Barren und Münzen: Gold in der Tasche

Gold Test

Goldhändler verdienen sich in der Finanzkrise eine goldene Nase. Selbst Lidl verkauft jetzt Goldstücke. Doch es gibt günstigere Quellen.

Weltweit schieben die Münzämter seit Jahresbeginn Extraschichten. Nur so können sie die riesige Nachfrage nach Goldmünzen und -barren einigermaßen befriedigen.

In Österreichs Prägeanstalt „Münze Österreich“ ist der Exportschlager – die Münze „Wiener Philharmoniker“ – gefragt wie noch nie. 2007 habe man 245 000 Goldmünzen verkauft, 2008 über eine Million Münzen, teilt die Anstalt mit.

„Die angebotenen Stückzahlen decken nur noch etwa 5 Prozent der tatsächlichen Nachfrage“, erklärt Robert Hartmann, Geschäftsführer des Münchener Goldhandels pro aurum. Seine Firma arbeitet im Zweischichtsystem, auch sonnabends, um bis zu 30 000 Münzen pro Tag zu verschicken.

„Vor der Finanzkrise haben wir nur ein Zehntel dieser Menge pro Tag verkauft“, sagt Hartmann. Fünf bis sechs Tage dauere es, bis Anleger die Münzen oder Goldbarren erhalten, die sie über das Onlineportal der Firma bestellt haben.

Ansturm auf Lidl-Angebot

Einen Ansturm auf seinen Onlineshop löste im März der Lebensmitteldiscounter Lidl aus. Dort gibt es seither Münzen und Barren zu kaufen.

Ein Schnäppchen ist das Lidl-Gold nicht: Satte 329 Euro kostete der 10-Gramm-Goldbarren „kinebar“ aus Österreich am 20. März. Bei pro aurum hätte ein Anleger am selben Tag nur 252 Euro bezahlt.

Die 100-Euro-Münze „Goslar“ mit einem Feingewicht von einer halben Unze (15,5 Gramm) hätten Lidl-Kunden am 20. März statt für 419 Euro gut 31 Euro günstiger bei Euro Change in Berlin kaufen können. Trotzdem sind viele Lidl-Münzen und der Barren „kinebar“ inzwischen ausverkauft.

Anders als Lidl passen Banken, Sparkassen und Goldhändler wie Euro Change, Westgold oder pro aurum ihre Preise mehrmals täglich an den Börsenkurs an. Ihr Preis für den Kunden errechnet sich aus dem Börsenkurs, den Präge- und Logistikkosten der Hersteller und der Gewinnmarge des Großhandels.

Im März betrugen die Aufschläge für ­Unzenmünzen auf den reinen Goldpreis durchschnittlich 7 Prozent. Vergrößern sich die Engpässe bei der Herstellung von Münzen und Barren, steigt der Aufschlag. Außerdem gilt: „Je kleiner die Münze, desto höher ist das Aufgeld auf den reinen Goldwert“, erklärt Hartmann von pro aurum.

Ähnliches gilt für Goldbarren: Anleger, die einen 10-Gramm-Goldbarren kaufen, müssen mit Aufschlägen von zirka 12 Prozent rechnen. Für Unzen-Barren werden nur zirka 4 Prozent Aufschlag fällig.

Die gängigen Anlagemünzen Krügerrand, Nugget, Wiener Philharmoniker, ­Maple Leaf, und China Panda (siehe Abbildungen) können Anleger bei Banken oder Goldhändlern günstiger als bei Lidl kaufen.

Solche Anlagemünzen sind im Unterschied zu Sammlermünzen auch in Krisenzeiten gut handelbar. „Kunden sollten sich von Banken und Händlern ein Angebot inklusive Versandkosten und aller Gebühren erstellen lassen“, empfiehlt Hartmann. Dazu gehören auch die Kosten für eine sichere Lagerung des Goldes.

Günstig ohne Vermittler

Anleger, die sich nicht selbst um den Kauf von Gold kümmern wollen, können auch ein Goldkonto eröffnen, zum Beispiel bei der Sparkasse Pforzheim Calw. Oder sie wenden sich an die Anbieter von Einmalanlagen und Sparplänen, die vom Anlegergeld Gold kaufen und es frei von Zoll und Mehrwertsteuer in Schweizer oder Liechtensteiner Tresoren verwahren.

Das gebührenfreie „Goldkonto“ der Sparkasse Pforzheim Calw unterliegt der Einlagensicherung der Sparkassen. Es kann ab 5 000 Euro eröffnet werden.

Das vom Anlegergeld gekaufte Gold wird kostenfrei im Tresor der Sparkasse gelagert. Die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis beträgt nur 1 Prozent. Anleger können ihr Gold jederzeit zum Tageskurs verkaufen. Wer will, kann sich sein Gold auch gegen Zahlung einer Transportgebühr nach- haus liefern lassen.

Besonders bekannt ist das Goldkonto ­bisher nicht: Nur 600 Kunden zählte die Sparkasse im März für ihr bundesweites konkurrenzlos günstiges Angebot.

Die Max Heinr. Sutor oHG Bank für Vermögensbildung (Sutor) in Hamburg gewinnt seit Herbst 2008 jeden Monat über 500 neue Kunden für ihr SutorGolddepot berichtet Vertriebsleiter Michael Gott.

Das SutorGolddepot ist günstig, wenn Anleger es direkt bei der Privatbank eröffnen. Dann fallen nur Depotgebühren von 0,025 Prozent im Monat für die Lagerung des Goldes in einem Hochsicherheitstresor in der Schweiz an.

Aufpassen sollten jedoch Anleger, die Anträge für Goldkonten im Internet stellen. Diese werden meist von Finanzvertrieben bearbeitet, die für ihre Tätigkeit hohe Gebühren kassieren.

Das SutorGolddepot wird zum Beispiel von mehreren Vermittlern angeboten. Sie verlangen für eine Einmalanlage, die ab 2 000 Euro möglich ist, eine Abschlussgebühr von 5,75 Prozent. Zwei Monatsraten kommen noch obendrauf, wenn ein Kunde sich für den Zehnjahressparplan mit Monatsraten ab 50 Euro entscheidet.

Sutor selbst verlangt solche Gebühren nicht, wenn Kunden sich direkt an die Privatbank wenden.

Mit Beträgen ab 500 Euro können sich Anleger an der Einkaufsgemeinschaft Gold und Silber in Gerstetten beteiligen. Weitere Einlagen sind peu à peu möglich. Wer regelmäßig in Gold investieren möchte, kann auch einen Sparplan zeichnen. Das ist ab 25 Euro im Monat möglich.

Die Einkaufsgemeinschaft betont, dass sie Gold zu Bank- und nicht zu Endkundenpreisen bei pro aurum kauft. Für 1,5 Prozent Kosten pro Jahr wird das Gold der Gesellschafter versichert und in Schweizer und Liechtensteiner Tresoren zoll- und mehrwertsteuerfrei aufbewahrt.

Goldsparplan für Kinder

Höher als bei Sutor und der Einkaufsgemeinschaft fallen die Gebühren für Goldanlagen aus, die das Hamburger Emissionshaus Bullion Value KG über verschiedene Vertriebsfirmen anbietet. Die Bullion Value bietet Einmalanlagen, Sparpläne und eine Kombination aus beiden an.

Einmalanlagen gibt es ab 2 500 Euro mit einem Aufschlag von 5,75 Prozent und Tresorgebühren von 1,35 bis 1,5 Prozent pro Jahr. Deutlich höher sind die Kosten für Sparpläne, in die Anleger mit monatlichen Raten ab 50 Euro einzahlen können.

Der „Standard-Goldsparplan“ muss mit mindestens zwölf Monatsraten bedient werden. Für 50-Euro-Raten kassiert die Bullion Value jeweils 8,5 Prozent Gebühren im Monat.

Der Junior-Goldsparplan, mit dem Großeltern, Eltern und Paten Kindern unter 18 Jahren „die Zukunft vergolden“ sollen, hat eine Laufzeit von mindestens 60 Monaten. Die Abschlussgebühr beträgt 50 Euro und der Aufschlag pro 50-Euro-Rate 7,5 Prozent.

Der Aufschlag für den Standardsparplan sinkt bis auf 5,5 Prozent (Juniorsparplan 4,5 Prozent), wenn Anleger Monatsraten von 350 Euro zahlen. Auch die Tresorkosten sinken nach einem Jahr. Trotzdem sind die Sparpläne vergleichsweise teuer.

Die Taurus Edelmetalle AG in Liechtenstein verkauft über die Vermittlerfirma B.G. -p. oHG in Bad Kissingen Einmalanlagen ab 2 500 Euro. Neben einer Bearbeitungsgebühr von 5 Prozent werden Lagergebühren von 1, 5 Prozent pro Jahr fällig. Auch hier können sich Kunden ihr Gold gegen Zahlung der Transportkosten ausliefern lassen.

Wenig erfreulich ist allerdings die Gewinnbeteiligung, die Taurus mit Anlegern vereinbart. Steigt der Goldpreis einmal kräftig und macht der Kunde mit seinem Gold mehr als 10 Prozent Gewinn, kassiert Taurus 20 Prozent von dem Mehrerlös, der über 10 Prozent liegt.

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