Zertifikate: Vom Goldrausch profitieren

Die Panikkäufe von Gold bieten auch nüchternen Anlegern eine Chance: Wenn wegen der hohen Nachfrage der Goldpreis steigt, dann können sie mit dem Kauf von Zertifikaten direkt davon profitieren. Für diesen Zweck sind Münzen wegen der hohen Kosten nicht geeignet.

Allerdings bieten Zertifikate keinerlei Versicherung gegen eine Verschärfung der Krise, etwa durch weitere Bankenpleiten oder gar eine Währungsreform. Im Gegenteil: Geht die Bank pleite, die das Zertifikat herausgegeben hat, ist das Geld verloren.

Wer mit Zertifikaten auf den Goldpreis spekulieren will, hat mehrere Möglichkeiten. Wir stellen einige Papiere beispielhaft vor, um die Funktionsweise zu erläutern. Es handelt sich nicht um Kaufempfehlungen. Wer ein Zertifikat kaufen will, sollte die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs beachten, sich wegen des Pleiterisikos den Emittenten sorgfältig heraussuchen und eine geeignete Laufzeit wählen.

Goldpreiszertifikate

Ein Goldpreiszertifikat bildet den Goldpreis ab. Es funktioniert wie ein Indexzertifikat. Wir empfehlen Papiere ohne Endfälligkeit.

  • Das Goldzertifikat der Commerzbank (Isin DE 000 160 902 2) läuft endlos. Es bildet den in Euro umgerechneten Goldpreis im Verhältnis 10 : 1 ab.
    Ein Beispiel: Gold kostet 921 Dollar, das sind 682 Euro. Für das Zertifikat ergibt sich ein Preis von rund 68,20 Euro (Stand 24. März 2009).
  • Das Goldzertifikat der Commerzbank gibt es auch währungsgesichert, als Quantozertifikat (Isin DE 000 CB2 458 9). Hier wird 1 Dollar gleich 1 Euro gesetzt. Allerdings kostet die Währungssicherung Geld, das schmälert einen möglichen Gewinn.
  • Das Zertifikat DWS Go Safe Gold Quanto Tracker (Isin DE 000 DWS 0KL 3) schützt nicht nur vor Währungsverlusten, sondern auch vor einer Pleite der DWS Go. Dafür hinterlegt die DWS Go Staatsanleihen als Sicherheit in einem Extra-Depot bei der Deutschen Bank in Luxemburg.

Discountzertifikate

Mit einem Discountzertifikat spekuliert der Anleger mit Rabatt auf den Goldpreis. Dadurch schmerzen Kursrückgänge weniger. Im Gegenzug ist der Gewinn gedeckelt.

  • Das Discountzertifikat Classic der Commerzbank (Isin DE 000 CB7 8SD 1) hat eine Kursobergrenze, einen Cap, von 850 Dollar. Der Anleger bekommt es zum Preis von 74,53 Euro (25. März 2009). Steht der Goldpreis am 15. Dezember 2009 auf oder über 850 Dollar, bekommt der Anleger 85 Euro zurück, das sind 10,47 Euro Gewinn je Zertifikat. Fällt Gold hingegen unter 850 Dollar, gibt es dementsprechend weniger. Das Zertifikat ist währungsgesichert (Quanto).

Bonuszertifikate

Ein Bonuszertifikat bringt mehr Ertrag als das Gold selbst, wenn sich der Goldpreis seitwärts bewegt.

  • Das Gold Quanto Capped Bonus Zertifikat von ABN Amro, jetzt Royal Bank of Scotland, läuft bis 18. Dezember 2009 (Isin DE 000 AA1 AUP 1). Es kostet am 25. März 99,70 Euro. Wenn der Goldpreis bis zur Fälligkeit nicht unter 600 Dollar sinkt, zahlt die Bank je Zertifikat 110 Euro zurück. Das ist ein Plus von 10,3 Prozent. Sie zahlt die 110 Euro, wenn der Goldpreis bei 700 Dollar liegt genauso, wie wenn er bei 1 200 stehen sollte. Fällt Gold allerdings unter 600 Dollar, ist der 110-Euro-Bonus weg.

Hebelzertifikate

Hebelzertifikate eignen sich nur für sehr risikobereite Anleger. Ein Totalverlust ist sogar möglich, wenn der Herausgeber, der Emittent, nicht pleitegeht. Dafür bieten diese Zertifikate enorme Gewinnchancen.

Der Hebeleffekt vervielfacht Gewinne und Verluste. Außerdem haben Hebelzertifikate eine Knock-out-Schwelle. Das ist ein vom Emittenten festgelegter und regelmäßig angepasster Goldkurs. Wird diese Schwelle durchbrochen, erhält der Anleger allenfalls einen geringen Restwert für sein Zertifikat.

Für kurzfristige Spekulationen sind Hebelzertifikate ideal. Wer eine klare Vorstellung hat, wo der Goldpreis in ein paar Monaten stehen wird, kann sein Glück versuchen. Dabei ist es egal, ob er steigende oder fallende Kurse voraussieht, denn passende Zertifikate gibt es für beide Perspektiven. Produkte mit großem Hebel eignen sich nur für professionelle Spekulanten. Andere sollten nur mit kleinen Hebeln arbeiten.

  • Das WaveXXL-Zertifikat der Deutschen Bank (Isin DE 000 DB6 S46 7) erhöht die Chancen und Risiken bei einem Goldpreis von rund 920 US-Dollar um das 3,2-Fache. Anleger setzen damit auf steigende Goldkurse. Fällt der Goldpreis unter 653,15 US-Dollar, ist die Laufzeit des Zertifikats zu Ende, und der Anleger erhält nur einen Bruchteil seines Einsatzes zurück.
  • Mit ähnlichem Hebel auf einen fallenden Goldpreis wetten Anleger beim Gold Mini Short (Isin NL 000 613 545 1) der Royal Bank of Scotland. Steigt der Goldpreis über 1 193 US-Dollar, ist dieses Zertifikat allerdings „ausgeknockt“.

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