Grill­kohle

Grill­kohle: Wo ist Tropen­holz drin, welche ist ökologisch unbe­denk­lich?

21.05.2019
Grill­kohle - Wo ist Tropen­holz drin, welche ist ökologisch unbe­denk­lich?
© Getty Images / iStockphoto

Die Stiftung Warentest hat 17 Grill­holz­kohlen analysieren lassen. In fünf Säcken versteckte sich Tropen­holz. Insgesamt gibt sich die Branche wenig trans­parent.

Grill­kohle Testergebnisse für 17 Grill­kohle 06/2019

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Inhalt

Wie viel Holz aus Raubbau steckt in unserer Grill­kohle? In den vergangenen Jahren häuften sich Berichte von Umwelt­verbänden und verschiedenen Medien, dass Urwälder hier­zulande auf dem Grill landen. Rund 233 000 Tonnen Holz­kohle wurden laut Eurostat 2018 nach Deutsch­land importiert.

Um heraus­zufinden, woher die Holz­kohle stammt, kauf­ten wir 17 Säcke in Supermärkten, Baumärkten, im Getränkemarkt und an der Tank­stelle und ließen den Inhalt mithilfe eines Spezialmikroskops analysieren. Zudem ermittelten wir, ob die Anbieter die Herkunft und Art des Holzesan­geben und befragten sie, aus welchen Wäldern das Holz stammt.

Ergebnis: Nach wie vor verkaufen mehrere Händler Tropen­holz, ohne dass Kunden es erfahren. Auf neun Säcken waren weder Holz­arten noch Herkunft angegeben – in fünf davon steckte Kohle aus dem tropischen oder subtropischen Raum. Ein Produkt führt Verbraucher in die Irre: Max Grill & Barbecue trägt ein Siegel des Forest Steward­ship Council (FSC), das die Kohle als nach­haltig und aus heimischen Wäldern ausweist. Tatsäch­lich besteht sie jedoch komplett aus Tropen­holz. Aber auch Produkte aus europäischen Laubbäumen sind kein Garant für eine saubere Herkunft. 

Unser Rat

Um Grill­kohle aus Raubbau zu meiden, wählen Sie ein Produkt, auf dem Holz­art und -herkunft angegeben sind, und das ein Siegel trägt (FSC, Natur­land, PEFC). Im Test erfüllt die Flammenco Grill-Holz­kohle (1,17 Euro pro Kilogramm) am ehesten diese Kriterien. Gering ist das Raubbau-Risiko auch bei der Favorit Buchen Grill­kohle (2 Euro ) und der Buchen Grill-Holz­kohle von ProFagus (2,60 Euro). Für beide wurde laut Anbieter Holz aus Deutsch­land verkohlt. Aber: Das zweite Favorit-Produkt, die Qualitäts-Grill Holz­kohle, besteht aus Tropen­holz.

Illegale Kohle durch Gesetzes­lücke

Nur der Anbieter von Flammenco benennt das Land, aus dem das Holz stammt. Hersteller sind dazu gesetzlich nicht verpflichtet, aber Trans­parenz wäre dringend nötig. Sobald Grill­kohle auf dem deutschen Markt landet, kann sie legal verkauft werden – selbst wenn das Holz illegal geschlagen wurde. Denn die europäische Holz­handels­ver­ordnung, die sicher­stellen soll, dass nur legales Holz in die EU gelangt, gilt bislang nicht für Grill­kohle und Briketts. Für sie müssen Importeure keine Legalitäts­nach­weise erbringen. Auch behördliche Kontrollen entfallen. Umwelt­verbände wie der WWF und Robin Wood kritisieren das und fordern, die Verordnung zu erweitern.

Grill­kohle Testergebnisse für 17 Grill­kohle 06/2019

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Kahl­schlag in Paraguay und Nigeria

Grill­kohle - Wo ist Tropen­holz drin, welche ist ökologisch unbe­denk­lich?
Wald­vernichtung. In Südamerika werden riesige Flächen für Getreide und Vieh­zucht gerodet. Das Holz landet unter anderem bei uns auf dem Grill. © Getty Images/ AFP/ JUAN MABROMATA

Wir wollten von den Anbietern wissen, woher sie ihre Kohle beziehen und was sie tun, um Raubbau zu vermeiden. Die Abfüller der Activa Jakob‘s Kohle und von Grill­profi reagierten gar nicht. Die Analyse der Grill­profi-Kohle ergab, dass die Bäume im tropischen Afrika oder Südamerika wuchsen. Dort sind Nigeria und Paraguay mit Abstand die größten Lieferanten für Kohle, die hier­zulande Grills anheizt. In beiden Ländern begüns­tigen Korruption und Armut massenhafte Wald­vernichtung.

Aus Paraguay bezieht Netto – anders als dessen Wett­bewerber Netto Marken-Discount –* zumindest einen Teil der Kohle. In dem Land werden riesige Flächen für Vieh­zucht oder Ackerbau gerodet, vor allem im Gran Chaco, einem tropischen Trocken­wald. „Diese Umwandlung ist ökologischer Wahn­sinn“, sagt Johannes Zahnen, Holz­experte des WWF Deutsch­land. Der Verkauf der Kohle finanziert die Abholzung mit. Laut einem Bericht der britischen Umwelt­organisation Earth­sight wird kein anderes Wald­gebiet so schnell zerstört wie der Chaco. „Es gibt in Paraguay einen hohen Grad an Korruption und Raubbau. Nach­haltige Forst­wirt­schaft hat hier das Nach­sehen“, sagt Zahnen.

Raubbau in der Ukraine

Häufiger als aus tropischen Gefilden werden Bäume aus unseren gemäßigten Breiten zu Grill­kohle verarbeitet, vor allem aus der Ukraine. Unpro­blematisch ist auch das nicht: „Was das Raubbau-Risiko angeht, sind die Verhält­nisse in der Ukraine ähnlich wie in Paraguay“, sagt Zahnen. „Wir haben dort hoch­sensible Wälder – die letzten Urwälder Europas. Und wir haben sehr viel Korruption und illegalen Holz­einschlag.“

Knapp die Hälfte der Anbieter teilte uns mit, dass sie ihre Kohle zumindest teil­weise aus der Ukraine beziehen. Auf den Verpackungen werben einige mit „Made in Europe“ oder „Aus europäischen Wäldern“.

Immerhin sind diese Produkte – bis auf die Netto-Grill­holz­kohle – FSC-zertifiziert. Wie man bei der Max-Kohle sieht, bietet das Siegel zwar keine völlige Garantie, dennoch ist FSC-Holz besser über­wacht als anderes. Und: „Der FSC trägt in der Ukraine zu mehr Trans­parenz in der Holz­wirt­schaft bei – auch wenn in Zukunft noch vieles besser werden muss“, so Zahnen.

Kohle gegen Verbuschung

Dass Trans­parenz möglich ist, zeigt die Flammenco-Qualitäts-Grill-Holz­kohle. Sie stammt, wie das Holz, aus Namibia. Das afrikanische Land kämpft seit Jahren gegen sich ausbreitende Büsche. „Die Verbuschung verursacht erhebliche ökologische Schäden“, sagt Volker Haag, Wissenschaftler am Hamburger Thünen-Institut für Holz­forschung. Die wuchernden Büsche schränken beispiels­weise die Biodi­versität ein. „Deshalb halte ich eine Verarbeitung zu Holz­kohle für sehr sinn­voll.“ Die in unserer Analyse gefundenen Hölzer und die Größe der Kohle­stücke passen zum Astmaterial der namibischen Büsche. Konkrete Herkunfts­angaben wie bei Flammenco würden in der ganzen Branche zu mehr Sicherheit führen. 

Tipp: Grill-Alternative. Klimafreundlicher als Holz­kohle ist Grillen mit Gas. Gute Gasgrills finden Sie in unserem Gasgrill-Test.

* Ergänzt am 27.5.2019.

21.05.2019
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