Grab­pflege

Dauer­grab­pflege: Ein Vertrag über den Tod hinaus

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Grab­pflege - Wer sich kümmert, wenn sich niemand kümmern kann
Gepflegte Ruhe­stätte über Jahr­zehnte: Treu­hand­stellen für Dauer­grab­pflege über­prüfen die Arbeit der Friedhofs­gärtner regel­mäßig. ©  GdF, Bonn

Viele Menschen machen sich zu Lebzeiten Gedanken über ihre letzte Ruhe­stätte. Um ihre Angehörigen im Trauerfall zu entlasten, regeln sie schon Details ihrer Bestattung und wählen ein Grab aus. Sollten sie sich für eine Beiset­zung auf einem Friedhof entscheiden, geht es auch um die Grab­pflege. Sie lässt sich mit einem Dauer­grab­pflege­vertrag schon zu Lebzeiten organisieren. Er regelt die Grab­pflege über Jahre oder sogar über die gesamte Nutzungs­dauer der Grabstätte. Gründe für den Abschluss gibt es viele:

  • Es gibt keine Angehörigen, die sich um die Grab­pflege kümmern können, möglicher­weise, weil die Kinder woanders leben.
  • Manche Menschen befürchten, ihren Kindern mit der Grab­pflege zur Last zu fallen.
  • Andere wollen das Geld vor dem Zugriff des Sozial­amts schützen. Das kann im Pflegefall eine Rolle spielen, wenn ein älterer Mensch nicht genügend Geld hat, um die Kosten für ein Pfle­geheim zu bezahlen.

Vorkasse für jahr­zehnte­lange Pflege

Vor dem Vertrags­abschluss sollte der Auftrag­geber über eine Grabstätte verfügen. Den Vertrag zur Dauer­grab­pflege schließt er mit einer Friedhofs­gärtnerei ab und mit der regionalen Treu­hand­stelle. Der Vertrag regelt die gewünschten Grab­pflege­leistungen – auch wie oft im Jahr die Gärtnerei die Stätte wie bepflanzt – und die Kosten für die gesamte Vertrags­dauer. Der Preis ist abhängig von Lauf­zeit, Region und Grabgröße.

Der Auftrag­geber bezahlt die Kosten für die gesamte Grab­pflege im Voraus – allerdings nicht an den Friedhofs­gärtner, sondern an die Treu­hand­stelle für Dauer­grab­pflege. Sie legt das Geld der Kunden sicher an und bezahlt und kontrolliert die Friedhofs­gärtnerei.

Sollte die Friedhofs­gärtnerei während der langen Vertrags­dauer ihr Geschäft aufgeben, kümmert sich die Treu­hand­stelle um Ersatz. Sie würde in diesem Fall eine neue Gärtnerei beauftragen, die das Grab weiter pflegt.

Wir wollten wissen, wie teuer dieser Service ist und wie gut die Verträge der Treu­hand­gesell­schaften sind. Wir haben uns die Verträge von zehn Treu­hand­gesell­schaften für Dauergrabpflege angesehen.

Wichtig ist auch die Frage: Was passiert, wenn eine solche Treu­hand­gesell­schaft pleite­gehen würde? Die gute Nach­richt: Das Geld der Kunden ist dort sicher. Einen Insolvenz­schutz bieten alle getesteten Gesell­schaften. Sie verwalten die Kundengelder streng getrennt vom eigenen Vermögen auf gesonderten Treu­hand­konten. Außerdem weisen fast alle Gesell­schaften die Kundengelder getrennt von ihrer eigenen Bilanz aus.

Grab­kontrolleure schauen nach

Unser Test zeigt: Beim Abschluss eines Dauer­grab­pflege­vertrags fallen einmalig Abschluss­kosten in Höhe von 5 bis 7 Prozent der Vertrags­summe an. Wer zum Beispiel für ein Doppel­grab einen Grab­pflege­vertrag über 20 Jahre in Höhe von 9 000 Euro abschließt, zahlt zwischen 450 und 630 Euro einmalig für den Abschluss. Zusätzlich entnimmt die Treu­hand­gesell­schaft jähr­lich Geld, um ihre Arbeit zu finanzieren. Bei den meisten Gesell­schaften ist diese Entnahme auf die Erträge beschränkt, die sie durch die Geld­anlage der Kundengelder erwirt­schaften. Im Gegen­zug kontrolliert die Treu­hand­gesell­schaft die Friedhofs­gärtner. Sie beauftragt Grab­kontrolleure, die regel­mäßig die Gräber besuchen.

Sollten die Preise für Grab­pflege während der langen Vertrags­dauer steigen und können sie nicht durch die Erträge ausgeglichen werden, darf die Treu­hand­gesell­schaft den Leistungs­umfang reduzieren, also zum Beispiel seltener pflanzen als vorgesehen oder güns­tigere Blumen oder Sträucher pflanzen. So steht es in vielen Verträgen.

Pflegebedürftig, was nun?

Dauer­grab­pflege­verträge sind sogenannte zweck­gebundene Vorsorgever­träge und als Schon­vermögen vor dem Zugriff des Sozial­amts geschützt.

Wichtig kann dies werden, wenn der Vorsorgende pflegebedürftig werden sollte und Rente und gesetzliche Pflege­leistungen nicht ausreichen, um einen Pfle­geplatz zu bezahlen. Hat er keine Kinder oder verdienen sie nicht so viel, dass sie zum Eltern­unterhalt verpflichtet sind, springt das Sozial­amt ein. Es darf nicht verlangen, den Grab­pflege­vertrag aufzulösen. Das würde eine unzu­mutbare Härte für den Vorsorgenden bedeuten, urteilte das Bundes­sozialge­richt (Az. B 8/9b SO 9/06 R). Wichtig: Der Vorsorgende muss den Vertrag abge­schlossen haben, bevor er Pflege­leistungen beantragt.

Gärtner­gepflegte Grab­felder im Trend

Auf immer mehr Friedhöfen gibt es inzwischen gärtner­gepflegte Grab­anlagen. Sie sehen aus wie kleine park­ähnliche Anlagen, in denen Verstorbene beigesetzt werden. Ihr genauer Bestattungs­ort wird mit einem Grab­stein markiert. Die einzelnen Gräber sind aber nicht abge­grenzt, sondern in eine blumenge-schmückte Grün­anlage einge­bettet. Allein die badischen Friedhofs­gärtner betreuen mehr als 300 solcher Grab­felder.

Angehörige oder Vorsorgende, die sich für diese Bestattungs­form entscheiden, müssen ebenfalls die Grab­pflege für die gesamte Ruhedauer im Voraus bezahlen und einen Vertrag mit einer Gesell­schaft für Dauer­grab­pflege abschließen.

Wer wissen möchte, ob es auf einem Friedhof gärtner­betreute Grab­anlagen gibt, tippt in eine Such­maschine die Wörter „Ruhe­gemeinschaften“, „gärtner­gepflegtes Grab­feld“, „Bestattungs­gärten“ oder „Memoriam Garten“ ein plus die Stadt, in der er eine Grabstätte sucht – oder er fragt ganz einfach beim Friedhof nach.

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4 Kommentare Diskutieren Sie mit

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binDagegen am 26.02.2019 um 00:32 Uhr
eien sehr interessante Alternative !!!

@Eddy62: Ich hoffe doch man hat eine entsprechende Bewertung z.B. auf Google über diesen Scharlatan im Internet veröffentlicht !!!
Eine Beisetzung ist big Bussiness. Reine Beutelschneiderei wie ich aus eigener Erfahrung weiß! Für billige Urnen die im Baumarkt mit Orchideen bestückt 9,99 € kosten, die aussehen wie Tischmülleimer oder Sammeldosen der Kaffeeröstereien werden hier für viele Hundert abgerechnet. Dazu kommen die horrenden Friedhofsgebühren. WOFÜR ??? Nach X Jahren ist dann oftmals plötzlich die Pietät egal und der Verstorbene wird so oder so auf die Grüne Wiese befördert …
Ich kann daher jedem der für Neues offen ist und nicht so sehr den alten Traditionen verpflichtet ist raten, sich über die "Urne mit nach Hause nehmen‎ + Schweiz" zu belesen. Man spart jede Menge Geld, ist nicht der Grabpflege verpflichtet und hat auch noch andere Vorteile. Mehr schreibe ich hier nicht sonst löscht der Admin gleich wieder meinen Beitrag wegen angeblicher Werbung.

gisikapellen am 12.01.2019 um 12:03 Uhr
Es ist nicht alles schlecht.

Unser Friedhofsgärtner arbeitet mit der Rheinischen Treuhandstelle zusammen. Die kommen einmal jährlich, um sich mit dem Friedhofsgärtner gemeinsam alle Gräber anzusehen und zu prüfen, ob alles vertragsgemäß erledigt ist. Wir kommen zu sehr unterschiedlichen Zeiten zum Grab und nicht besonders zu den Geburts-bzw. Todestagen. Es ist immer alles in einem schönen und gepflegten Zustand und wir haben die Freiheit, die Verwandten dann zu besuchen, wenn wir es mögen und nicht weil wir dort dringend „Unkraut zupfen müssen“. Ganz abgesehen davon, finde ich es gut, dass die Verstorbenen zu Lebenszeiten ausgedrückt haben, was sie möchten und das bei der Treuhandstelle hinterlegte Geld niemand verfügen kann (z.B. Heime).

zimmerer am 07.01.2019 um 18:06 Uhr
Es gibt auch Alternativen

Wer keine Nachkommen hat, beziehungsweise seinen Kindern die Grabpflege nicht zumuten oder zutrauen kann, dem kann ich nur als letzte Ruhestätte den Friedwald empfehlen. Hier regelt alles die Natur beziehungsweise die Friewald - Verwaltung.
Der Vorteil besteht vor allem darin, dass man nicht für etwas bezahlt und die Gegenleistung teilweise oder gar ganz ausbleibt.

Eddy62 am 13.12.2018 um 15:33 Uhr
... denn Kontrolle ist besser

Da meine Eltern rund 220 Kilometer vom Ort der Grabstätte weggezogen waren, hatten sie einem Gärtnermeister, der auch Grabpflege machte, die Arbeiten übertragen. Eines Tages erhielt ich von einem Freund eine Nachricht, wir möchten uns das Grab der Schwester doch einmal ansehen, es sähe schlimm aus.
Und tatsächlich, dass Grab meiner Schwester war ungepflegt, alte vertrocknete Blumen, man musste sich schämen. Dem Gärtnermeister haben wir fristlos gekündigt, der hatte zwar jährlich die Rechnung für Pflege und Bepflanzung abgebucht, jedoch nicht ausgeführt.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist immer besser. Vor allem dann, wenn man nicht gerade um die Ecke wohnt!