Von wegen gratis. Mit der Vorgabe, etwas zu verschenken, ziehen gerissene Reiseanbieter gutgläubigen Verbrauchern das Geld aus der Tasche. Mit üblichen Angeboten fährt man günstiger.

Traumreisen für lau: Das klingt einfach zu schön, um wahr zu sein. Dennoch fallen gutgläubige Verbraucher immer wieder auf ominöse Geschenkangebote herein. Dabei sollten die Alarmglocken im Kopf laut schrillen, wenn eine Gratisofferte winkt – im Internetzeitalter lauter denn je.

Denn den großzügigen Spender gibt es einfach nicht. Im Gegenteil: Zunächst hält der vermeintliche Gönner selbst die Hand auf. Es ist immer wieder derselbe Trick: Bevor die großspurigen Versprechen eingelöst werden, muss der Interessent eine nicht zu knappe Anmelde- oder Bearbeitungsgebühr überweisen. Danach hört er entweder gar nichts mehr oder er wird mit wertlosen Trostpreisen abgespeist.

Dummenfang aus der Karibik

Die neueste Variante im Internet hieß Reisen4free.com. „Werden Sie Urlaubsprüfer“, forderte eine Firma mit Sitz im mittelamerikanischen Belize auf und versprach „Ferien zum Nulltarif ... in den teuersten 5-Sterne-Hotels“.

Obwohl allein schon das unrealistische Angebot und erst recht ein Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen deutlich machten, dass es sich hier nur um einen Dummenfang handeln konnte, haben wir uns angemeldet. Wir wählten das Prüfpaket „Europa“ mit Hotel- und Flugangeboten, Laufzeit sechs Monate, 14,95 Euro pro Monat, zusammen knapp 90 Euro.

Die hätten wir auch in die Mülltonne werfen können. Eine echte Gegenleistung gab es nämlich nicht. Zwar trudelte nach etwa zehn Tagen eine E-Mail mit dem „1. wichtigen Auftrag als Urlaubsprüfer“ ein, doch der Blick auf das Testobjekt war ernüchternd: „das Hotel 'Fürstenberger Hof' – ein Haus voller Tradition und Gastlichkeit im Norden von Hessen“. Unser Traumurlaub sollte also in einem sehr einfachen Hotel im touristischen Niemandsland stattfinden. Der Fürstenberger Hof ist dafür bekannt, dass er seine schlichten Zimmer häufig über Gutscheine oder Gewinnspiele verschenkt, um zahlende Gäste für das Restaurant anzulocken. Die haben sich dank Reisen­4free nun zahlreich gemeldet. Es war offenbar das einzige Testobjekt, das den Urlaubsprüfern angeboten wurde.

Tipp: Wenn Sie auf diesen Nepp hereingefallen sind, sollten Sie sich Ihr Geld von Reisen4free zurückholen. Das ist ist ohne Probleme möglich, wenn der Bankeinzug noch nicht allzu lange zurückliegt.

Reisen4free ist inzwischen aus dem Netz verschwunden, doch andere zocken weiterhin mit einer ähnlichen Masche ab. Zum Beispiel Produkte-testen.de. Diese Seite verspricht Testangebote von Konsumartikeln namhafter Hersteller, die die Prüfer später behalten können. Zuvor muss natürlich ein kleiner Beitrag, mindestens 21 Euro, überwiesen werden. Da als Dankeschön ein Reisegutschein von Tui über 30 Euro winkt, glauben sogar vorsichtige Zeitgenossen, kein Risiko einzugehen. Doch weit gefehlt. Tui weiß von den Gutscheinen nichts und löst sie deshalb auch nicht ein.

Gegenüber solchen Machenschaften ist das Angebot von Gratistours hochgradig seriös. Nur der Name ist es nicht. Denn geschenkt gibt es hier gar nichts. Zwar behauptet der Anbieter, die Berliner Jasmin Taylor GmbH, dass die Übernachtung bei vielen Angeboten nichts kostet. Dafür muss – der alte Trick! – Halbpension, das heißt Frühstück und eine Mahlzeit am Tag, gebucht werden. Außerdem kassiert Gratistours eine Bearbeitungsgebühr von 49 Euro.

Wir haben eine Reise in die Türkei gebucht. Statt des gewünschten Sieben-Tage-Trips für 199 Euro in ein Fünf-Sterne-Hotel mit (Zwangs-)Ausflügen und Verkaufsveranstaltung, das möglicherweise nur als Lockvogel dient, kam ein anderes Angebot: sieben Tage im selben Hotel im Januar 2004, Übernachtung gratis, für Halbpension 24 Euro pro Tag. Der Flug musste über einen anderen Veranstalter separat gebucht werden. So kam für den „Gratisurlaub“ einiges zusammen: 49 Euro Bearbeitungskosten, 195 Euro für den Flug und 168 Euro Hotelkosten, insgesamt stolze 412 Euro.

Im Reisebüro billiger

Ein Preisvergleich zeigte: Andere Veranstalter boten haargenau die gleiche Reise viel günstiger an. So verlangte beispielsweise der Türkeispezialist GTI Travel knapp 100 Euro weniger, was immerhin eine Ersparnis von fast einem Viertel bedeutet. Und es ging noch billiger. Vergleichbare Angebote an der türkischen Riviera gab es im Januar schon ab 270 Euro – häufig sogar mit All inclusive.

Die Reise mit Gratistours verlief zwar im Großen und Ganzen problemlos. Viel zu organisieren gab es außer den Transfers aber nicht. Bei der Ankunft im Hotel mussten die Verpflegungskosten in bar bezahlt werden. Wer dafür die Kreditkarte zückte, dem wurde noch ein Aufpreis von bis zu zehn Prozent berechnet.

Dann war der Urlauber sich selbst überlassen. Eine Reiseleitung gab es nicht. Das Hotel machte zwar einen soliden Eindruck, renommierte Veranstalter stufen es aber ehrlicherweise mit höchstens vier Sternen ein. Gratistours ist also nicht gerade ein günstiger Anbieter. Teurer wird es hier vor allem durch die Bearbeitungsgebühr.

Kurzurlaub mit Hindernissen

Auch die Firma Daydreams (früher Freedreams) gibt vor, Hotelübernachtungen zu verschenken, auch hier müssen 49 Euro bezahlt werden, auch hier ist der Gast verpflichtet, die Mahlzeiten im Hotel einzunehmen und zu bezahlen.

Der Unterschied: Daydreams verkauft ausschließlich Kurzurlaub mit drei (Classic, Family) bis sechs Übernachtungen (Wellness). Da sowohl im Katalog als auch im Internet gut informiert wird, kann sich jeder ausrechnen, was der „geschenkte“ Kurzurlaub kostet. Neben dem Hotelscheck für 49 Euro muss man mit Verpflegungskosten von 30 bis 90 Euro pro Person und Tag rechnen.

Daydreams hat aber auch eine ganze Reihe von Nachteilen. So liegen die rund 2 000 buchbaren Hotels nicht immer in touristischen Traumgegenden; vor allem fehlen viele Großstädte, die gerade bei Kurzurlaubern beliebt sind. Die meisten Häuser öffnen sich für Daydreamer auch nur in der Nebensaison. Wer beispielsweise ein Wochenende an der Ostsee verbringen will, kann das meist nur von Oktober bis April, manchmal ausschließlich in den Wintermonaten.

Fraglich ist auch, ob es den Kurzurlaubern gefällt, jeden Tag auf die vorgegebene Hotelkost angewiesen zu sein. Viele buchen lieber ein einfaches Hotel und gehen dafür richtig schick essen. Außerdem gibt es in der Nebensaison jede Menge günstiger Pauschalen, die viel interessanter sind als das einengende Daydreams-Angebot.

Sowohl Gratistours als auch Daydreams sind clevere Marketingideen, die darauf abzielen, Hotels in buchungsschwachen Zeiten mit Gästen zu füllen. Vermittler und Hoteliers kommen dabei voll auf ihre Kosten. Der Gast nicht immer. Geschenkt bekommt er auf jeden Fall nichts.

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