Drei Fragen an Dr. Birgit Rehlender

Gourmet-Öle Test

Dr. Birgit Rehlender

Bei keinem der bisherigen Öltests der Stiftung Warentest gab es so viele schad­stoff­belastete Produkte wie beim aktuellen Test von Gourmet­ölen. Dr. Birgit Rehlender, Projektleiterin für Lebens­mittel­unter­suchungen bei der Stiftung Warentest, erklärt, warum so viele Produkte mit mangelhaft abge­schnitten haben.

Viele verschiedene Schad­stoffe gefunden

11 von 25 Gourmet-Ölen sind „mangelhaft“. Wie schätzen Sie die Ergeb­nisse des Tests ein?

Gravierende Fehler in Geruch und Geschmack stellen wir regel­mäßig bei Lebens­mitteln fest, so auch bei vier Gourmet-Ölen. Das ist nicht neu. Doch bei keinem der vielen Öltests, die die Stiftung Warentest schon durch­geführt hat, gab es so viele schad­stoff­belastete Produkte. Dabei handelt es sich um viele verschiedene Schad­stoffe, die konventionelle Öle genauso belasten wie Bioöle.

Wie gefähr­lich sind die nachgewiesenen Schad­stoffe?

Die nachgewiesenen Stoffe haben unterschiedliche Gefähr­dungs­potenziale: Manche können einen negativen Einfluss auf den Fett­stoff­wechsel haben, andere sind sogar wahr­scheinlich krebs­er­regend. Wir fanden unter anderem poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe, von denen viele krebs­er­regend, erbgutver­ändernd oder fort­pflan­zungs­gefähr­dend wirken. In zwei Lein­ölen über­schritten die Belastungen sogar die zulässigen Höchst­gehalte, so dass diese beiden Produkte nicht hätten verkauft werden dürfen. Wir wiesen Stoffe nach, die bei der Raffination entstehen können. Sie werden als möglicher­weise bzw. wahr­scheinlich krebs­er­regend einge­stuft. Aber auch aromatische Mineralöl-Kohlen­wasser­stoffe, die als potenziell krebs­er­regend gelten, haben wir gefunden. Selbst Phthalat-Weichmacher, die die Frucht­barkeit beein­trächtigen und das Kind im Mutterleib schädigen können, wiesen wir nach. Sie sind für Materialien, die mit Produkten wie Speiseöl in Kontakt kommen, seit 2007 verboten. Daneben waren zum ersten Mal bei einem Öltest auch kritische Löse­mittel nach­weisbar.

Wie kommt es, dass auch sechs Bio-Produkte, davon zwei wegen poly­zyklischer aromatischer Kohlen­wasser­stoffe (PAK), schlecht abschneiden?

Vier Bioöle sind sensorisch mangelhaft und fallen deshalb durch. Die fest­gestellten Geruchs- und Geschmacks­fehler können nicht nur bei konventionell hergestellten Produkten auftreten. Das Gleiche gilt für die Schad­stoff­belastungen. PAK können zum Beispiel über die Umwelt, etwa durch Auto­abgase, aber auch durch unsachgemäße Trock­nung der Saat in die Öle gelangen. Sie machen vor kontrolliert ökologisch angebauten Pflanzen nicht halt.

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