Griechen­land-Krise Meldung

Auch für die anderen Wackel­kandidaten haben die Euroländer und der IWF Milliarden bereit­gestellt. Trotzdem machen sich viele Anleger Sorgen um ihre Erspar­nisse: Was wird aus dem Euro, kommt eine Inflation? Finanztest-Expertin Karin Baur erläutert im Interview auf test.de, welche Auswirkungen die Krise für Anleger hat.

Erst die Finanz­krise, nun die Krise in Griechen­land und Inflations­ängste im Euroraum. Müssen sich Sparer Sorgen um ihre Geld­anlagen machen?

Karin Baur: Wer Geld bei der Bank in Form von Tages- und Fest­geld hat, muss sich nicht sorgen. Die Beträge sind durch die Einlagensicherung geschützt. Mit der Griechen­land­krise haben diese Anlagen ohnehin nichts zu tun.

Rentenfonds investieren in Anleihen, unter anderem auch in Staats­anleihen von Griechen­land oder den anderen Wackel­kandidaten. Viele Anleger mit Rentenfonds Euro fürchten nun, dass sie mit ihrer sicher geglaubten Anlage Verluste machen.

Karin Baur: Die Sorge ist zurzeit unbe­gründet. Die Kurse von Rentenfonds haben immer schon geschwankt. Natürlich haben sich die Kurs­verluste der grie­chischen Staats­anleihen in der Wert­entwick­lung der Rentenfonds bemerk­bar gemacht – aber kaum. Euro-Rentenfonds mit einem vergleichs­weise hohen Anteil an grie­chischen Staats­anleihen haben im April zwischen­zeitlich 1 Prozent verloren. Das macht aus einer sicheren Geld­anlage längst noch keine riskante. Sollte die Krise aber auf andere Länder über­greifen, wie zum Beispiel Portugal oder Spanien, dann dürfte sich das in den Fonds stärker bemerk­bar machen.

Und wenn Anleger nun sehr vorsichtig sind - sollten Sie ihre Rentenfonds verkaufen?

Karin Baur: Nicht unbe­dingt. Zunächst einmal sollten die Anleger schauen, was ihr Rentenfonds eigentlich macht. Kauft er nur Staats­anleihen? Nur Unter­nehmens­anleihen? Beides? Gefährdet sind im Moment nur die Staats­anleihen der Wackel­kandidaten, die sogenannten PIIGS-Länder. Das sind Portugal, Irland, Italien, Griechen­land und Spanien. Wer Sorge hat, dass sich die Lage zuspitzt, sollte einen Fonds mit hohem PIIGS-Anteil verkaufen. Wer einen aktiv gemanagten Fonds hat, kann bei seiner Bank oder der Fonds­gesell­schaft nach­fragen, wie die aktuelle Strategie aussieht. Möglicher­weise hat der Fonds­manager die Reiß­leine bereits gezogen und umge­schichtet. Anleger, die ganz auf Nummer Sicher gehen wollen, kaufen am besten einen Renten­indexfonds, der ausschließ­lich in deutsche Staats­anleihen investiert.

Und was ist mit der Angst vor einer drohenden Inflation - ist sie begründet?

Karin Baur: Die Inflation ist zurzeit sehr nied­rig. Im April betrug die Teuerungs­rate im Euroraum 1 Prozent. Dass sich die Staaten so hoch verschulden, ist natürlich kein gutes Zeichen. Anderer­seits drücken die bevor­stehenden Sparmaß­nahmen auf die Konjunktur. Das wiederum ist kein Szenario, das eine Inflation begüns­tigt.

Und wenn Sparer trotzdem einer möglichen Inflation vorbeugen möchten?

Karin Baur: Der beste Inflations­schutz ist, eine Rendite zu erzielen, die höher als die Inflation selbst ist. Mit sicheren Anlagen ist das im Moment gar nicht so einfach, beispiels­weise zahlen viele Banken für Tages­geld nicht mal 1 Prozent. Auch Bundes­schatz­briefe bringen zumindest zu Beginn kaum etwas. Im ersten Jahr gibt es nur 0,25 Prozent Zinsen. Für Einmal­anlagen von einem Jahr oder länger bekommt man aber durch­aus 2,5 Prozent oder mehr. Um eine noch höhere Rendite zu erzielen, muss man höhere Risiken eingehen, etwa mit Aktienfonds. Aktien als Sach­werte sind im Allgemeinen sogar eine gute Geld­anlage in Inflations­zeiten.

Welche Möglich­keiten haben Anleger denn, ihr Geld gut und sicher anzu­legen?

Karin Baur: Zunächst einmal: Eine absolute Sicherheit gibt es nicht. Anleger können sich aber durch eine breite Streuung ihrer Anlagen vor verschiedenen Risiken schützen. Wir empfehlen einen Mix aus Zins­anlagen und breit streuenden Aktienfonds.

Ist die Krisenwährung Gold auch eine Alternative?

Karin Baur: Als sichere Anlage ist Gold nicht geeignet. Anleger spekulieren hier auf einen Rohstoff­preis. Das ist in etwa so, als ob man nur auf eine Aktie setzt. Zudem ist der Preis bereits stark gestiegen. Das heißt zwar nicht, dass er nicht noch weiter steigen könnte, aber es könnte genauso gut auch in die andere Richtung gehen. Einen Total­verlust muss man mit Gold allerdings nicht fürchten – zumindest, wenn man es in Form von Barren oder Münzen kauft. Gegen eine Beimischung von Gold ist nichts einzuwenden.

Soll man jetzt eine Immobilien kaufen?

Karin Baur: Wenn man genug Geld gespart hat und sich das leisten kann, kann man auch eine Immobilie kaufen. Wer früher oder später ohnehin in ein Eigenheim ziehen will, kann sich die derzeit nied­rigen Zinsen zunutze machen und jetzt zuschlagen. Wer eine Immobilie als Geld­anlage sucht, sollte ebenfalls genug Eigen­kapital zusammen haben und sich mit den Kreditraten nicht über­fordern. Außerdem sollte er sich die Wohnung unbe­dingt vorher anschauen. Immer wieder ziehen windige Vermittler Anleger über den Tisch, weil sie ihnen Objekte unterjubeln, die ihr Geld nicht wert sind. Aber selbst wenn man eine gute Immobilie in bester Lage findet, bleiben Risiken. In der Regel macht die Immobilie dann nämlich den mit Abstand größten Teil der Geld­anlage aus. Läuft was schief, gibt es auch keinen Inflations­schutz. Im Zweifel ist eine breite Streuung ohne Immobilie deshalb die bessere Wahl.

Viele Anleger wollen ihr Geld aus dem Euro rausziehen und in andere Währungen tauschen, zum Beispiel Dollar oder Schweizer Franken. Was halten Sie davon?

Karin Baur: Auch Währungen sind keine sicheren Geld­anlagen, sondern Spekulationen. Steigt zum Beispiel der Dollar oder der Schweizer Franken, geht es gut. Umge­kehrt macht man Verlust.

In einer Inflation wird ja nicht nur das Vermögen, sondern auch die Schulden weniger wert. Sollte man jetzt nicht besser Kredite aufnehmen?

Karin Baur: Schuldner profitieren nur dann von einer Inflation, wenn ihre Einkommen, aus denen sie die Schulden zurück­zahlen, mit der Inflation ansteigen. Das ist nicht auto­matisch der Fall. Einfach mal Schulden machen, in der Hoff­nung, die Inflation wird den Berg schon abtragen, ist daher Unsinn, zumal wir ja noch nicht einmal wissen, ob und wann eine Inflation kommt.

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