Grauer Kapitalmarkt Meldung

Für Tausende Kleinsparer war es eine teure Erfahrung: Wo "Bank" draufsteht, ist nicht immer eine Bank drin. Die Anleger hatten auf angeblich sichere Tipps von Freunden und Bekannten vertraut: Die britische Inter Capital Bank mit schweizerischem Management bot Festgeldanlagen zu sagenhaften elf Prozent pro Jahr für fünf Jahre Laufzeit, während Banken und Sparkassen dies allenfalls mit fünf Prozent verzinsten. Unters Volk gebracht wurde der Renditeknaller vom Strukturvertrieb AFB. Und nachdem die ersten Sparer tatsächlich Superzinsen erhalten hatten, lief die Mundpropaganda auf Hochtouren.

Doch nun ist ein Großteil des Geldes futsch. 80 Millionen Mark wurden bisher eingezahlt, nur einen kleinen Teil davon konnte der Bochumer Staatsanwalt Ekkehart Carl bisher sicherstellen. In Wahrheit residierte die "britische" Bank auf dem Inselchen Anguilla in der Karibik, dort wurde ihr schon 1993 die Banklizenz entzogen. Das "schweizerische Management" bestand aus zwei knasterfahrenen Ganoven, von denen einer 20 Jahre wegen Betrugs hinter Gittern saß.

Die Traumrenditen gabs ausschließlich auf dem Papier, nur wenige Anleger bekamen Bares ­ als Köder. Das Geld nahmen die Gauner aus den laufend einrollenden Spargroschen neuer Kunden. Ein Schneeballsystem also, das irgendwann zusammenbrechen musste. Die Geschädigten haben eine Interessengemeinschaft gegründet. Telefon: 0 89/2 12 16 60. Und diese Geschichte ist kein Einzelfall: "Vorsicht, wenn Finanzberater, Freunde oder Bekannte auffallend hohe Renditen fest garantieren", rät Staatsanwalt Carl.

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