Göttinger Gruppe Meldung

Ein Finanzvermittler der Göttinger Gruppe (GG) hat dem 91-jährigen Martin N.* eine riskante "steuersparende Renditebeteiligung" mit einer Laufzeit von 10 Jahren angedreht. Eine solche Beteiligung rentiert aber überhaupt nur, wenn sie bis zum Ende durchgehalten wird. Doch 101 Jahre ist Martin N. nicht geworden. Er starb knapp drei Jahre nach Vertragsschluss. Bis dahin hatte er rund 70.000 Mark eingezahlt und monatlich zirka 500 Mark "Rente" erhalten, insgesamt 18.000 Mark.

Das Geschäft hatte der Vermittler bei einem Fest in Bad Buchau, nahe dem Altenheim, angebahnt. Grundsätzlich ­ so sagt die Göttinger Gruppe ­ schließen ihre Vermittler keine Verträge mit älteren Menschen. Der Vertrag mit Martin N. sei nur auf dessen ausdrücklichen, schriftlich verfügten Wunsch zustande gekommen.

Eine handschriftliche Erklärung, die offenbar vom Vermittler geschrieben und von Martin N. unterzeichnet wurde, gibt es tatsächlich. Darin bestätigt der alte Mann, dass ihm die monatlichen Ausschüttungen besonders wichtig seien. Nicht klar war ihm offenbar, dass ihm die Gesellschaft damit eine Art Kredit gab. Dabei hoffte sie, dass dieser Kredit später durch Gewinne aus seiner "steuersparenden Renditebeteiligung" getilgt wird. Der Anleger hat also trotz Zahlung von 70.000 Mark erst einmal Schulden, die er für den Fall, dass die Gesellschaft nicht floriert, abzahlen muss.

Die Erben können jetzt die riskante Anlage weiterlaufen lassen. Oder sie nehmen die durch einen frühen Ausstieg aus dem Vertrag entstehenden Verluste von mehreren Tausend Mark einfach hin.

Die Erben von Martin N. könnten aber auch zum Anwalt gehen und eine Rückabwicklung des ganzen Vertrags wegen Verletzung der vorvertraglichen Aufklärungspflichten fordern.

* Name von der Redaktion geändert.

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