Interview: Xetra-Gold nach einem Jahr steuerfrei

Gold Test

Christian Fischler

Xetra-Gold wird jetzt wie physisches Gold behandelt – nach einjähriger Halte­frist sind Gewinne steuerfrei. Christian Fischler ist einer der Rechts­anwälte, die die Steuerfreiheit für Xetra-Gold vor dem Bundes­finanzhof (BFH) erstritten haben. Er arbeitet für die Wirt­schafts­prüfungs­gesell­schaft KPMG in Frank­furt/Main.

Unter welchen Bedingungen sind Gewinne aus Xetra-Gold steuerfrei?

Fischler: In zwei Grund­satz­urteilen vom 12. Mai 2015 hat der Bundes­finanzhof (BFH) entschieden, dass Gewinne aus dem Verkauf von Xetra-Gold oder aus der Einlösung gegen physisches Gold nicht der Abgeltung­steuer unterliegen, wenn der Anleger die Haltedauer von einem Jahr beachtet (Az. VIII R 4/15 und VIII R 35/14). Die Richter sehen im Anspruch des Xetra-Gold-Inhabers gegen­über dem Heraus­geber keine Kapital­forderung, sondern eine Sach­forderung, was steuerrecht­lich einen Unterschied macht. Entscheidend ist das jeder­zeitige Recht des Anlegers auf Auslieferung von einem Gramm Gold pro Xetra-Gold-Papier. Der Anleger hat keinerlei Anspruch auf Geld­leistung. Kurs­gewinne sind somit private Veräußerungs­gewinne. Zur Absicherung der Liefer­ansprüche hat die Emitten­tin ihre Schuld­verschreibung nahezu voll­ständig mit physischem Gold zu hinterlegen.

Profitieren Xetra-Gold-Anleger in der Praxis auto­matisch von dem Urteil?

Fischler: Ja, verbindlich ist der Erlass des Bundes­finanz­ministeriums vom Januar 2016. Darin wird die Finanz­verwaltung angewiesen von den depotführenden Banken keine Abgeltungs­steuer auf Kurs­gewinne und Einlösungen von Xetra-Gold ab Januar 2016 mehr einzuziehen. Zu beachten ist, dass Anleger ihre Xetra-Gold-Gewinne inner­halb eines Jahres unaufge­fordert als private Veräußerungs­gewinne in der Steuererklärung angeben müssen. Dann gilt jedoch nicht die 25-prozentige Abgeltung­steuer, sondern der meist höhere persönliche Einkommensteu­ersatz.

Wie holen Anleger zu viel gezahlte Steuern auf Xetra-Gold zurück?

Fischler: Anleger sollen prüfen, ob ihre Steuererklärung für das Jahr der Veräußerung noch offen ist. Ist das der Fall, sollten sich Xetra-Gold-Anleger in ihrer Steuererklärung oder einem Einspruchs­verfahren darauf berufen, um so die einbehaltene Abgeltung­steuer vom Finanz­amt erstattet zu bekommen.

Können Anleger mögliche Verluste beim Finanz­amt gegen­rechnen?

Fischler: Bei privaten Veräußerungs­gewinnen, die sich auf Xetra-Gold ergeben, sind Verluste nur inner­halb eines Jahres und auch nur beschränkt verrechen­bar, etwa mit Verlusten aus vermieteten Immobilien inner­halb der zehnjäh­rigen Spekulations­frist. Verluste, die außer­halb der Jahres­frist anfallen, bleiben völlig unbe­rück­sichtigt.

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