Die Göttinger Gruppe, vor der Finanztest bereits vor über zehn Jahren warnte, ist offenbar endgültig am Ende. Das Amtsgericht Göttingen hat gegen zahlreiche Mitarbeiter des Unternehmens Haftbefehle erlassen. Grund: Der zuständige Gerichtsvollzieher hatte vergeblich versucht, Rückzahlungsforderungen von Anlegern zu vollstrecken. Als die Göttinger Gruppe-Manager mehrere Termine zur Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung platzen ließen, beantragte er den Erlass von Haftbefehlen nach der Zivilprozessordnung. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft in Braunschweig wegen Insolvenzverschleppung gegen führende Manager.

[Update: 08.06.2007] Das Amtsgericht Göttingen hat heute ein Insolvenzverfahren eingeleitet. Das Gericht hat den Hamburger Notar Peter Knöpfel zum vorläufigen Verwalter bestellt.

[Update: 11.06.2007] Inzwischen wurde bekannt: Auch die Securenta AG selbst hat die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Details dazu am Ende der Meldung.

[Update: 20.06.2007] Das Amtsgericht Göttingen hat das Insolvenzverfahren eröffnet. Details dazu am Ende der Meldung.

100 000 Anleger betroffen

Nach Schätzungen von Verbraucherschützern sind rund 100 000 Anleger betroffen. Die Göttinger Gruppe und vor allem die Securenta AG hatten ihnen als Altersvorsorge Unternehmensbeteiligungen verkauft. Statt einer sicheren Rendite zur verlässlichen Altersvorsorge bekamen sie riskante Beteiligungen an Unternehmen, die oft zu hohen Verlusten führten. Zahlreiche Verbraucher fühlten sich betrogen und forderten ihr Geld zurück. Oft mit Erfolg: In zahlreichen Fällen verurteilten die Gerichte die Unternehmen der Göttinger Gruppe, Anlegern ihr Geld zurückzuzahlen.

Bis zum Herbst noch Zahlungen

Das brachte die Unternehmen in Schwierigkeiten. Bereits im vergangenen Jahr berichteten Anwälte immer wieder über ausbleibende Zahlungen. Die Volksbank Göttingen kündigte ein Geschäftskonto der Securenta AG, nachdem zahlreiche Gläubiger versucht hatten, etwaiges Guthaben dort zu pfänden. Immerhin: Wenn ein Termin zur Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung drohte, hatten die Unternehmen der Göttinger Gruppe zumindest bis vergangenen Herbst immer noch gezahlt. Zum November verkaufte die Göttinger Gruppe die Gutingia Lebensversicherung AG an den Versicherungskonzern Fortis AG. Die Höhe des Kaufpreises ist unbekannt geblieben.

Betroffene im Unklaren

Ob Betroffene wenigstens einen Teil ihres Geld noch zurückbekommen, ist unklar. Wenn noch genug Vermögen vorhanden ist, kann im Insolvenzverfahren alles verwertet und der Erlös zwischen den Gläubigern aufgeteilt werden. Allerdings: Mehr als fünf oder zehn Prozent der Forderungsbeträge kommt dabei selten heraus.

[Update: 11.06.2007] Die Securenta AG residiert inzwischen in einer Villa in Berlin. Noch kurz vor der Insolvenz verlegte das Unternehmen seinen Sitz von Göttingen in den noblen Berliner Stadtteil Dahlem. Eine der ersten Handlungen: ein Antrag auf Insolvenz beim Amtsgericht Charlottenburg. Dieses bestellte Rolf Rattunde aus der Kanzlei Leonhardt und Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter, obwohl auch das Amtsgericht Göttingen bereits einen Insolvenzverwalter eingesetzt und diese Entscheidung bundesweit bekannt gemacht hatte. Der in Göttingen nominierte Insolvenzverwalter Peter Knöpfel liegt bisher vorne. Er war bereits in Berlin und hat dort die Herausgabe sämtlicher Geschäftsunterlagen erzwungen.

[Update: 20.06.2007] Inzwischen steht fest: Der Umzug war ein taktisches Manöver. Das Amtsgericht Göttingen hat das Insolvenzverfahren eröffnet. Beim Antrag in Berlin handele es sich um den Versuch einer Zuständigkeitserschleichung.

Berichte zur Göttinger Gruppe:
14.09.2006: Verkauf der Lebensversicherungssparte
25.08.2006:Göttinger Gruppe offenbar in Schwierigkeiten
Finanztest 5/2005: Anleger siegt vor Bundesgerichtshof

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