Gold­münzen bei Tchibo Eine „Edition mit Selten­heits­wert“?

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Gold­münzen bei Tchibo - Eine „Edition mit Selten­heits­wert“?
Das Tchibo-Münzen-Set zum Preis von 9,90 Euro.

Der Hamburger Kaffee­röster Tchibo verkauft seit kurzem auch ein Gold­münzen-Set. Der Jubiläums-Satz „25 Jahre Fall der Mauer“ besteht aus drei vergoldeten Stücken: einem Mark­stück der DDR, einer D-Mark und einem deutschen Euro. Die Stücke sind limitiert. Jeder Haushalt darf nur einen Münz­satz bestellen. test.de erklärt, ob sich ein Kauf rentieren könnte.

„Samm­leredition mit Selten­heits­wert“

Gold­münzen bei Tchibo - Eine „Edition mit Selten­heits­wert“?

Das Münz-Angebot klingt verlockend. Tchibo bewirbt den Jubiläums-Satz „25 Jahre Fall der Mauer“ als „Samm­leredition mit Selten­heits­wert“. Die „drei historisch wert­vollen Original-Münzen der deutschen Einheits­geschichte“ sind „mit reinstem Fein­gold (24 Karat) veredelt“. Tchibo-Kunden erhalten exklusiv eine Sammelmappe. Das ganze Set gibt es Online und kostet mit Mappe 9,90 Euro. Dazu kommen 1,95 Euro Versand­kosten. Es handelt sich um ein Part­ner­angebot mit der MDM Münz­handels­gesell­schaft mbH & Co. KG. Der Vertrags­partner des Käufers ist nicht Tchibo, sondern MDM.

Kein funk­tionierender Zweitmarkt

Doch sind die Münzen tatsäch­lich wert­volle Sammel­objekte? Nein, meint Münz­experte Helmut Kahnt, der Chef­redak­teur der Zeit­schrift „Münzen und Sammeln“. „Für Münz­sammler sind derartige, von Privatfirmen vergoldete Münzen, völlig wert­los.“ Und hinzu kommt: „Die Auflage ist mit 50 000 Exemplaren sehr hoch“, sagt Kahnt. Ein Wieder­verkauf dieser Münzen dürfte später schon aufgrund der großen Auflage schwer werden. Zudem existiert kein funk­tionierender Zweitmarkt.

Tchibo-Münzen sind kein Zahlungs­mittel

Ein Tausch der Münzen in gültiges Bargeld scheidet ebenfalls aus. Sammler, die zu einer der Filialen der Deutschen Bundes­bank gehen, werden dort keinen Erfolg haben. Durch den Gold­über­zug gelten die Tchibo-Münzen nicht mehr als Zahlungs­mittel. Die Banken und auch Geschäfte nehmen sie deswegen nicht an.

Gold­händler lehnen Ankauf ab

Würde denn wenigs­tens der Wieder­verkauf an einen Edel­metall­händler klappen? Wir haben bei Pro Aurum, einem der größten Edel­metall­händler hier­zulande, nachgefragt. Die Antwort von Benjamin Summa, Sprecher der Firma: „Nein, wir würden die Münzen nicht kaufen“. Er schätzt den Gold­anteil der Tchibo-Münzen auf deutlich weniger als 0,1 Gramm pro Münze. Um den Gehalt genauer zu bestimmen, müsste der Münz­verkäufer ein Analysezertifikat in Auftrag geben. Die Münzen würden dafür einge­schickt und der Schmelz­gold­gehalt genau untersucht. „Das Zertifikat kostet allerdings 10 Euro“, sagt Summa. Damit ist klar: Für den Münz­verkäufer wäre der Verkauf an den Edel­metall­händler ein Zuschuss­geschäft. Denn die Kosten für das Zertifikat sind deutlich höher als der Wert der Münzen.

Käufer akzeptiert auto­matisch Werbemails

Kunden, die die Münzen über Tchibo kaufen, akzeptieren die Allgemeinen Geschäfts­bedingungen der MDM Münz­handels­gesell­schaft. Darin steht, dass die Kunden zustimmen, Werbemails von MDM über ähnliche Angebote zu erhalten. Außerdem will MDM die Nutzung dieser Mails anonym auswerten.

Fazit: Nur etwas für Freunde der Ästhetik

Die Münzen lohnen sich also nur für Käufer, die sich für die Ästhetik der Münzen begeistern können und sie einfach besitzen möchten. Als Geld­anlage sind diese Münzen hingegen nicht geeignet. Eine Wert­steigerung ist nicht zu erwarten. Für den Verkäufer MDM ist das Angebot auch ein Weg, an Mail­adressen für Werbe­zwecke zu kommen.

Tipp: Wenn Sie Gold­münzen als Geld­anlage nutzen wollen, finden Sie kostenlose Informationen in dem Special Goldinvestment – das Risiko minimieren. Und wie der Kauf von Gold idealer­weise ablaufen sollte, zeigt das Gewusst wie: Gold richtig kaufen.

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Testling am 18.10.2014 um 08:50 Uhr
@Kristan72

Richtig muss es heißen:
"Man kann sich nur wundern, dass so ein (MDM-)Geschäft von Tchibo unterstützt wird!"

BjoernT am 16.10.2014 um 23:28 Uhr
Seltsame Vorstellung

"Ein Tausch der Münzen in gültiges Bargeld scheidet ebenfalls aus. Sammler, die zu einer der Filialen der Deutschen Bundes­bank gehen, werden dort keinen Erfolg haben." Diese Passage ist doch Unsinn! Es ist davon auszugehen, dass niemand 1,00 D-Mark oder 1,00 Ost-Mark in Euro-Bargeld umtauschen wollte, selbst falls dies möglich wäre.

mapoe am 16.10.2014 um 16:00 Uhr
Münze/Medallie - informationelle Selbstbestimmung

Bis zur vorsätzlichen Manipulation durch den Überzug mit je 0,1 gr. Gold, waren es Mark-, D-Mark- und EURO-Münzen. Ob die Beschreibung "...bestehend aus drei vergoldeten Münzen:" irreführend und abmahnfähig ist, könnten sicherlich die Juristen der Wettbewerbszentrale oder rechtstreuer Mitbewerber prüfen, denn im vergolden Zustand weren es ja nie Münzen!
Wenn der Erwerb der "gold angemalten Metallscheiben" aber tat. fest gekoppelt ist, an die Aufnahme in den Verteiler für Werbemails von MDM, müsste das m. E. eine Missachtung der "informationelle Selbstbestimmung" der Kunden und damit ein Verstoß gegen das Datenschutzgesetz sein.
Es geht um ein win-win-Geschäft von rd. einer halbe Mio Euro, an dem Tchibo sicherlich >100.000 € verdienen dürfte. Was von Unternehmen allerdings zu halten ist, wenn sie für schnell verdiente Euros, Ihre Kunden anscheinend über'n Tisch ziehen (lassen), kann jeder selbst entscheiden ... sofern er es denn weiß ... ;-(

Dieter1934 am 16.10.2014 um 14:48 Uhr
Goldmünzen bei Tchibo

Sind das überhaupt Münzen ? Es sind doch sicher nur Medaillen !!!

Kristanheinzjuergen am 16.10.2014 um 12:11 Uhr
Tchibo-Münzen

Man kann sich nur wundern, dass so ein Geschäft von MDM unterstützt wird!