Der Gold­preis hat in Euro ein neues Hoch erreicht. Manche halten das Edel­metall aber immer noch für viel zu billig.

Gold Special

Weniger als 300 Euro hätten Anleger vor rund zwanzig Jahren umge­rechnet für einen Krügerrand ausgeben müssen. Heute kostet die südafrikanische Gold­münze bald 1 400 Euro. Sie enthält genau eine Fein­unze Gold, das sind etwa 31,1 Gramm.

Der Gold­preis hat aus Sicht deutscher Anleger Anfang Oktober ein neues Allzeit­hoch erreicht. Das fand nur deshalb wenig Beachtung, weil Gold in US-Dollar gehandelt wird. In der US-amerikanischen Währung fehlen noch ein paar Prozent Wert­anstieg zu einem neuen Rekord.

Gold­fans haben Ober­wasser

Gold­fans sind sich aber sicher, dass auch die alte Höchst­marke in US-Dollar bald geknackt wird. Als Gründe nennen sie gern die schwelende Euro-Krise, die welt­weit ausufernde Staats­verschuldung und die auf Hoch­touren laufenden Noten­pressen der Zentral­banken.

Auch das lächerlich nied­rige Zins­niveau spielt Gold­anlegern in die Hände. Denn wenn mit verzinsten Geld­anlagen kaum etwas zu holen ist, verliert das Haupt­manko von Gold an Bedeutung: Gold wirft keine regel­mäßigen Erträge ab.

Wen wundert es da, dass immer mehr Privat­anleger Gold sogar für eine geeignete Alters­vorsorge halten und in Zukunft mehr Deutsche verstärkt auf das Edel­metall als auf die Riester-Rente setzen wollen. So steht es jedenfalls in einer Studie des Instituts für Demoskopie Allens­bach, die im Auftrag der Post­bank erstellt wurde.

Keine glänzende Alters­vorsorge

Über die Sicherheit von Gold machen sich manche Anleger nach der lang­jährigen Preisrallye anscheinend Illusionen. Dazu nur ein Gegen­beispiel: Wäre im Jahr 1980 ein damals 40-jähriger US-Bürger auf die Idee gekommen, für sein Alter mit Gold vorzusorgen, hätte er einen üblen Fehl­griff getan. Bei seinem Renten­beginn ein Viertel­jahr­hundert später wäre er immer noch tief im Minus gewesen, von entgangenen Zins­ausschüttungen oder Dividenden ganz zu schweigen.

Klar, zu anderen Zeiten ist die Rechnung aufgegangen, und die Rentner waren glück­lich mit ihrer Gold­anlage. Doch die Tatsache, dass es für den Gold­preis keine Aufwärts­garantie gibt, lässt sich nicht vom Tisch wischen. Und für die Alters­vorsorge ist Verläss­lich­keit das A und O.

Wir raten dringend davon ab, Sparbücher oder Fest­geld in Gold umzu­wandeln oder das Edel­metall gar auf Kredit zu kaufen. Selbst wenn es heute nicht danach aussieht, kann sich der Gold­preis auch einmal länger­fristig in die andere Richtung bewegen. Wehe dem, der dann verkaufen muss, weil er dringend Bares braucht.

Gute Beimischung fürs Vermögen

Auf der anderen Seite hat in einem breit gestreuten Vermögen auch Gold seine Berechtigung. Wir halten einen Gold­anteil von maximal 10 Prozent für vertret­bar, wenn Anleger auf das investierte Kapital nicht angewiesen sind.

Die Beimischung von Gold kann die Stabilität der Vermögens­anlage erhöhen. Denn der Gold­preis und die Kurse von Anleihen oder Aktien haben sich in der Vergangenheit selten parallel entwickelt.

Anleger senken das Gesamt­risiko, wenn sie ihr Geld auf viele unterschiedliche Investments verteilen. Gerade deshalb wäre es aber auch nicht sinn­voll, den größten Teil des Vermögens in Gold zu bunkern.

Echtes Gold ist steuergünstig

Erste Wahl für Gold­käufer sind echte Barren oder Münzen wie der Krügerrand, die kana­dische Maple Leaf oder das australische Känguru. Bis zur Geld­wäsche-Grenze von 14 999 Euro können sie das Gold in einer Bank oder beim Gold­händler kaufen, ohne dass die Personalien registriert werden.

Besonders vorteilhaft am direkten Gold­besitz sind die Steuer­regeln. Anleger zahlen beim Verkauf keine Abgeltung­steuer auf den Wert­zuwachs, wenn sie die Barren oder Münzen mehr als ein Jahr in Besitz hatten.

Gewinne aus dem Verkauf von Wert­papieren auf den Gold­preis müssen dagegen versteuert werden. Das gilt selbst für Anlagen, die mit echtem Gold hinterlegt sind. Das bekann­teste in Deutsch­land aufgelegte Produkt dieser Art ist Xetra-Gold (Isin DE 000 A0S 9GB 0).

Das fonds­ähnliche Xetra-Gold gehört zur Gruppe der ETC (Exchange Traded Commodities), die auch Normal­anlegern einen sehr einfachen Zugang zu verschiedenen Rohstoffen ermöglichen. Viele dieser Wert­papiere, wie eben Xetra-Gold, sind zusätzlich besichert. Das Gold wird tatsäch­lich gekauft und einge­lagert. Xetra-Gold-Anleger können sich ihren Anteil sogar jeder­zeit gegen Gebühr ausliefern lassen.

Recht­lich handelt es sich bei ETC wie bei Gold­zertifikaten um Schuld­verschreibungen, und darin liegt auch ihr Nachteil. Geht der Heraus­geber des Wert­papiers pleite, können Anleger ihr Geld verlieren.

Bei Xetra-Gold ist übrigens die Frage der Besteuerung umstritten. Immer wieder gibt es Meldungen, dass einzelne Finanz­ämter den ETC wie physisches Gold einstufen. Ein Erlass des Bundes­finanz­ministeriums sagt aber klar das Gegen­teil. Anleger sollten sich deshalb auf eine Besteuerung einstellen.

Am besten ins Schließ­fach

Gegen den direkten Gold­kauf spricht eigentlich nur das Problem der Aufbewahrung. Wer größere Mengen zuhause lagern möchte, sollte sich einen guten Tresor besorgen. Die Alternative ist ein Bank­schließ­fach, das je nach Größe zwischen 20 und einigen hundert Euro pro Jahr kostet.

Anleger, die lieber in Fonds investieren wollen, können sich indirekt einen Gold­anteil ins Depot holen. Dazu eignen sich einige Misch­fonds (siehe www.test.de/mischfonds aus Finanztest 10/2012).

Den größten Bezug zu Gold oder Silber, aber auch zu Gold­minen­aktien hat der von Finanztest empfohlene Fonds M&W Privat (Isin LU 027 583 27  6). Eine nennens­werte Menge echtes Gold hat auch der Fonds Floss­bach von Storch Multiple Opportunities (Isin LU 032 357 865 7), der für eine Bewertung zu jung ist. Wählen Anleger einen Misch­fonds wegen des Goldes, sollten sie gelegentlich kontrollieren, ob die Fonds­manager ihre Strategie beibehalten.

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