Göttinger Gruppe Meldung

Viele Anleger der Göttinger Gruppe haben Angst um ihr Geld. Finanztest sagt Ihnen, was Sie tun können.

Bei den Unternehmen der Göttinger Gruppe (GG) liegt vieles im Argen. Die einst teuer von Anlegern eingekauften Aktien der Securenta AG wurden im Mai im Telefonhandel nur noch mit schlappen 1,62 Mark notiert.

Schlechte Gewinnaussichten haben auch Anleger, die sich als atypisch stille Gesellschafter an der Fußballmarketing- und Investitions-AG (seit Juli '99 GmbH & Co. KGaA) bei Tennis Borussia Berlin beteiligt haben. Denn anders als von Erwin Zacharias, Jürgen Rinnewitz & Co. prognostiziert, steigt die mit viel Anlegergeld unterstützte Mannschaft von Tennis Borussia Berlin nicht in die erste Fußballbundesliga auf.

Auch Zehntausende Anleger, die ihr Geld in riskante als Altersvorsorge beworbene Beteiligungsverträge bei Unternehmen der GG eingezahlt haben, fürchten um ihre Ersparnisse.

Wolfgang Arteopoeus, Präsident des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen in Berlin, beklagte sich sogar beim niedersächsischen Justizminister über die schleppenden Ermittlungen der Braunschweiger Staatsanwaltschaft und forderte, Beamte des Bundeskriminalamtes hinzuziehen. "Solange dies nicht geschieht, fällt die Gefahr der weiteren Schädigung großer Anlegerkreise, die laufend weiter Einzahlungen leisten, in den Verantwortungsbereich der niedersächsischen Justiz."

Rechtsanwalt Gerd Machunsky aus Göttingen, der zahlreiche Anleger der Göttinger Gruppe vertritt, beantwortet die häufigsten Fragen der Finanztest-Leser.

Frage:

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs. Wie wirken sich die Ermittlungen auf meine mit der GG abgeschlossenen Verträge aus?

Antwort:

Die Ermittlungen haben keinen unmittelbaren Einfluss auf die abgeschlossenen Verträge. Nur wenn die Staatsanwaltschaft Unregelmäßigkeiten feststellen sollte, besteht die Gefahr, dass das Unternehmen zusammenbricht.

Frage:

Was passiert, wenn ich meine monatlichen Raten nicht mehr zahle?

Antwort:

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Bisher hat die GG Ratenzahlungsansprüche und Stornoforderungen nicht gerichtlich geltend gemacht.

Frage:

Wie kann ich die GG zwingen, mir mein eingezahltes Geld zurückzuerstatten?

Antwort:

Klären Sie mit Hilfe eines erfahrenen Anwalts, ob und in welchem Umfang gezahlte Einlagen zurückgefordert werden können. In der Vergangenheit konnten einige Anleger über eine außergerichtliche Lösung wenigstens einen Teil ihres Geldes zurückbekommen.

Frage:

Übernimmt meine Rechtsschutzversicherung Anwalts- und Prozesskosten, wenn ich auf Rückzahlung meiner Ersparnisse klagen will?

Antwort:

Meist ja, wenn die Versicherung bereits vor Vertragsabschluss mit der Göttinger Gruppe bestand und Vertragsrechtsschutz enthalten ist.

Frage:

Ist es hilfreich, Strafanzeige gegen die Verantwortlichen der Göttinger Gruppe zu erstatten?

Antwort:

Nein, die Behörden ermitteln ohnehin und die Strafanzeige hilft nicht dabei, die gezahlten Einlagen zurückzubekommen.

Frage:

Die GG behauptet, dass sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen für meinen Persönlichen Sachwert-Plan und meine SecuRente-Anlage geändert haben und dass deshalb eine ratenweise Auszahlung meines Vertrages nicht mehr möglich ist. Ich soll mich damit einverstanden erklären, dass mir mein Geld bei Vertragsende in einer Summe ausgezahlt wird. Soll ich die Zustimmung erteilen?

Antwort:

Es hat in der Tat 1998 eine Änderung im Kreditwesengesetz gegeben. Die Zustimmungserklärung sollten Sie nicht geben, wenn für Sie sichere monatliche Raten(Renten)-Zahlungen wie im "individuellen Sparplan" ausgewiesen wichtig sind. Nach meiner Rechtsauffassung können Sie Ihre Verträge dann kündigen und mit dem Wegfall der Geschäftsgrundlage oder der Nichtigkeit der Verträge argumentieren. ­ Die GG bestreitet diese Möglichkeit. Sie werden also einen Anwalt brauchen.

Frage:

Mein Vertrag ist abgelaufen. Trotzdem zahlt die GG mir mein Guthaben nicht aus. Was soll ich tun?

Antwort:

Nach den Vertragsbedingungungen erfolgt die Auszahlung spätestens ein Jahr nach Vertragsende, wobei auf die wirtschaftliche Lage (Liquidität) des Unternehmens Rücksicht zu nehmen ist. Wer länger vertröstet wird, sollte anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Frage:

Kann ich meinen Vermittler haftbar machen?

Antwort:

Das hängt vom Einzelfall ab. Nach Ansicht etlicher Gerichte sind Vermittler verpflichtet, Anleger vor Vertragsabschluss unter anderem über negative Presseberichte zu informieren. Unterbleibt dies, können sich für den Anleger Schadenersatzansprüche ergeben. Finanztest hat bereits 1994 erstmals gewarnt. Die Verbraucherzentrale Berlin führte die Göttinger Gruppe jahrelang auf ihrer Warnliste, die in vielen Zeitungen veröffentlicht wurde.

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