Gold Test

Die einen haben Angst vor dem Untergang des Finanzsystems und kaufen zur Sicherheit Gold. Die anderen nutzen das zur Spekulation.

Am 18. März fuhr der Goldpreis Achterbahn. Gerade noch war er steil zu Tal gegangen. Da kündigte die amerikanische Notenbank an, eine weitere Billion Dollar auszugeben, um die Märkte zu beleben. Flugs hob der Goldpreis wieder ab und stieg binnen einer Stunde um fast 60 Dollar auf 945 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Goldhändler meldeten zuletzt lange Wartezeiten. Die Goldproduzenten rund um den Globus konnten das gelbe Metall nicht schnell genug aus der Erde kratzen, um die Nachfrage zu befriedigen.

Viele Menschen kaufen Gold, weil sie Angst vor einer großen Inflation haben. Anders als Bargeld oder Zinsanlagen behält es in einer Krise mit Hyperinflation und Währungsreform einen Wert. Sie wollen auf diese Weise einen Teil ihres Vermögens retten.

In einem Punkt haben die Käufer recht: Wirklich helfen kann in Krisen, in denen das Finanzsystem sich völlig auflöst, höchstens Gold, das man in den Händen hält.

Nicht alles glänzt

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Doch es sprechen einige gewichtige Argumente gegen Münzen und Barren. Das erste ist das Aufbewahrungsproblem. Gold zu- hause aufzubewahren, birgt ein hohes Risiko. Es bei der Bank zu lagern, kostet Geld.

Käme es zu einer schlimmen Krise, wäre es auch schwierig, Gold gegen andere Waren einzutauschen. Schon eine Goldmünze hat einen zu hohen Wert, um sinnvoll damit einkaufen gehen zu können. Zum anderen ist es für Tauschpartner schwer feststellbar, ob das Goldstück echt ist und welchen Goldgehalt es hat.

Goldbesitz birgt sogar politische Risiken. Während der großen Depression Anfang der 30er-Jahre verbot der US-Präsident Roosevelt seinen Bürgern den privaten Besitz von Gold. Erst seit 1974 dürfen sie wieder Gold kaufen. Das könnte auch in Europa geschehen, fürchten Experten, wenn die Notenbanken den Wert des Euro nicht anders aufrechterhalten können.

Wer heute Gold kauft, kauft teuer ein. Er läuft Gefahr, statt sein Vermögen zu retten, hohe Verluste einzufahren. Wie in vergangenen Krisen ist der Goldpreis schon stark gestiegen. Er könnte dramatisch fallen.

Hinzu kommt: Gold wirft keine Erträge ab. Es verzinst sich nicht. Schon wenn sein Preis nur um einen Punkt kreist, verliert diese Geldanlage ständig an Wert, weil Inflation und Gebühren für Kauf und Lagerung es Körnchen für Körnchen auffressen.

Reines Glücksspiel

Gold Test

Gold ist ein reines Spekulationsobjekt, nicht anders als Schweinehälften. Da geht es zu wie beim Glücksspiel.

Wer vor dreißig Jahren am 23. März 1979 bei einem Goldpreis von 243,63 US-Dollar je Unze eingestiegen ist, hat vor Abzug der Inflation bis heute – umgerechnet in Euro – eine durchschnittliche Rendite von 3,75 Prozent pro Jahr erzielt. Das ist mager.

Mit Zinspapieren aus Deutschland und Euroland haben Anleger in den vergangenen drei Jahrzehnten im Schnitt 6,8 Prozent pro Jahr erzielt, mit deutschen Aktien sogar 8,2 Prozent pro Jahr. Natürlich blieb da auch nach Abzug der Inflation mehr im Geldbeutel als mit Gold. Und das, obwohl der 23. März 1979 noch ein guter Einstiegszeitpunkt war.

Viel schlechter geht es den Leuten, die Gold Anfang 1980 aus Sorge um den Frieden kauften. Die Sowjetunion hatte gerade Afghanistan besetzt. Der Goldpreis stieg binnen weniger Tage um rund 300 US-Dollar auf mehr als 800 Dollar. Auch das war mitten in der Krise.

Kaum stellte sich heraus, dass das Leben weiterging, fiel der Preis wieder auf den alten Stand und in der Folge noch deutlich tiefer. Wer zum 18. Januar 1980 eine Unze Gold für 835 Dollar gekauft hat, hat seither – in Euro gerechnet – jedes Jahr unter Berücksichtigung der Inflation durchschnittlich 0,9 Prozent an Kaufkraft verloren.

Der Goldpreis steht hoch. Wohin er sich entwickelt, wissen auch Experten nicht zu sagen. Die Spezialisten des Hanauer Goldhändlers Heraeus zum Beispiel können keine neuen preistreibenden Einflüsse erkennen. Ein neues Allzeithoch von mehr als 1 032,70 Dollar je Unze, dem Stand vom 17. März 2008, wollen sie für die nächsten Monate aber auch nicht ausschließen, je nachdem wie die Nachfrage sich entwickelt.

Wenn die Menschen weiter Gold kaufen aus Angst vor der Zukunft, könnte sogar eine Spekulationsblase entstehen und platzen – dann sind die Anleger die Dummen.

Einiges spricht sogar dafür, dass der Goldpreis schon bald wieder fällt: Die Schmuckindustrie, die ansonsten etwa 70 Prozent der weltweiten Goldproduktion aufkauft, hält sich zurück, solange die Goldpreise hoch bleiben. Sie fällt zurzeit als Nachfrager weitgehend aus.

Andere machen sogar Kasse. Die Türkei, die ansonsten Gold importiert, weil dort traditionell Goldschmuck als Aussteuer wichtig ist, exportiert ausgerechnet jetzt mehr Gold, als sie einführt.

Jenseits von Münzen und Barren

Wer von einem weiter steigenden Goldpreis ausgeht, kann besser profitieren, wenn er kein echtes Gold, sondern Finanzprodukte kauft, weil das meist günstiger ist.

Anleger, die nur auf den Preis spekulieren wollen, greifen zu börsengehandelten Goldfonds oder Zertifikaten. Die sind billiger als Münzen und Barren (siehe „Barren und Münzen“).

Wer sich dauerhafte Erträge aus dem Goldgeschäft sichern und gegen Inflation schützen will, für den kommen Goldminenaktienfonds infrage (siehe „Wertpapiere“).

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