Gold Special

Bei Anlegern ist Gold gefragt wie nie zuvor. Doch wo lassen sich Barren und Münzen günstig kaufen? Wir geben einen Überblick.

Langsam wird es unheimlich. Der Goldpreis stieg allein im August um fast 12 Prozent. Nachdem die Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft wurde und etwas später die Kurse an den Börsen weltweit fielen, erreichte der Goldpreis einen neuen historischen Höchststand.

Am 23. August kostete eine Unze Gold (31,1 Gramm) 1 912 Dollar, so viel wie nie zuvor. Keine 48 Stunden später fiel der Goldpreis jedoch wieder um rund 200 Dollar. Trotz dieses jüngsten Preissturzes ist die Wertentwicklung beeindruckend. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Goldpreis mehr als verdreifacht.

Anleger lassen sich durch den hohen Preis keineswegs abschrecken. Edelmetallhändler verzeichnen seit Monaten Rekordbestellungen: Die Reisebank, die zur Finanzgruppe der Volks- und Raiffeisenbanken gehört, spricht von Lieferengpässen beim Krügerrand. Und die Hersteller von Goldbarren, wie beispielsweise Heraeus, müssen Extraschichten einlegen, um die hohe Nachfrage zu stillen.

Der Goldpreis gilt allgemein als Krisenindikator: Je mehr sich Anleger um die Entwicklung der Wirtschaft und die Sicherheit ihres Geldes sorgen, desto höher steigt er (mehr zur Preisentwicklung unter www.test.de/goldpreisentwicklung).

Sicher oder spekulativ?

Gold Special

Entwicklung: Der Goldpreis in US-Dollar von 2008 bis 2011.

Entwicklung: Der Goldpreis in US-Dollar von 2008 bis 2011.

Gold hat einen Ruf als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Tatsächlich hat das Edelmetall den Vorteil, dass es seinen Wert nie vollständig verlieren wird. Diese Gewissheit gibt Anlegern ein gutes Gefühl, die daran zweifeln, dass die USA und Europa die Schuldenkrise in den Griff bekommen. Sie kaufen Gold nicht als Geldanlage, die eine hohe Rendite abwerfen soll, sondern als Risikoschutz. Sollte ihr Geld durch Inflation an Wert verlieren, bleibt Gold stabil.

Trotzdem ist Gold eine spekulative Anlage. Denn Käufer haben keine Garantie, mindestens ihr eingezahltes Geld wiederzusehen. Mit Gold wetten sie auf eine Preisentwicklung der Zukunft. Auch wenn es in jüngster Zeit anders war – der Goldpreis kann jederzeit wieder fallen, und das auch für längere Zeit.

Käufer müssen neben diesem Preisrisiko noch mit einer weiteren Unsicherheit leben. Gold wird in Dollar gehandelt. Sie gehen auch noch ein Wechselkursrisiko ein. Der Euro kann gegenüber dem Dollar an Wert verlieren. Finanztest empfiehlt Rohstoffe wie Gold daher nur als Beimischung für große Vermögen. Mehr als 10 Prozent sind nicht sinnvoll.

Über den Handel mit Goldbarren und Münzen wacht anders als etwa bei Wertpapierhandel oder bei Versicherungen keine Finanzaufsicht. Es gibt auch keine gesetzlichen Anforderungen an die Verkäufer und deren Beratungsqualität. Wer Gold kaufen will, sollte sich daher entweder an einen Goldhändler oder eine Bank wenden (siehe Tabelle). Gold an jedermann verkaufen die Degussa Bank und die Reisebank sowie Edelmetallhändler wie etwa Pro Aurum.

Die Sparkassen und Volksbanken handeln auch mit Barren und Münzen. Sie haben aber keine deutschlandweit einheitlichen Preise und kommen deswegen nicht in der Tabelle vor.

Längst nicht alle Banken verkaufen jedoch Goldbarren und -münzen. Nicht dabei sind beispielsweise die Targobank und die Santander Consumer Bank. Die Commerzbank, Deutsche Bank und Postbank handeln nur mit ihren Kunden.

Barren oder Münzen?

Anleger haben beim Goldkauf die Auswahl zwischen Münzen und Barren. Für Einsteiger ist der Barren das einfachere Produkt. Er braucht kein Insiderwissen über Münzen, deren Herkunft und Verbreitung. Beim Kauf eines Barren muss er lediglich auf den richtigen Feingoldgehalt, den Hersteller, das Gewicht und den Preis achten.

Anleger sollten nur Barren mit einem Feingoldgehalt von 999,9, also von 99,99 Prozent kaufen. Sonst haben sie Schwierigkeiten, das Gold wieder zu verkaufen.

Die Reisebank oder Pro Aurum nehmen zwar auch Barren mit einem anderem Reinheitsgrad zurück. Sie kaufen sie aber nur mit einem Abschlag, weil diese Barren nicht direkt weiterverkauft werden können. Sie müssen eingeschmolzen werden.

Andere Banken sind noch strenger. Sie schauen nicht nur nach dem Goldgehalt. Die Degussa, Commerzbank und Deutsche Bank kaufen Anlegern nur Barren von Herstellern ab, die vom London Bullion Market Association (LBMA) zertifiziert wurden. Hierzu gehören zum Beispiel Heraeus oder Umicore.

Das Zertifikat garantiert die aufgeprägten oder eingestanzten Merkmale wie Feinheit und Gewicht.

Kleine Barren, große Kosten

Gold Special

Unterschiede zwischen Verkauf und Ankauf.

Unterschiede zwischen Verkauf und Ankauf.

Bei Goldkauf fällt ein Aufgeld an, das ist der Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs. Grundsätzlich gilt: Je kleiner das Stück, desto höher ist der prozentuale Preisunterschied. Diese Regel gilt für den Münzkauf gleichermaßen.

Kleinstbarren von ein bis fünf Gramm oder Münzen mit sehr geringem Goldgehalt von 1/20 Unze (1,55 Gramm) oder 1/10 Unze (3,11 Gramm) eigenen sich nicht als Geldanlage. Hier kann der Aufschlag über 25 Prozent betragen. Der Verkaufspreis müsste erst einmal um diese Größe steigen, bevor der Anleger überhaupt in die Gewinnzone rutscht.

Gold Special

Von diesen Goldtafeln lassen sich kleine Stücke abbrechen. Es gibt sie als 50- oder 100-Gramm-Tafel.

Umstritten ist ein noch sehr junges Produkt. Die sogenannte Goldtafel (siehe Foto). Sie sieht aus wie eine kleine dünne Tafel Schokolade und besteht aus fünfzig Ein- Gramm-Plättchen, die von der Tafel abgebrochen werden können.

Die Tafelbarren sind eine Erfindung der ESG Edelmetall-Handel GmbH & Co.KG. Sie lobt an ihrem Produkt vor allem die Flexibilität. Man kann so viel abtrennen, wie man gerade benötigt. Auch im Erbschafts- oder Krisenfall seien die Tafeln optimal teilbar.

Die Kehrseite ist jedoch, dass die Goldtafel deutlich teurer ist als ein 50-Gramm-Barren. Außerdem lassen sich die einzelnen Ein-Gramm-Stücke schwer wieder verkaufen. Manche Ankäufer wie Degussa Bank oder Deutsche Bank akzeptieren die Tafel weder als Ganzes noch die einzelnen Ein-Gramm-Stücke.

Krügerrand bei ebay

Eine gute Anlagemünze sollte einen hohen Reinheitsgrad besitzen und weltweit bekannt und akzeptiert sein. Der Krügerrand gehört zu den beliebtesten und bekanntesten Anlagemünzen der Welt. Über 60 Millionen Exemplare dieser Münze sollen im Umlauf sein. Es gibt ihn in unterschiedlichen Größen von 1/10 Unze bis zu einer Unze.

Aber Vorsicht. Bei ebay oder bei Homeshopping-Sendern werden auch Krügerrandmünzen verkauft, die dem Original sehr ähnlich sehen. Diese Namensvettern erkennt man daran, dass sie nicht aus Südafrika stammen – wie das Original –, sondern beispielsweise aus Liberia oder Malawi. Oft tragen sie den Zusatz „international coins“.

Auch der Reinheitsgehalt dieser Münzen unterscheidet sich vom Original. Der echte Krügerrand besteht aus 916er Gold. Der Rest ist vor allem Kupfer. Die Coins haben aber einen viel geringeren Feinheitsgrad von etwa 333er oder 585er Gold.

Wer Münzen zur Geldanlage kaufen will, sollte keine Sammlermünzen erwerben. Sie sind etwas für Kenner, denn ihr Preis wird über den reinen Materialwert hinaus auch von Seltenheit oder Art der Prägung beeinflusst. Der Wert einer Anlagemünze orientiert sich hingegen vor allem am Materialwert. Hier zählt das Gold im Gold.

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