Grill­kohle Test

Wie viel Holz aus Raubbau steckt in unserer Grill­kohle? Die Stiftung Warentest hat 17 Grill­holz­kohlen analysieren lassen, darunter Säcke von Aldi, Kauf­land, Netto und Markenware von ProFagus und Weber (Kilo­preise: 0,90 bis 3,50 Euro). In fünf Säcken fanden wir Tropen­holz. Aber auch Produkte aus europäischen Laubbäumen sind kein Garant für eine saubere Herkunft, wie unser Grill­kohle-Test zeigt. Ein positives Beispiel sticht heraus, doch insgesamt gibt sich die Branche wenig trans­parent.

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TestGrill­kohle21.05.2019
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Holz­kohle wurde mit einem Spezialmikroskop analysiert

In den vergangenen Jahren häuften sich Berichte von Umwelt­verbänden und Medien, dass Urwälder hier­zulande auf dem Grill landen. Und heute? Wir kauf­ten 17 Säcke in Supermärkten, Baumärkten, im Getränkemarkt und an der Tank­stelle ein und ließen den Inhalt mit Hilfe eines Spezialmikroskops analysieren. Zudem ermittelten wir, ob die Anbieter die Herkunft und Art des Holzes angeben und befragten sie, aus welchen Wäldern das Holz stammt.

Das bietet der Grill­kohle-Test der Stiftung Warentest

Test­ergeb­nisse. Wir haben 17 Grill­holz­kohlen untersucht, unter anderem von Aldi, Bauhaus und Netto. Unsere Tabelle zeigt, welche Anbieter die Herkunft des verwendeten Holzes deklarieren, welche Hölzer in den Holz­kohle-Produkten stecken und ob diese aus unseren gemäßigten Breiten oder aus den Tropen stammen.

Kauf­beratung und Hintergrund. Wir sagen Ihnen, welche Grill­kohle Sie guten Gewissens kaufen können – und wovon Sie die Finger lassen sollten, wenn Sie Raubbau an der Natur vermeiden wollen. Und wir erklären, warum der Kauf von Holz aus fernen Ländern manchmal sogar ökologisch sinn­voll sein kann.

Heft­artikel. Wenn Sie das Thema frei­schalten, erhalten Sie Zugriff auf das PDF zum Testbe­richt aus test 6/2019.

Falsches FSC-Siegel: Tropisches statt heimisches Holz im Sack

Das Ergebnis unserer Analyse zeigt: Nach wie vor verkaufen Händler Tropen­holz, ohne dass Kunden es erfahren. Auf neun Säcken waren weder Holz­arten noch Herkunft angegeben – in fünf davon steckte Kohle aus dem tropischen oder subtropischem Raum. Ein Produkt führt Verbraucher in die Irre: Es trägt ein Siegel des Forest Steward­ship Council (FSC), das die Kohle als nach­haltig und aus heimischen Wäldern ausweist. Tatsäch­lich besteht sie jedoch komplett aus Tropen­holz.

Illegale Kohle durch Gesetzes­lücke

Lediglich ein Anbieter benennt das Land, aus dem das Holz stammt. Hersteller sind dazu gesetzlich nicht verpflichtet, aber Trans­parenz wäre dringend nötig. Sobald Grill­kohle auf dem deutschen Markt landet, kann sie legal verkauft werden – selbst wenn das Holz illegal geschlagen wurde. Denn die europäische Holz­handels­ver­ordnung, die sicher­stellen soll, dass nur legales Holz in die EU gelangt, gilt bislang nicht für Grill­kohle und Briketts. Für sie müssen Importeure keine Legalitäts­nach­weise erbringen. Auch behördliche Kontrollen entfallen.

Kahl­schlag in Paraguay und Nigeria

Die Analyse der fünf Tropen­holz-Produkte ergab, dass die Bäume in Afrika oder Südamerika wuchsen. Dort sind Nigeria und Paraguay mit Abstand die größten Lieferanten für Kohle, die hier­zulande Grills anheizt. In beiden Ländern begüns­tigen Korruption und Armut massenhafte Wald­vernichtung. In Paraguay werden riesige Flächen für Vieh­zucht oder Ackerbau gerodet, vor allem im Gran Chaco, einem tropischen Trocken­wald. Der Verkauf der Kohle finanziert die Abholzung mit. Laut einem Bericht der britischen Umwelt­organisation Earth­sight wird kein anderes Wald­gebiet so schnell zerstört wie der Gran Chaco. Nach­haltige Forst­wirt­schaft existiert in beiden Ländern kaum.

Raubbau in der Ukraine

Häufiger als aus tropischen Gefilden werden Bäume aus unseren gemäßigten Breiten zu Grill­kohle verarbeitet, vor allem aus der Ukraine. Unpro­blematisch ist auch das nicht. In dem Land sind Korruption und illegaler Holz­einschlag weit verbreitet und bedrohen die letzten Urwälder Europas. Knapp die Hälfte der Anbieter teilte uns mit, dass sie ihre Kohle zumindest teil­weise aus der Ukraine beziehen. Immerhin sind viele dieser Produkte FSC-zertifiziert. Wie der Sack mit dem falschen Siegel zeigt, bietet es zwar keine völlige Garantie, dennoch ist FSC-Holz besser über­wacht als anderes.

Kohle gegen Verbuschung

Dass Trans­parenz möglich ist, zeigt die einzige vorbild­lich deklarierte Grill­kohle im Test. Sie stammt, wie das Holz, aus Namibia. Das afrikanische Land kämpft seit langem gegen die Verbuschung – weshalb die Verarbeitung der Äste zu Grill­kohle nicht nur unbe­denk­lich, sondern sogar ökologisch sinn­voll ist.

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