Grillgeräte Test

Sommer, Sonne, Grillsaison: Während Ro­man­tiker geduldig Holzkohle zum Glühen bringen, setzen Pragmatiker schnell den Gas- oder Elektrogrill in Gang. Vom Wegwerfgrill bis zum schicken Grillwagen war im Test alles vertreten.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Grillgeräte.

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Mitte April feierten mehr als 1 200 Grillmeister in Montevideo die bislang größte Grillparty der Welt. Zwölf Tonnen Rindfleisch brutzelten für 20 000 zahlende Gäste auf dem 1 500 Quadratmeter großen Rost. Allein 30 Feuerwehrleute kontrollierten das riesige Holzkohlenfeuer. Das brachte den Gauchos aus Uruguay einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

Damit kann dieser Test natürlich nicht konkurrieren. Dafür ist er vielfältiger. Unsere Grillwürstchen und Nackensteaks schmorten nämlich nicht nur auf glühenden Kohlen, sondern auch über Gas- und Elektrobrennern. Gerade wenn Kinder im Spiel sind, bieten gas- und strombetriebene Grills Vorteile. Sie sind schneller und prinzipiell sicherer. Eingefleischten Holzkohlefans mag das nicht schmecken, doch es ist Tatsache, dass sich viele Unfälle ereignen, wenn ungeduldige Grillmeister den Kohlen mit Brandbeschleunigern einheizen (siehe Interview). Bis 75 Prozent der Holzkohle mit einer dünnen, weißen Ascheschicht über­zogen sind, vergehen rund 35 bis 60 Minuten. Das dauert vielen zu lange, und darum helfen sie nach. Mit einem Gas- oder Elektrogrill kommt man erst gar nicht in diese Verlegen­heit. Er ist schon nach wenigen Minuten startklar und brutzelt, bis die Gasflasche leer oder der Stecker gezogen ist. Auch die test-Qualitätsurteile sprechen eher für Elektrogrills: Gleich für fünf von ihnen hieß es am Ende „gut“. Von den Konkurrenten mit Kohle oder Gas überzeugte nur der teure Gasgrill Weber Q 200.

Vier können kippen

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Für unser großes Testgrillen wählten wir 21 Geräte aus, vom Einmal-Grillset für schlappe 3 Euro über Kugelgrillgeräte und elektrische Glasplatten bis hin zum 400 Euro teuren Gasgrillwagen mit vielen Extras. Dabei offenbarten sich manche brenzlige Schwächen, die fröhlichen Grillfreunden schnell den Appetit verderben können. So ist die Stimmung abrupt im Keller, wenn der Grill kippt. Vier Geräte fallen bei einem kräftigen Schubs – was in geselliger Runde schnell einmal passieren kann – einfach um. Für den Kugelgrill Weber Smokey Joe, den leichten Landmann-Rundgrill und den kleinen Thüros Tramp sowie für den Elektrogrill Tefal Easy Grill’n Pack Adjust gab es deshalb in puncto Sicherheit nur ein „Ausreichend“. Große, schwere Modelle sind in dieser Hinsicht nicht so anfällig.

Wenig Freude bereiten auch Grills, die sich umständlich bedienen lassen. Gerade das Hantieren über glühender Kohle hat seine Tücken. Beim Landmann Säulengrill zum Beispiel sind die Halterungen für den Rost im wackeligen Windblech integriert. Liegen leckere Steaks oder Fleischspieße darauf, gehört viel Geschick und Balance­gefühl dazu, ihn an den dünnen Griffen korrekt in diese Halterungen hineinzubugsieren. Sonst landet der Gaumenschmaus leicht im Sand statt auf dem Teller.

Schnelle Reaktionen erfordern auch jene Grills, die zwar richtig Hitze bringen, deren Rost sich aber nicht oder nur minimal verstellen lässt (Thüros Tramp, Weber Smokey und das Grillfass von Landmann). Die Würstchen bleiben stets in der heißen Zone und können leicht verbrennen. Manchmal lässt sich die Hitze über die Luftzufuhr zum Kohlebehälter regulieren; das dauert aber.

Gesund grillen ohne zu tropfen

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Eine Thermokamera bildet die Temperaturen auf dem Rost ab – nicht mit Steaks, sondern mit schwarzen Aluminiumplatten als Wärmeleiter.

Doch auch Grillen mit Gas ist nicht immer problemlos. So können beim Campingaz Expert kleine Stichflammen entstehen. Tropft Fett durch den Rost, fällt es möglicherweise durch die Lavasteine hindurch direkt auf den Gasbrenner, entzündet sich dort und versengt dann hoffentlich nur die Bratwurst. Die sollte man aber besser nicht mehr essen. Verbrennen nämlich Fett, Marinade und Fleischsaft auf Holzkohleglut oder Gasbrenner, entstehen krebserregende Stoffe. Diese Benzpyrene steigen mit dem Rauch auf und lagern sich dann auf dem Grillgut ab. Extra Auffangschalen aus Aluminium können das verhindern, genauso wie indirektes Grillen. Das geht auch über Holzkohle, wenn die Kohle nur seitlich geschichtet wird und ein Teil unter dem Rost ohne Glut bleibt. Doch dabei geht viel Grillfläche verloren.

Nicht mit Bier ablöschen

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Viele schädliche Benzpyrene stecken auch in appetitlich gebräunten Fettkrusten. Der Grillmeister sollte deshalb die Marinade vor dem Grillen abtupfen und nichts mit Bier ablöschen. Denn das fördert die Krustenbildung. Verkohltes gehört dann in den Müll, nicht in den Magen.

Bei den anderen Gasgrills verhindert die Kons­truktion, dass Fett und Brenner in Kontakt kommen. Beim Weber Q 200 liegen die Abtropfritzen so, dass der Saft am Brennerrohr vorbei rinnt. Der Outdoorchef Porto löst das Problem durch trichterförmige Leitbleche. Die eleganteste Lösung bietet der Grillwagen Campingaz RBS Classic. Hier sitzen zwei Brenner seitlich vom Rost; das Fett tropft auf eine Lage Keramiksteine. Die müssen nur von Zeit zu Zeit ausge­tauscht werden. Elektrogrills bieten dank einer Fettauffangschale oder einer Fettrinne wenig Angriffsfläche für ungesundes Tropfen – ein weiterer Vorteil, sofern die Heizschlange nicht offen liegt wie beim Tefal Easy Grill’n Pack Adjust.

Verqualmt und verkohlt

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Feuchtigkeit setzt Kohle- und Gasgrills häufig zu – sie rosten, wie hier die Kohleschale beim Thüros Toronto.

Trotzdem kommt mit zwei steckdosengespeisten Geräten wenig Freude auf. Rommelsbacher und Schaub-Lorenz qualmen beim Grillen erstaunlich heftig. Ihre Glaskeramikplatten werden – nach Vorschrift volle Pulle aufgeheizt und dann heruntergeschaltet – so heiß, dass Steaks und Würstchen an manchen Stellen schnell verbrennen können. Außerdem bleiben Reste davon auf der Platte zurück, lassen sich nur mühsam und unzureichend abschaben. Verbrannte Rückstände landen so auf den nächsten Würstchen. Wer das verhindern will, muss die Glaskeramik zwischen den Grillrunden immer wieder abkühlen lassen. Dann lässt sie sich problemlos säubern, was aber Nerven und viel Zeit kostet.

Auch nicht ganz einfach sind die Roste der Holzkohlegrills von Grillrückständen zu befreien. Der Aschekasten ist dafür schnell entleert – vorausgesetzt, es gibt einen. Falls nicht, muss man die Asche mühsam her­ausschaufeln oder ausschütten. Besonders beim recht schweren, unhandlichen Grillfass von Landmann ist das eine schweißtreibende Angelegenheit.

Kehrt der Herbst ein, haben Grillmeister und Grill wieder Pause. Der Witterung ausgesetzt, fangen viele Geräte dann zu rosten an. Auch einen feuchten Abstellplatz in Garage oder Abstellraum mögen etliche nicht. Nicht einmal der Thüros Toronto, fast komplett aus eigentlich rostfreiem Edelstahl, war vor Rost gefeit. Flugrost vom Kohlebehälter aus Feinblech streute bis auf das glänzende Gehäuse. Wichtig bei Edelstahl: Zum Putzen nur eine spezielle Edelstahlbürste benutzen. Mit einfacher Drahtbürste oder Stahlschwamm wird der Edelstahl mit potenziellen Rostpartikeln „geimpft“. Schade, wenn das schicke Teil dann schon nach einer Saison unansehnlich wird. Mit ihm zu grillen soll ja kein einmaliges Ereignis bleiben wie der Weltrekord in Uruguay.

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