidertes Infopaket zusammen zu stellen.

Daneben bietet das Portal auch ein Expertenforum, in dem Gründer Fragen stellen können. Solche Foren sind ein beliebtes Mittel, nicht nur allgemeine Infos, sondern auch zielgerichtete Hilfestellungen zu geben: Auch die Portale der KfW Mittelstandsbank, der Bundesweiten Gründerinnenagentur sowie www.foerderland.de haben ein Expertenforum in ihre Website integriert.

Web 2.0 spielt kaum eine Rolle

Eine weitere Möglichkeit, stärker auf die persönlichen Belange der Gründer einzugehen, ist zum Beispiel der Einsatz von Technologien des so genannten Mitmachwebs oder Web 2.0. Unter diesem Schlagwort werden solche Instrumente zusammengefasst, die die Nutzer zum aktiven Mitmachen bewegen sollen. Das kann zum Beispiel der Einsatz von Wikis oder Sozialen Netzwerken sein.

Von den geförderten Portalen hat zum Beispiel das vom Land Baden-Württemberg und der Pforzheimer Steinbeis-Stiftung betriebene www.newcome.de mit einem Wiki ein typisches Web-2.0-Instrument ins Netz gestellt – also ein Textsystem, das nicht nur vom Betreiber, sondern auch von den Nutzern mit Inhalten bestückt und geändert werden kann. Es befindet sich allerdings noch im Aufbau.

Das Portal www.gruendungszuschuss.de, das sich thematisch vor allem mit Finanzierungen und Förderungen befasst, setzt auch auf das Mitmachweb: Betreiber Dr. Andreas Lutz moderiert das „Netzwerk für Existenzgründer und Selbstständige“ auf der Website des Sozialen Online-Netzwerks Xing, das sich darauf spezialisiert hat, berufliche Kontakte zu knüpfen. Xing hat zum Beispiel Branchen- und Themenforen, die von den Netzwerk-Mitgliedern in Eigenregie organisiert werden. Eines der größten überhaupt davon ist das erwähnte Existenzgründer-Netzwerk mit rund 66 000 Mitgliedern (Stand: Mai 2009). Angesichts dieser hohen Nutzerzahlen kommen auf dem Forum rege Diskussionen zustande und werden aktuelle Entwicklungen im Gründungsgeschehen aufgegriffen.

Davon profitieren alle Beteiligten: Die Nutzer können Fragen stellen und sich aktiv an Diskussionen beteiligen; Xing kann auf ein lebendiges Netzwerk zum Thema Existenzgründung verweisen; und Lutz kann auf viele Klicks auf sein Gründerportal hoffen. Dort werden dann zum Beispiel auch kostenpflichtige Angebote bereit gehalten – etwa Workshops mit dem Titel „Xing besser nutzen“.

Das Gründungszuschuss-Portal richtet sich zu großen Teilen an Menschen, die gezwungen sind, sich selbstständig zu machen: Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit Bedrohte. Inhaltlich informiert es zwar umfassend und gut über Förder- und Finanzierungsfragen. Doch lässt es andererseits Informationen außer Acht, die für eine erfolgreiche Gründung notwendig sind. So geht es nur am Rande auf die Risiken ein, die Gründer mit einer Existenzgründung eingehen, und stellt auch keine Strategien vor, damit umzugehen (Risikomanagement). Da diese Punkte aber für diese Zielgruppe besonders wichtig sind, bekam das Portal bei der Informationsqualität Punkteabzug.

Finanzierung ist ein zentrales Thema

Vorrangig um Geld geht es bei den Gründerportalen, die über Finanzierungsfragen informieren. Die KfW Mittelstandsbank hat zum Beispiel ein Portal (www.kfw-mittelstandsbank.de) ins Netz gestellt, das nicht nur über die Förderprogramme und Finanzierungsformen des Bankhauses informiert, sondern auch den gesamten Gründungsprozess von der ersten Orientierung über die Planung bis zur eigentlichen Umsetzung in den Blick nimmt.

Der Besuch eines Portals reicht nicht

Das Portal bietet seinen Nutzern zum Beispiel Planungshilfen, Downloads von Info-Unterlagen und Checklisten. Es nutzt außerdem unterschiedliche Medienformate (Audio-Podcasts, Videos) und bietet einige, speziell auf das Thema Finanzierung zugeschnittene Werkzeuge an: etwa Kreditanträge, Subventions- und Tilgungsrechner. Ein Muster für den so wichtigen Businessplan sucht man allerdings vergeblich. Abgesehen vom Thema Internationalisierung, das Gründer interessieren dürfte, die ihre Produkte und Dienstleistungen auch im Ausland verkaufen möchten, bedient das Portal alle Gründungsformen und -zielgruppen.

So bietet das KfW-Portal eine ebenso hohe Informationsqualität wie das BMWI. Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied: Das BMWI geht auf alle Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten ein, die sich Gründern bieten. Darüber hinaus hält das Ministerium zusätzlich zu seinem Portal eine Förderdatenbank (www.foerderdatenbank.de) für Internetnutzer bereit, die einen umfassenden und aktuellen Überblick über sämtliche Programme des Bundes, der Bundesländer und der Europäischen Union verspricht. Die KfW hingegen berichtet „nur“ von hauseigenen Programmen – ein gutes Argument dafür, nie nur ein einziges Gründerportal zu konsultieren.

Regionale Angebote beachten

Neben der Suche auf bundesweiten Websites lohnt sich immer ein Blick auf die regionalen Anbieter. So sind auch die Gründerportale der Bundesländer immer einen Besuch wert. Mit Ausnahme Niedersachsens verfügt jedes Bundesland über ein solches Portal. Die Stiftung Warentest hat sich 3 der 15 näher angeschaut: das baden-württembergische Portal www.newcome.de, das bayrische www.startup-in-bayern.de und das nordrhein-westfälische Gründernetzwerk Go! (www.go.nrw.de).

Während das Gründernetzwerk inhaltlich abfällt und sich vorwiegend mit Hinweisen zu Beratungs- und Fördermöglichkeiten in NRW begnügt, sind www.newcome.de und www.startup-in-bayern.de für Gründer und Unternehmensnachfolger in den betreffenden Bundesländern durchaus empfehlenswert. Beide Portale liefern zielgerichtete Hinweise auf weiter führende Infoquellen und das jeweilige Bundesland zugeschnittene Adresslisten. Gründer sollten also immer auch einen Blick auf „ihr“ Länderportal werfen.

Auch Kammern haben Gründerportale

Ebenfalls eher regional ausgerichtet sind die Gründerportale der Industrie- und Handelskammern (IHKs). Jede einzelne IHK ist rechtlich unabhängig und entscheidet selbst, ob sie ein Gründerportal einrichtet und wie sie es aufbauen will. In unserer Untersuchung berücksichtigen wir zwei Portale, hinter denen Kammern stehen: das Sächsische Existenzgründungsnetzwerk (SEN) und das Gründerportal Oberfranken.

Von diesen beiden stellt insbesondere SEN für Existenzgründer in Sachsen einen echten Mehrwert dar: Es bietet umfangreiche Infos in hoher Qualität und ist außerdem medial anspruchsvoll aufbereitet.

Es lohnt sich, auf die Details achten

Fazit der Untersuchung: Zwar erfüllen die Portale ihre Aufgabe, Gründern relevante Informationen bereit zu stellen. Welches genau bestimmte Fragen am besten beantwortet, müssen Existenzgründer aber auf eigene Faust herausbekommen. Die Tabelle der Stiftung Warentest „Existenzgründerportale: Informationsqualität im Detail“ sollte ihnen bei dieser Aufgabe eine Hilfe sein.

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