Welche Schad­stoffe die Tester in den Ölen fanden

PAK

Viele poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe (PAK) wirken krebs­er­regend, erbgutver­ändernd oder fort­pflan­zungs­gefähr­dend. Wir wiesen PAK in 23 von 25 getesteten Ölen nach. Die Leinöle Neuco Linosan und Kunella hätten nicht verkauft werden dürfen. Sie über­schritten die beiden EU-weit geltenden Höchst­gehalte jeweils um etwa die Hälfte: Die Belastung mit krebs­er­regendem Benzo(a)pyren darf maximal 2 Mikrogramm je Kilogramm Öl betragen. Der Höchst­gehalt für vier kritische Substanzen in Summe (PAK4) beträgt 10 Mikrogramm pro Kilogramm Öl. PAK entstehen, wenn zum Beispiel Holz oder Kohle unvoll­ständig verbrennt. In Speiseöle gelangen sie etwa durch unsachgemäße Trock­nung der Ölsaat oder über Umwelt­belastungen wie Auto­abgase.

Mineralöl

Aromatische Mineralöl-Kohlen­wasser­stoffe, MOAH genannt (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons), gelten als potenziell krebs­er­regend. MOAH fanden wir in fast jedem zweiten Öl, den höchsten Gehalt im Brändle-Traubenkernöl. Daneben gibt es gesättigte Mineral­ölbestand­teile, MOSH (Mineral Oil Saturated Hydrocarbons). Sie waren in fast allen Ölen nach­weisbar. Ein Teil der MOSH wird über die Nahrung aufgenommen und reichert sich im Körper an. Grenz­werte für MOSH und MOAH sind in der Diskussion. Mineralöle, deren Ursprung Erdöl ist, können ins Speiseöl gelangen über Fahr­zeug­abgase, tech­nische Öle von Land- und Produktions­maschinen oder über Paraffin. Paraffin wendet man im Wein- und Walnuss­anbau als Pflanzen­schutz­mittel an, selbst für den EU-Ökoland­bau ist es zugelassen. Es wird aus Erdöl hergestellt und besteht aus MOSH, bei unzu­reichender Reinigung enthält es auch MOAH.

Phthalat-Weichmacher

Bekann­tester Vertreter ist Diethylhex­ylph­thalat (DEHP). Es kann die Frucht­barkeit beein­trächtigen und das Kind im Mutterleib schädigen. DEHP ist seit 2007 in Gegen­ständen, die mit Speiseöl in Kontakt kommen, nicht mehr erlaubt. Wir fanden es dennoch in acht Ölen. Diisononylph­thalat (DiNP) wirkt im Tier­versuch lebertoxisch. Wir wiesen es im Walnussöl La Tourangelle nach. Phthalate machen etwa Kunst­stoff­schläuche und -behälter weich und flexibel. Öle lösen die Weichmacher aus den Kunststoffen heraus.

3-MCPD und Glycidol

Diese Schad­stoffe entstehen bei der Raffination. Freies 3-Mono­chlor­propandiol, kurz 3-MCPD, gilt laut Interna­tionaler Agentur für Krebs­forschung als möglicher­weise krebs­er­regend. Glycidol wird als wahr­scheinlich krebs­er­regend für den Menschen einge­stuft – einen unbe­denk­lichen Schwellen­wert gibt es daher nicht. In allen raffinierten Ölen waren an Fett­säuren gebundenes 3-MCPD und Glycidylester nach­weisbar, aus denen bei der Verdauung Glycidol und 3-MCPD frei werden kann. Am meisten enthielt Vitaquell-Traubenkernöl. Die Menge dieser schädlichen Stoffe lässt sich durch optimierte Produktions­bedingungen minimieren.

B(E)TX-Aromaten

Die aromatischen Kohlen­wasser­stoffe Benzol, Ethyl­benzol, Toluol und Xylole sind bedenk­liche Löse­mittel. Im Mazola-Sesamöl wiesen wir zwar kein krebs­er­regendes Benzol nach, aber die anderen drei Löse­mittel – erst­mals in einem unserer Öltests. Die Stoffe werden in Farben, Lacken oder Benzin einge­setzt. Grenz­werte für B(E)TX in Ölen gibt es nicht. Die Gehalte in Mazola sind aber bis zu viermal so hoch wie die Beur­teilungs­werte, die die deutsche Lebens­mittel­über­wachung 1994 für Olivenöl angewendet hat. Sie darf Olivenöle anhand dieser Werte nicht mehr bean­standen. Der Grund: Die EU-weit geltende Olivenöl-Verordnung sieht für diese Stoffe keine Grenz­werte vor und lässt nationale Allein­gänge nicht zu. Wir beur­teilten die Öle im Test wie die Über­wachungs­behörden damals, da die Belastung uner­wünscht und vermeid­bar ist.

Hexan

Das für Speiseöle übliche Extraktions­mittel wird normaler­weise bei der Raffination entfernt. Wir fanden es erst­mals in einem Öltest: im Sesamöl Interna­tional Collection. Immerhin war der erlaubte Rest­gehalt von maximal 1 Milligramm pro Kilogramm Öl nicht über­schritten. Hexan steht im Verdacht, die Frucht­barkeit zu beein­trächtigen.

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