Avastin oder Lucentis?: Dreißig Mal teurer

1 296 statt 40 Euro: Seit Jahren wird das Krebsmittel Avastin bei der feuchten altersbe­dingten Makuladegeneration (AMD) mit Erfolg eingesetzt. Doch eine Zulassung hat Avastin dafür nicht. Das Bundessozialgericht hat seine Nutzung am Auge erlaubt, wenn kein zugelassenes Mittel verfügbar ist. Doch seit 2007 ist nun Lucentis zugelassen, ein Spaltprodukt des Avastin. Beide werden von zwei zusammengehörenden Unternehmen herge­stellt. Die Dosis Lucentis kostet 1 296 Euro pro Injektion, eine Avastinspritze maximal 40 Euro. Die Krankenkassen dürften die Kosten für das preiswertere Avastin nun nicht mehr übernehmen, weil es ein zugelassenes Medikament gibt. In Einzelfällen tun sie es dennoch.

Aus drei mach fünf: Lucentis ist teuer, und so schließen die Kassen „Injektionsverträge“ ab, um Geld zu sparen. Werden drei Flaschen Lucentis zu einer zusammengeschüttet, können – wegen der Reserve­mengen – aus drei Spritzenfüllungen fünf werden. Diese Methode ist wegen möglicher Risiken und Wirksamkeitsverlusten jedoch umstritten.

Der Dumme ist der Patient: „Wir haben bei der Therapie einen Flickenteppich. Der Dumme ist der Patient“, so Professor Bernd Kirchhof, Uni-Augenklinik Köln. Zurzeit laufen vier Studien. Die deutsche soll klären, ob beide Medikamente gleich gut wirken oder ob eines überlegen ist. Die Daten werden bald erwartet.

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