Google Home Schnelltest

Die Laut­sprecher-Blende von Google Home lässt sich gegen eine schwarze oder eine kupfer­farbene auswechseln.

Seit August bietet Google seinen sprach­gesteuerten Laut­sprecher-Assistenten Google Home auch in Deutsch­land an. Beworben wird das 149-Euro-Gerät als Wissens­quelle und persönlicher Assistent, aber auch als Multimedia- und Smart-Home-Zentrale. Im Schnell­test zeigt das schmucke Technikspielzeug allerdings auch, was es alles noch nicht kann.

Freihändig plaudern mit Google Assistant

In vielerlei Hinsicht ähnelt Google Home dem schon länger verfügbaren Gadget Amazon Echo: Wie Echo ist auch Google Home eine Laut­sprecherbox mit einge­bautem Mikrofon und WLan. Auch Google Home wird mit Sprach­befehlen gesteuert und reagiert darauf mit synthetischer Sprach­ausgabe. Und auch hier dient das Ganze dem freihändigen, bild­schirmlosen Zugriff auf einen Online-Dienst, der schon länger fürs Smartphone verfügbar ist: Geht es bei Amazons Echo um den Assistenz­dienst Alexa, soll der Nutzer über Google Home mit dem Dienst Google Assistant plaudern, der auf vielen modernen Android-Handys schon vorinstalliert ist und sich auf iPhones als App nachrüsten lässt.

Smartphone, Google-Konto und Stand­ort nötig

Google Home Schnelltest

Das Einrichten des Laut­sprechers läuft über eine Smartphone-App.

Bevor die Box einsatz­bereit ist, muss sie einge­richtet werden. Das läuft über eine Smartphone-App, die ebenfalls Google Home heißt. Mit ihrer Hilfe verbindet der Nutzer die Laut­sprecherbox mit dem lokalen WLan und verknüpft sie mit seinem Google-Konto. Unschön: Ohne ein Google-Nutzer­konto lässt sich Google Home nicht verwenden. Zudem brauchte die Google-Home-App auf Android-Handys im Test Zugriff auf den Stand­ort, um einen Google-Home-Laut­sprecher einrichten zu können. War die Stand­ort-Erkennung am Handy abge­schaltet oder der Home-App der Zugriff darauf verweigert, fand die App auch bei einer manuellen Geräte­suche den Laut­sprecher nicht und konnte ihn so auch nicht einrichten.

Google Home kann zuhören und sprechen ...

Ist die Einrichtung abge­schlossen, kann der Nutzer das Smartphone weglegen und Google Home mit Sprach­befehlen steuern. Damit sich das Gerät angesprochen fühlt, muss er seine Befehle und Anfragen mit „Okay, Google“ einleiten. Im Test funk­tioniert die Sprach­erkennung weit­gehend problemlos. Selbst mit Stör­geräuschen im Hintergrund versteht Google Home in den meisten Fällen, was der Nutzer von ihm will. Seine Sprach­ausgabe klingt zwar nicht sehr natürlich, ist aber gut verständlich. Allerdings kam es im Test vereinzelt vor, dass der Assistent die Sprachen durch­einander­brachte und eng­lische Phrasen wie „your location“ ins Gespräch einflocht. Vermutlich eine Kinder­krankheit.

... vorlesen und rechnen ...

Ein beliebter Sport unter frisch­gebackenen Besitzern sprach­basierter Assistenz­systeme ist es, sie erst einmal mit Wissens­fragen aller Art zu bombardieren. Darauf ist der Google Assistant gut vorbereitet – schließ­lich ist sein Anbieter schon lange Markt­führer bei den Internet-Such­maschinen. So liest Google Home auf Lexikon-Fragen sinn­volle Passagen aus der Internet-Enzyklopädie Wikipedia vor und kann die Öffnungs­zeiten von Geschäften oder Verkehrs­verbindungen heraus­suchen und aufsagen. Auch kann Google Home rechnen und einfache Sätze in andere Sprachen über­setzen.

... aber noch nicht alles nach­schlagen...

Doch wer Google Home auf diese Weise mit Fragen löchert, stößt auch auf Wissens- und Verständigungs­lücken. So beant­wortet der Laut­sprecher zwar die Frage „Wie lange brauche ich mit dem Auto von Berlin nach Biele­feld?“ recht plausibel. Doch auf Fragen wie „Gibt es derzeit einen Stau auf der Auto­bahn A2?“ weiß Google Home noch keine befriedigende Antwort. Und das, obwohl Googles Karten­dienst ja auch aktuelle Informationen zur Verkehrs­lage bereithält. Und auf die Frage, was heute Abend in einem bestimmten Kino läuft, nennt das Gerät nur einen der Filme beim Namen, ergänzt um ein wenig erhellendes „und vier weitere Filme“. Google-Sucher­gebnisse auf einem Bild­schirm sind da informativer.

... und auch noch keine Mails schreiben

Noch auffälliger werden die Lücken, wenn man das Versprechen hinter dem Namen „Google Assistant“ wörtlich nimmt und Google Home als persönlichen Assistenten anspricht. Einfache Aufgaben wie eine Weck­funk­tion erfüllt das Gerät schon gut und zuver­lässig. Doch wer mehr erwartet, bekommt derzeit noch häufig Antworten zu hören wie „Es tut mir leid, das Erstellen von Erinnerungen wird leider noch nicht unterstützt“, oder „Ich kann leider noch keine E-Mails versenden.“ Hier bleibt die Umsetzung von Google Assistant auf dem Google-Home-Laut­sprecher noch deutlich hinter der Smartphone-Version zurück. Vermutlich wird Google den Funk­tions­umfang des Laut­sprechers in diese Richtung noch erweitern.

Es kann Musik besser steuern als selber spielen...

Auch der Einsatz als Musikspieler hat seine Grenzen. So ist die Liste unterstützter Musik­dienste recht über­schaubar: Neben Googles eigenem Streaming-Angebot Google Play Musik sind nur die Dienste Spotify und Deezer sowie das Internet­radio-Verzeichnis TuneIn vertreten. Zwar lässt sich Google Home seit einem Update auch direkt als Bluetooth-Laut­sprecher einsetzen. Doch das Ergebnis klingt ziemlich bescheiden. Der verbaute Laut­sprecher taugt klang­lich allenfalls für den Einsatz als Küchen­radio zum Nach­richtenhören, nicht aber zum Musikgenuss. Und das Gerät hat keine Audio-Ausgänge. Es lässt sich also nicht zur Verbesserung des Klanges an eine Stereo­anlage anschließen. Da ist es wohl sinn­voller, Google Home zur Fern­steuerung von besser klingenden WLan-Laut­sprecher und -Konnektoren zu nutzen. Das funk­tioniert, wenn die Ausspieler Googles Chrome­cast-Technik unterstützen.
Test WLan-Lautsprecher
Test WLan-Konnektoren

... und auf Zuruf das Licht ausknipsen

Auf Zuruf das Licht ein- und ausschalten oder vernetzte Heizkörper regulieren – auch das soll mit Google Home möglich sein. Das setzt natürlich ein vernetztes Zuhause mit kompatiblen Smart-Home-Komponenten voraus. Wir haben es exemplarisch mit einer vernetzten LED-Lampe von Philips getestet: Befehle wie “Okay Google, mach im Bade­zimmer das Licht aus“ konnte Google Home problemlos umsetzen. Eine andere Frage ist natürlich, wer so etwas tatsäch­lich braucht.

Spion im Wohn­zimmer

Ein Gerät, das ständig in den Raum hinein­horcht, ob es von jemandem angesprochen wird, weckt Miss­trauen. Belauscht Google über den smarten Laut­sprecher etwa auch Gespräche, die nicht für seine virtuellen Ohren bestimmt sind? Wir haben den Daten­strom von Google Home analysiert und können in diesem Punkt Entwarnung geben: Größere Daten­mengen versandte das Gerät im Test nur dann, wenn vorher die Signalworte „Okay Google“ erklangen. Zwar schickt es im Standby-Betrieb ab und an eine geringe Daten­menge mit Systeminfos und Positions­daten nach Hause – das größere Daten­schutz­problem ist aber wohl ein anderes: Google Home funk­tioniert nur mit einem Google-Konto. Wer das Gerät nutzt, muss sich daher im Klaren sein: All seine Anfragen können mit diesem Konto verknüpft werden. Daraus ließe sich ein detailliertes Persönlich­keits­profil erstellen. Genau wie aus Google-Suchen am PC oder Smartphone, wenn der Nutzer zugleich bei Google angemeldet ist.

Fazit: Noch einiges zu lernen

Google ist mit seiner Such­maschine, seinem mobilen Betriebs­system Android und seinem Online-Werbenetz­werk ohnehin schon fast allgegen­wärtig. Nicht jeder wird diesen Anbieter darum mit Google Home noch tiefer in sein Leben herein­bitten wollen. Wer damit kein Problem hat, könnte durch­aus Gefallen daran finden, sich daheim von einem solchen Assistenten auf Zuruf informieren und umsorgen zu lassen. Google Home zeigt hierfür viel­versprechende Ansätze. Besonders die Sprach­steuerung klappt schon beein­druckend gut. Doch um wirk­lich als universaler Alltags­assistent dienen zu können, muss Google Home noch einiges dazu­lernen.

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