Gold Special

Siegel auf der Internetseite der BWF-Stiftung. Als „einziger Anbieter“ garan­tiere die Stiftung den Rück­kauf­preis für das bei ihr erworbene Gold.

Die BWF-Stiftung bietet Gold an und verspricht, es nach einiger Zeit für mehr Geld zurück­zukaufen. Das Angebot hat aber einige Haken für die Anleger.

Gold „als gewinn­bringende Alternative zu Fonds oder Spar­buch“ preist die Berliner Wirt­schafts- und Finanz­stiftung (BWF) in einer Presse­mitteilung an. Sie erläutert: „Der Kunde vereinbart eine Vertrags­lauf­zeit von zwei, vier oder acht Jahren, und erhält dann einen garan­tierten Rück­kauf­preis von 110, 130 beziehungs­weise 180 Prozent seines Kauf­preises.“ Den Anlegern soll das „Zuwachs­raten zwischen 5 und 7,5 Prozent pro Jahr“ bringen.

Das klingt gut. Wer mag, kann sich das Gold auch liefern lassen. Außerdem gibt es ein Ratensparmodell und die Chance auf einen Bonus, der vom Gold­preis abhängt.

Haken 1: Garantie kaum einschätz­bar

Der Clou des Gold­angebots ist der garan­tierte Rück­kaufs­preis. Der ist aber nur etwas wert, wenn das Versprechen einge­löst wird.

In Werbematerial und Vertrags­bedingungen könnte der Eindruck entstehen, das liege in der Hand der BWF. Doch die Stiftung kann recht­lich nichts selbst tun. Sie ist eine unselbst­ständige Treu­hand­stiftung. Vertrags­partner der Kunden ist nicht sie, sondern ihr Träger und Treuhänder, ein Kölner Verein. Ihn hat der Stifter beauftragt, der nach BWF-Angaben ungenannt bleiben will. Auf Anfrage legte die Stiftung weder Satzung noch Treu­hand­vertrag vor. Jahres­abschlüsse sind nicht bekannt.

Unklar ist noch mehr: Um den Preis für den Rück­kauf garan­tieren zu können, lässt sich die BWF-Stiftung das Recht geben, mit dem Gold der Kunden Zwischen­handel zu treiben. Erstaunlich ist dabei, dass sie nach eigenen Angaben das Gold in Kleinbarren bis maximal 100 Gramm lagert und „über­wiegend 1-Gramm-Barren“ erwirbt. Kleinst­barren spielen im professionellen Handel kaum eine Rolle.

Fraglich ist zudem, ob das Angebot wegen der Rück­kauf­garantie nicht als Einlagen­geschäft einge­stuft werden könnte. Wäre das so, könnte die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) eventuell eine Rück­abwick­lung anordnen. Die BWF hat nach Auskunft der Bafin keine Erlaubnis für Einlagen­geschäfte. Die Stiftung teilt mit, für diesen Fall über Lösungen nach­zudenken.

Haken 2: Hohe Preise

Kunden kaufen das Gold bei der BWF-Stiftung teuer ein. Das kann zum Problem werden, wenn sie ihr Gold geliefert bekommen, zum Beispiel bei einem Ausstieg während der Lauf­zeit, wenn die Preis­garantie nicht gilt. Die Kunden laufen dann Gefahr, beim Verkauf an andere Händler Verlust zu machen.

Die Kunden kaufen zum aktuellen BWF-Gold­preis von 39,53 Euro für 1 Gramm im Dezember 2014. Er orientiert sich an Preisen für 1-Gramm-Barren. BWF siedelt sich selbst „im gehobenen mitt­leren Preissegment an“.

Für 1-Gramm-Barren mag diese Beschreibung noch stimmen, doch größere Mengen sind bei der BWF-Stiftung teuer. Für 100 Gramm ergaben sich bei ihr im Dezember 3 953 Euro, andere Gold­händler nannten weniger als 3 300 Euro für 100-Gramm-Barren.

Haken 3: Berater fiel auf

Die Stiftung lässt sich vom Berliner Rechts­anwalt Thomas Schulte beraten. Sie zählt ihn auf ihrer Internetseite „zu den renommiertesten Verbraucher­schutz­anwälten“. Schulte fiel aber schon vor Jahren als Autor für umstrittene Publikationen auf. So schrieb er für die Zeit­schrift „Der Freie Berater“ des Finanz­vertriebs Carpediem, der wegen dubioser Praktiken später auf unserer Warn­liste landete.

Im Jahre 2010 teilte Schulte der Zeit­schrift Börse Online mit, er habe jede Zusammen­arbeit mit Unternehmen und Organisationen beendet, sobald es Zweifel an deren Integrität gegeben habe. Für sein Renomee wäre es besser gewesen, er hätte von vorn­herein von solchen Adressen Abstand gehalten.

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