Einen Voll­kasko­schutz können Anleger mit Gold nicht kaufen. Der jüngste Kurs­absturz ruft die Schatten­seiten des Edel­metalls in Erinnerung.

Der Gold­preis ist unter Druck. Trotz der jüngsten Kurs­erholung bleibt seit Jahres­anfang ein Minus von über 10 Prozent, Der Absturz am 15. April 2013 war mit über 9 Prozent der heftigste Tages­verlust seit mehr als 30 Jahren. Für Gold­anleger ist der Preis­verfall bitter, aber er hat auch sein Gutes: Der Mythos, dass das Edel­metall nur noch teurer werden kann, ist zerstört. Nach einem Jahr­zehnt, in dem jedem Rück­schlag nach kurzer Zeit ein neuer Höchst­stand folgte, drohen unruhige Zeiten.

Wer traut sich schon zu sagen, wo sich der Gold­preis, der zurzeit unter 1 500 US-Dollar liegt, in ein, zwei Jahren befinden wird? Vielleicht nur noch halb so hoch wie heute oder beim Doppelten oder gar Dreifachen? Für beide Sicht­weisen gibt es ernst­zunehmende Argumente. Welcher sich Anleger anschließen, ist Glaubens­sache.

Gold als Krisenwährung

Für einen steigenden Gold­preis spricht, wie in den vergangenen Jahren, die gigantische Verschuldung der Industrieländer, die von immer mehr Noten­banken mit forcierten Geld­druck­aktionen bekämpft wird. Papiergeld lässt sich beliebig vermehren, Gold nicht.

Nimmt man die welt­weit umlaufenden Geldmengen von heute und von vor 30 Jahren als Maßstab, lässt sich sogar ein Gold­preis von mehreren tausend US-Dollar recht­fertigen.

Und falls irgend­wann die keineswegs gelöste Euro-Krise eskaliert, ist die Ersatz­währung Gold ohnehin wieder erste Wahl.

Gold als Spekulations­objekt

Auf der anderen Seite hat Gold keinen großen originären Nutzen. Als Industrie­metall ist es von geringer Bedeutung, und für die Schmuck­herstellung genügen vergleichs­weise geringe Mengen. Gold bringt weder Zinsen noch Dividenden, sondern verursacht sogar noch Kosten für eine sichere Aufbewahrung.

Der fulminante Anstieg des Gold­preises war zu einem großen Teil renditehung­rigen Anlegern und Spekulanten geschuldet. Sie kaufen meist kein physisches Gold, sondern setzen mit Fonds, Zertifikaten oder Options­scheinen auf Kurs­gewinne. Wenn diese Klientel die Seite wechselt, geht es auch ganz schnell wieder nach unten. Von „Papier­gold“ trennt man sich leichter und viel schneller als von Barren oder Münzen, die im Bank­tresor schlummern.

Gold als Depotbei­mischung

Finanztest hat den großen Gold­rausch nach der Jahr­tausend­wende nicht kommen sehen. Wir wagen auch keine Prognose über die zukünftige Entwick­lung des Gold­preises. Eins ist aber gewiss: Gold ist nicht jener sichere Hafen, als der es gern verkauft wird.

Unsere Empfehlung lautet daher unver­ändert: Gold ist eine vernünftige Beimischung für jedes größere Vermögen. Der Gold­preis entwickelte sich in der Vergangenheit meist völlig anders als die Kurse an den Aktienbörsen. Das ist günstig, um Vermögens­schwankungen gering zu halten.

Die bequemste Lösung für Anleger bieten sogenannte Exchange Traded Commodities (ETC), oft fälsch­licher­weise als Gold­fonds bezeichnet. In Wahr­heit handelt es sich um Schuld­verschreibungen, die mit echten Gold­beständen hinterlegt sind. Das soll im Fall einer Anbieterpleite das Risiko mindern, bietet aber keine absolute Sicherheit.

Der bekann­teste und größte Gold-ETC ist Xetra-Gold (Isin DE 000 A0S 9GB 0), das auch eine Option auf Lieferung des gekauften Goldes enthält. Euwax-Gold (Isin DE 000 EWG 0LD 1) ist etwas teurer, bietet dafür aber eine Lieferung ohne Neben­kosten.

Das einzig Wahre ist für viele Anleger aber physisches Gold. Steuerlich genießt es Privilegien, da es von der Mehr­wert­steuer und Abgeltung­steuer befreit ist.

Anleger sollten aber nur stan­dardisierte Barren oder gängige Münzen wie den Krügerrand kaufen. Gold­medaillen und Gold­schmuck eignen sich nicht für Anla­gezwecke, da es für sie keine verläss­lichen Markt­preise gibt.

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