Noch dieses Jahr will Google mit seinem Dienst Street View virtuelle Rundgänge im Internet für 20 deutsche Städte anbieten. Nutzer erblicken dabei Häuser und Grundstücke in Nahaufnahme. Wer nicht will, dass sich Unbekannte im Netz sein Wohnhaus oder sein Auto anschauen, hat bis 15. Oktober Zeit zu widersprechen [Update zum Online-Formular im dritten Absatz].

Bilder und Adressen können verknüpft werden

Mit dem Abfotografieren ganzer Städte hat sich der Suchmaschinen-Gigant Google bereits heftige Kritik von Daten- und Verbraucherschützern zugezogen. Von der Straße aus aufgenommene Bilder von Gebäuden sind beinahe harmlos. Doch die Hausbilder können Firmen mit Adressdaten und diese mit zahlreichen weiteren persönlichen Daten von Mietern oder Besitzern verknüpfen. So hätte etwa die werbende Wirtschaft auf Mausklick auch ein Bild des Wohnhauses ihres umworbenen Kunden parat.

Gebäude verschleiern

Der Straßen- und Häuserfotodienst für 20 deutsche Städte soll in diesem Jahr online gehen, wann sagt Google aber nicht. Alle Hausbesitzer und Mieter, die nicht wollen, dass ihr Haus auf der Google-Seite sichtbar ist, können ab nächsten Montag Widerspruch einlegen. Dafür lässt Google allen Bewohnern und Besitzern von Wohnhäusern aber nur vier Wochen Zeit. Nur bei fristgemäßen Widerspruch will Google die Bilder vor dem Freischalten bearbeiten und die Gebäude verschleiern. Bereits eingelegte Widersprüche sollen automatisch mit berücksichtigt werden.

[Update: 19.08. 2010: Bewohner müssen ihr Haus genau bestimmen]

Google verlängert die Widerspruchsfrist um einen Monat. Der Widerspruch mit dem Online-Formular ist für Mieter und Hausbesitzer in den 20 Street-View-Städten nun bis 15. Oktober möglich. Neben Name und Adresse fragt Google auch die Anzahl der Stockwerke, Art und Farbe des Daches, der Fassade sowie Besonderheiten wie Balkone oder markante Nachbargebäude ab. Ein Grund für die genaue Identifizierung ist, dass Hausnummern auf den Google-Bildern oft nicht erkennbar sind. Aus Sicht des Datenschutzes ist das sinnvoll. Jeder Antragsteller bekommt per Post einen Brief an die zu sperrende Adresse. Erst wenn der im Brief enthaltene Code auf der Website eingegeben wird, macht Google die Häuser unkenntlich. Das soll Missbrauch eindämmen.

Tipp: Auch per Brief können Mieter und Eigentümer einer Veröffentlichung ihres Hauses bei Street View widersprechen. Das Bundesverbraucherschutzministerium bietet dafür kostenlos MMusterbriefe an.

Bei späteren Widersprüchen wird nachträglich verschleiert

Auch nachträgliche Widersprüche will Google innerhalb von zwei Monaten berücksichtigen und die Aufnahmen unkenntlich machen. Dafür steht im Street-View-Dienst eine Meldefunktion zur Verfügung. Nachteil ist, dass beanstandete Bilder dann vorläufig im Internet zu sehen sind. Für Widersprüche der Bewohner von Orten, für die Street View erst später verfügbar ist, gilt die Vier-Wochen-Frist nicht. Auch Sammelwidersprüche von Kommunen mit den Unterschriften von Bürgern will der Internet-Konzern akzeptieren.

20 deutsche Städte virtuell begehbar

Für diese 20 größten deutschen Städte soll es Straßenrundgänge im 360 Grad Radius geben: Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal. Für Nutzer ist der gesamte Dienst kostenlos. Street View steht derzeit in 23 Ländern weltweit zur Verfügung, darunter auch in 12 europäischen Ländern. Google macht nach eigenen Angaben, Gesichter von Menschen und Autokennzeichen unkenntlich.

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