Gourmet-Öle Test

Enttäuschung für Fein­schmecker: Was als erlesen präsentiert wird, enthält oft schädliche Stoffe. 11 von 25 Gourmet-Ölen sind mangelhaft, auch das teuerste für 112 Euro je Liter.

Haben Sie schon das „unver­gleichliche“, „köstliche“ Aroma und den „hervorragenden“, „einzig­artig nussigen“, „zart-aromatischen“ Geschmack teurer Fein­schmeckeröle für sich entdeckt? Oder greifen Sie zu den mit blumigen Worten bedruckten Flaschen und Dosen, um Gutes für Ihre Gesundheit zu tun?

Das Gegen­teil könnte der Fall sein. Die hohen Erwartungen erfüllen nur wenige Gourmet-Öle. Viele sind ihr Geld nicht wert. Sie enttäuschen geschmack­lich oder enthalten schädliche Stoffe, darunter gesundheitlich bedenk­liche, sogar krebs­er­regende (Welche Schadstoffe die Tester in den Ölen fanden).

Arganöl, Leinöl, Sesam-, Traubenkern- und Walnussöl aus Supermärkten und Bioläden haben wir geprüft. Insgesamt 11 der 25 Speiseöle schneiden mangelhaft ab, selbst das teuerste im Test: das Argand’Or aus gerösteten Arganmandeln für 112 Euro je Liter.

Gerade für das in Mode gekommene Arganöl legen Lieb­haber viel Geld hin. Arganbäume wachsen nicht über­all, die Herstellung ist mühsam. Berberfrauen gewinnen das Öl oft noch in Hand­arbeit. Das führt zu hohen Preisen. Auch Walnussöl kann teuer sein, im Test kostet ein Liter bis zu 68 Euro. Nur drei geprüfte Öle sind für weniger als 10 Euro pro Liter zu haben.

Traubenkernöle nicht zu empfehlen

Immerhin können wir mindestens ein gutes Öl pro Sorte empfehlen – außer bei Traubenkernöl. In zwei dieser drei geprüften Produkte wiesen wir potenziell krebs­er­regende aromatische Mineral­ölbestand­teile (MOAH) nach – bei Brändle Vita und Vitaquell. In Brändle Vita war der Gehalt so hoch wie in keinem bisher von uns getesteten Lebens­mittel. Das dritte Öl kann kein reines Traubenkernöl sein, die Labor­ergeb­nisse lassen auf fremdes Speiseöl schließen. Raffiniertes Traubenkernöl ist ohnehin kulinarisch nichts Besonderes, da es neutral schmeckt.

Walnuss- und Leinöl empfehlens­wert

Anders kalt­gepresste Walnuss- und Leinöle: Walnussöl gibt Salatsoßen eine nussige, manchmal auch röstige Note. Leicht saatig, oft auch bitter schme­ckendes Leinöl ist mit Pell­kartoffeln und Quark ein gesundes Mittag­essen. Beide Sorten enthalten viel Omega-3-Fett­säuren (Warum manche Öle gesünder sind als andere). Sesam- und Arganöl haben kein heraus­ragendes Fett­säurespektrum, verfeinern aber asiatische und orienta­lische Gerichte.

Sieben gute, sechs mangelhafte Bioöle

Alle guten, empfehlens­werten Produkte im Test sind unraf­finiert und tragen ein EU-Biosiegel. Alnatura und Rapunzel bieten jeweils zwei gute Öle. Weil der Anteil kalt­gepresster Gourmet-Öle im Biobereich besonders hoch ist, sind auch im Test sehr viele Bioprodukte vertreten.

Eine Garantie für gute Qualität ist das Biosiegel aber nicht. Auch sechs mangelhafte Produkte tragen es. Zwei davon fielen wegen poly­zyklischer aromatischer Kohlen­wasser­stoffe (PAK) durch. Neben PAK waren Weichmacher Grund für schlechte Urteile von Bioölen. Diese Schad­stoffe können biologisch und konventionell erzeugte Lebens­mittel gleichermaßen belasten. Sie stammen aus der Umwelt, Herstellung oder Lagerung. Rück­stände von chemisch-synthetischen Pestiziden waren dagegen in 15 Bioölen gar nicht nach­weisbar, in einem nur in Spuren. Solche Pflanzen­schutz­mittel sind im Ökoland­bau verboten.

Kalt­gepresst mit Geschmacks­fehlern

Nicht alle Produkte im Test sind eine kulinarische Offen­barung: Vier der mangelhaften Bioöle hatten Fehler in Geruch und Geschmack und schnitten deshalb schlecht ab. Die Bio-Leinöle von Aldi (Nord) und Rewe rochen und schmeckten fehler­haft nach ätherischen Ölen und Tanne, das Rewe-Öl war zudem stichig-modrig. Die teuren Bio-Arganöle von Argand’Or und Vitaquell rochen und schmeckten deutlich käsig. Solche sensorischen Fehler können durch Schäden an den Rohstoffen bei Ernte, Lagerung oder Produktion entstehen. Bei Arganöl zum Beispiel konnten Wissenschaftler käsige Noten auf die traditionelle Herstellung in Hand­arbeit zurück­führen. Aber auch Öle aus Arganfrüchten, die von Ziegen gefressen, wieder ausgeschieden und vom Boden aufgesammelt wurden, können käsig schme­cken.

Bei kalt­gepresstem Öl lassen sich Fehler in Geruch und Geschmack kaum korrigieren. Es wird nur mit mecha­nischen Verfahren wie Pressen oder Zentrifugieren gewonnen, erlaubt ist höchs­tens eine Wäsche mit Wasser­dampf. Wenn auf kalt­gepressten Ölen zudem „nativ“ steht, darf die Ölsaat nicht geröstet und auch nicht nachbehandelt werden. Kurz gesagt: „Nativ“ bedeutet naturbelassen, unver­ändert.

Alles andere als naturbelassen sind raffinierte Öle. Sie werden oft mit chemischen Löse­mitteln aus der Saat extrahiert. Die Ausbeute ist höher als beim Kalt­pressen. Solche Öle müssen dann aber in mehreren Raffinations­schritten bearbeitet werden. Vitamine, Aroma- und sekundäre Pflanzen­stoffe gehen dabei teil­weise verloren.

Raffiniertes Öl nicht immer erkenn­bar

Raffinierte Öle sind meist klar und fast farblos, sie schme­cken neutral. Im Test trifft das auf alle Traubenkernöle und das Kunella-Walnussöl zu. Doch nur beim Vitaquell-Traubenkernöl verrät das Etikett die Raffination und den neutralen Geschmack.

Manche Hersteller, etwa die der Walnussöle La Tourangelle und Interna­tional Collection, mischen kalt­gepresstes und raffiniertes Öl. Für Verbraucher ist das kaum zu erkennen, weder am Etikett noch an Farbe, Geruch oder Geschmack. Wer intensiven Geschmack wünscht, sollte zu kalt­gepressten oder nativen greifen. Fehlen die Worte auf der Flasche, enthält sie meist raffiniertes oder zumindest teilraf­finiertes Öl.

Trans­fett­säuren in raffinierten Ölen

Beim Raffinieren können ungesunde Trans­fett­säuren entstehen. Vermehrt aufgenommen erhöhen sie das Risiko für Fett­stoff­wechsel­störungen und damit auch für koronare Herz­krankheit. Im Walnussöl Interna­tional Collection wiesen wir rund 3 Prozent Trans­fett­säuren nach, in dem von Kunella sogar rund 13 Prozent. EU-weit gibt es nur für Säuglings­nahrung Grenz­werte. Die Schweiz, Österreich, Dänemark und Island tolerieren in Ölen und Fetten höchs­tens 2 Prozent. Daran haben wir uns orientiert.

Dass vermeintlich gesunde und oft teure Öle bedenk­liche Stoffe enthalten, ist für Verbraucher mehr als enttäuschend. Die meisten Schad­stoffe wären vermeid­bar. Offen­bar genügen die Qualitäts­kontrollen vieler Hersteller noch nicht.

Oliven- und Rapsöl für jeden Tag

Der Gehalt an Vitamin E ist übrigens bei keiner getesteten Ölsorte hoch. Mit zwei Esslöffeln von einem der Öle nimmt ein Erwachsener im Schnitt nur etwa 20 Prozent des Tages­bedarfs auf. Die gleiche Menge Sonnenblumenöl kann ihn komplett decken.

Als Stan­dardöl für warme und kalte Speisen empfehlen sich vor allem Oliven- und Rapsöl (Warum manche Öle gesünder sind als andere). Beide sind für eine gesunde Ernährung vorteilhaft und zum Braten geeignet. Gute Gourmet-Öle aus dem Test können aber mit nussigen, saatigen oder röstigen Noten für kulinarische Abwechs­lung sorgen.

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