Gold Test

Gold war noch nie so wertvoll wie in der Finanzkrise. Mit über 1 000 Dollar für die Feinunze hat die Goldnotierung im Herbst 2008 einen neuen Rekord erzielt. Der Einstieg auf dem derzeit hohen Kursniveau ist riskant. Gold kaufen ist spekulativ.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Gold.

Anleger im Goldrausch

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Die Anleger schreien nach Gold. Seit die Finanzkrise wütet, wollen Sparer ihr Vermögen in Goldbarren oder -münzen umschichten. Goldhändler melden lange Wartezeiten. Anders als Bargeld oder Zinsanlagen behält das Edelmetall in Krisenzeiten mit Hyperinflation und Währungsreform einen Wert. Denn im Gegensatz zu Papiergeld können die Notenbanken Gold nicht beliebig vermehren. Außerdem ist das gelbe Metall ein auf der ganzen Welt anerkanntes Wertaufbewahrungsmittel. Doch der schwankende Kurs, hohe Kaufkosten und fehlende Erträge sind die großen Unwägbarkeiten der Krisenwährung. Finanztest hat die unterschiedlichen Anlagemöglichkeiten geprüft und nennt Chancen und Risiken.

Barren und Münzen

Wer physisches Gold haben will, sollte gängige Anlagemünzen kaufen. Das sind Krügerrand aus Südafrika, die australische Nugget, Wiener Philharmoniker, ­Maple Leaf aus Kanada oder China Panda. Diese Münzen sind im Unterschied zu Sammlermünzen auch in Krisenzeiten gut handelbar. Anleger beziehen sie am besten über Banken oder Goldhändler wie Euro Change in Berlin, pro aurum in München oder Westgold. Die Händler bieten die Münzen auch über ihre Onlineportale an. Die Institute und Profihändler passen ihre Preise mehrmals am Tag an die Börsenkurse an. Maßeinheit für echtes Gold ist die Feinunze, sie beträgt 31,1 Gramm. Kunden sollten sich von Banken und Händlern ein Angebot inklusive Versandkosten und aller Gebühren erstellen lassen.

Gold im Tresor

Für manchen Goldanleger ist ein möglicher Wertverlust aber unerheblich. Hauptsache ein anfassbarer Wert liegt in ihrem Tresor. Finanztest rät, nicht mehr als zehn Prozent des Vermögens in Gold zu stecken. Günstig für eine Einmalanlage ist das Golddepot der Privatbank Sutor in Hamburg, wenn Kunden es direk t dort eröffnen. Für das Lagern des Goldes in einem Hochsicherheitstresor in der Schweiz fallen Depotgebühren von nur 0,025 Prozent monatlich an. Im Internet bieten Vermittler das selbe Konto an. Die Finanzvertriebe verlangen aber hohe Gebühren. Gebührenfrei ist das „Goldkonto“ der Sparkasse Pforzheim Calw, das von der Einlagensicherung der Sparkassen abgedeckt ist. Anleger können es ab 5 000 Euro eröffnen. Das vom Anlegergeld gekaufte Gold wird kostenfrei im Sparkassentresor gelagert. Kunden können es jederzeit zum Tageskurs verkaufen.

Aufschlag beim Goldkauf

Goldkäufer müssen sich der Kosten und der Risiken bewusst sein. Das Horten im Banktresor kostet Geld. Wer Gold kauft, zahlt immer Aufschläge. Für die Unzenmünze verlangten Verkäufer im März einen durchschnittlichen Aufschlag von sieben Prozent auf den reinen Goldpreis. Je kleiner die Münze, desto höher ist das Aufgeld auf den reinen Goldwert. Wo Anleger noch günstiger an Gold kommen und gebührenfrei lagern können, ist im vollständigen Test nachzulesen.

Gold ist aktuell teuer

Bis ein Händler dem Anleger sein Gold zu seinem Einkaufskurs zurücknimmt, muss der Goldkurs erheblich anziehen. Im Moment liegt das Kursniveau allerdings sehr hoch. Mitte April kostete die Feinunze um 880 Dollar. Wer jetzt Gold kauft, greift bei einem relativ hohen Preis zu. Noch ein Nachteil: Gold wirft keine Erträge ab. Es gibt weder Zinsen noch Dividenden. Schon wenn der Goldpreis nur um einen Punkt kreist, verliert es an Wert.

Goldanlage ist reine Spekulation

Wie sich der Goldkurs langfristig entwickelt, weiß niemand. Auf eine Wertsteigerung zu hoffen, ist spekulativ. Wer vor dreißig Jahren im März 1979 bei einem Goldpreis von 244 US-Dollar je Unze eingestiegen ist, hat vor Abzug der Inflation bis heute – umgerechnet in Euro – eine durchschnittliche Rendite von 3,75 Prozent pro Jahr erzielt. Zum Vergleich: Mit Zinspapieren aus Deutschland und Euroland haben Anleger in den vergangenen drei Jahrzehnten im Schnitt 6,8 Prozent pro Jahr erzielt, mit deutschen Aktien sogar 8,2 Prozent pro Jahr.

Finanzprodukte auf Goldbasis

Alternativen zum echten Gold sind Wertpapiere wie Goldminenaktien, Goldfonds oder Zertifikate. Für den Anleger reduzieren sich im Gegensatz zum physischen Gold Kaufaufschläge und Lagerungsgebühren fallen ganz weg. Wer Goldaktienfonds kauft, erwirbt Anteile an Goldminen. Aber nicht jede Mine ist eine Goldgrube. Die Kurse von Goldminenaktien schwanken noch stärker als der Goldpreis. Entsprechend erreichen Goldaktienfonds in der Chance-Risiko-Klasse (1-15) der test.de-Datenbank Investmentfonds auch die hohen Stufen 11 und 12.

Hoher Goldpreis keine Garantie für starken Fonds

Selbst der beste Fonds in der Tabelle, der AIG PB EF Gold A, hat in den vergangenen zwölf Monaten 27,8 Prozent Verlust gemacht (Stichtag 28. Februar 2009). Am schlimmsten hat es den PEH Q-Goldmines erwischt: minus 50,3 Prozent. Der Grund: Die Aktien der Minengesellschaften können sich dem allgemeinen Börsentrend nicht entziehen. Geht es an der Börse abwärts, fallen auch diese Aktien – selbst wenn der Goldpreis steigt.

Finanztest-Ratgeber: Sicher anlegen in der Krise

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