Grippewelle in Deutsch­land Meldung

Die Fälle von Grippekranken in Deutsch­land häufen sich. Einer der Gründe: Der Grippeimpf­stoff dieser Saison wirke wohl nicht gegen alle im Umlauf befindlichen Virus­typen gleich gut, teilt das Robert-Koch-Institut (RKI) mit. Experten des Helmholtz Zentrums für Infektions­forschung rechnen deshalb mit einer stärkeren Grippewelle als in den vergangenen Jahren – der Höhe­punkt werde in den kommenden drei Wochen erwartet. test.de erklärt, wie Sie eine Grippe erkennen und was gegen die Infektion hilft.

Wirkt der Grippe­schutz dieses Jahr nicht?

Hohes Fieber, starke Kopf- und Glieder­schmerzen – unter diesen typischen Symptomen der Grippe, der Fach­begriff ist Influenza, haben aktuell besonders viele Deutsche zu leiden. Seit Beginn der Grippe­saison Anfang Oktober 2014 sind nach Angaben des RKI schon mehr als 18 000 deutsche Grippekranke offiziell erfasst und die Arbeitsgemeinschaft Influenza meldet in vielen Teilen des Landes eine „stark erhöhte“ Influenza-Aktivität, wie die Karte unten zeigt (Stand: Kalenderwoche 7/2015). Als Grund für die starke Erkrankungs­welle gilt unter anderem der in dieser Saison einge­setzte Impf­stoff. Es müsse damit gerechnet werden, dass der Impf­stoff gegen einen der drei derzeit zirkulierenden Virus­typen schwächer wirkt, als gegen die anderen beiden, so das Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung in einer Pressemeldung. Da die Erreger sich laufend verändern, muss auch der Impf­stoff jähr­lich angepasst werden. Die genaue Zusammenset­zung des Impf­stoffes wird jedes Jahr von der Welt­gesund­heits­organisation (WHO) fest­gelegt.

Grippewelle in Deutsch­land Meldung

In Kalenderwoche 7 war besonders im Süden Deutsch­lands der Kranken­stand stark erhöht. Die Karte wird von der Arbeits­gemeinschaft Influenza regel­mäßig aktualisiert.

Wie erkenne ich, ob ich Grippe habe?

Bei Grippe verschlechtert sich der Gesund­heits­zustand meist abrupt, Husten, Schnupfen und Halsweh kommen auf einen Schlag, häufig begleitet durch hohes Fieber um 40 Grad, starke Glieder­schmerzen, bleierne Müdig­keit und Appetitlosig­keit. Bei Klein- und Schul­kindern können Bauch­schmerzen und Durch­fall hinzukommen. Eine Grippe dauert zwei bis drei Wochen – Erkältungen oder grippale Infekte verlaufen hingegen meist weniger schwer und sind schneller über­standen. Husten, Schnupfen und Halsweh treten dann nach­einander auf, leichtes Fieber und Glieder­schmerzen sind möglich. Nach etwa einer Woche klingen bei Erkältungen oder grippalen Infekten die Symptome in der Regel ab.

Symptome im Vergleich

Grippe

Erkältung, grippaler Infekt

Husten, Schnupfen und Halsweh kommen auf einen Schlag, abrupte Verschlechterung.

Husten, Schnupfen und Halsweh treten nach­einander auf, lang­same Verschlechterung.

Hohes Fieber, oft auch Schüttelfrost und Schweiß­ausbrüche.

Leichtes Fieber möglich.

Starke Glieder­schmerzen.

Schwache Glieder­schmerzen möglich.

Trockener, schmerzhafter Husten.

Geringer Hustenreiz.

Bleierne Müdig­keit, Kreis­lauf­beschwerden, Appetitlosig­keit.

Erschöpfung und Müdig­keit.

Kann zwei bis drei Wochen anhalten.

Dauert in der Regel sieben Tage.

Das ist zu tun: Gehen Sie zum Arzt und nicht zur Arbeit. Bett­ruhe ist unerläss­lich.

Das ist zu tun: Die empfehlenswerten Medikamente helfen und schonen den Körper. Außerdem: viel Ruhe und ausreichend trinken.

      Was ist bei Grippe­symptomen zu tun?

      Bei Verdacht auf Grippe ist ein Arzt­besuch wichtig. Der Arzt über­wacht den Gesund­heits­zustand, damit keine ernsten Komplikationen eintreten, und stellt dem Patienten nötigenfalls eine Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung aus. Als Mittel gegen Grippeviren steht in erster Regel das rezeptpflichtige Tamiflu zur Verfügung. Es scheint den Krank­heits­verlauf aber laut den bisherigen Studien nur gering­fügig zu verkürzen und ist auch sonst wissenschaftlich umstritten. Die Arznei­mittel-Experten der Stiftung Warentest bewerten das Medikament daher nur als „mit Einschränkung geeignet“. Symptome wie Husten, Schnupfen und Glieder­schmerzen lassen sich mit Medikamenten lindern, sie sollten zielge­richtet behandelt werden. Bei Glieder­schmerzen helfen etwa Schmerz­mittel mit den Wirk­stoffen Ibuprofen oder Parazetamol – beide senken auch Fieber. Geeignet bei Schnupfen sind konservierungs­mittel­freie Präparate mit den Wirk­stoffen Xylometazolin, Oxymetazolin oder Salzlösung. Diese Mittel stuft die Stiftung Warentest als geeignet ein.

      Übrigens: Gegen Erkältungs­viren gibt es keine Medikamente. Die Symptome lassen sich aber mit den gleichen Mitteln wie bei Grippe behandeln. Bei Erkältung und grippalen Infekten werden oft Kombinationspräparate verkauft, die Arznei­mittel-Experten der Stiftung Warentest bewertet sie als wenig geeignet. Ein Arzt­besuch ist auch bei schweren Erkältungs­symptomen zu empfehlen, zum Beispiel bei bellendem Husten oder falls Fieber länger anhält.

      Wie lässt sich eine Anste­ckung mit Grippeviren vermeiden?

      Waschen Sie sich gründlich und häufig die Hände mit Seife – vor allem, wenn Sie von draußen herein­kommen und bevor und nachdem Sie Mahl­zeiten zubereiten oder essen. So lassen sich Grippe-, aber auch Erkältungs­viren beseitigen. Allerdings sind Bakterien und Viren Teil der Umwelt und lassen sich nicht dauer­haft von der Haut verbannen – um sie wenigs­tens von den empfindlichen Schleimhäuten von Mund und Nase fern­zuhalten, sollten Sie sich möglichst wenig ins Gesicht fassen. Versuchen Sie Abstand zu anderen zu halten und häufiges Umarmen und Händeschütteln zur Grippe­saison zu vermeiden. Husten oder niesen Sie in die Armbeuge oder in ein vorgehaltenes Einmal-Taschentuch. So sammeln sich die Erreger nicht auf den Händen.

      Lohnt sich die Grippe-Impfung auch jetzt noch?

      Zwar wirke der aktuelle Impf­stoff gegen einen der drei Virus-Typen „nicht so effektiv wie erhofft“, bei den zwei weiteren Typen sei aber „eine gute Schutz­wirkung gegeben“, betont das Helmholtz Zentrum für Infektions­forschung auf seiner Internetseite. Für einen recht­zeitigen Schutz bietet sich zwar eine Impfung schon zu Beginn der Grippe-Saison im Oktober oder November an. Aber „selbst zu Beginn und im Verlauf der Grippewelle kann es noch sinn­voll sein, eine versäumte Impfung nach­zuholen“, schreibt das Robert-Koch-Institut in einem Frage-Antwort-Katalog zur Influenza-Impfung. Es lasse sich nie vorher­sagen, wie lange eine Grippewelle anhalte und die Erkrankung könne sich teils auch in mehreren Wellen ausbreiten. Bis der Impf­schutz voll­ständig aufgebaut ist, dauert es allerdings 10 bis 14 Tage.

      Für wen ist ein Impf­schutz gegen Grippe wichtig?

      • Spezielle Ziel­gruppen: Die Ständige Impf­kommis­sion (Stiko) empfiehlt die jähr­liche Influenza-Impfung unter anderem für alle Frauen, die während der Influenza­saison schwanger sind, für Kinder und Erwachsene mit Immun­schwäche oder chro­nischen Krankheiten, sowie für Bewohner von Alters- oder Pfle­geheimen. Auch medizi­nischem Personal und Menschen, die häufig Kontakt mit Risiko­gruppen haben, wie zum Beispiel Alten­pfleger, wird zu einer Impfung geraten. Die Impf­experten der Stiftung Warentest schließen sich diesen Stiko-Empfehlungen an. Um einer Ausbreitung der Krankheit vorzubeugen, sollten auch diejenigen eine Impfung mit ihrem Arzt besprechen, die zum Beispiel bei der Arbeit viel Kontakt mit anderen Mitarbeitern oder Kunden haben. Viele Arbeit­geber bieten ihren Angestellten jähr­lich die Grippeimpfung an.
      • Gesunde Erwachsene über 60 Jahre: Die Stiko empfiehlt eine grund­sätzliche Impfung aller gesunden Erwachsenen über 60 Jahre, da bei älteren Menschen das Risiko eines schweren Krank­heits­verlaufes erhöht ist. Aus Sicht der Impf­experten der Stiftung Warentest kann eine Grippe­schutz­impfung auch für über 60-Jährige durch­aus individuell von Nutzen sein: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber! Allerdings wird das Immun­system mit zunehmendem Alter schwächer und reagiert immer schlechter auf die Impfung. Damit kann der Schutz geringer als erwünscht sein. Das ist für den einzelnen Betroffenen nach­teilig, genauso wie für andere, die sich anste­cken könnten. Deshalb halten unsere Experten eine andere generelle Strategie für erwägens­wert, die über 60-Jährige indirekt schützt und strategisch insgesamt effektiver ist (siehe nächste Gruppe).
      • Kinder und Jugend­liche: Eine allgemeine Impfung dieser Gruppe empfiehlt die Stiko nicht; die Impf­experten der Stiftung Warentest halten sie jedoch für über­legens­wert. Zum einen haben vor allem die kleineren Kinder selbst ein erhöhtes Risiko für Komplikationen, wenn sie erkranken: Laut dem Influenza-Saison­bericht des RKI für 2013/2014 mussten deutlich mehr kleine Kinder wegen Grippe ins Kranken­haus als Senioren. Zum anderen verbreiten Kinder und Jugend­liche die Viren besonders stark, etwa in Schule oder Kinder­garten. Zudem ist ihre Immun­antwort besonders hoch, damit die Schutz­wirkung der Impfung besonders effektiv. Kinder und Jugend­liche zu impfen, könnte also eine Menge Infektionen verhindern, Risiko­gruppen wie etwa die Senioren schützen – sogar Grippewellen stoppen. Das geht aber nur, wenn mehr als 90 Prozent der Kinder und Jugend­lichen die Grippeimpfung bekommen – jedes Jahr. Diese Vorgehens­weise wird mitt­lerweile in nationalen und interna­tionalen Fachkreisen diskutiert. Seit 2012 steht in Deutsch­land für Kinder von 2 bis 17 Jahren eine Grippeimpfung als Nasen­spray zur Verfügung, die sich einfacher und bequemer verabreichen lässt als die Spritze. Sie ist laut Stiko-Empfehlung bei den Zwei- bis Sechs­jährigen bevor­zugt einzusetzen.

      Die Experten der Stiftung Warentest haben alle Informationen zum Thema Impfen zu einem Paket zusammen­gestellt:
      Themenpaket Impfen: Was Kinder, Erwachsene und Reisende brauchen

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