Glühwein und Kinderpunsch Test

Warme Tasse hilft frostigen Fingern

Von 25 Glühweinen im Test waren die meisten in Ordnung. Schlecht für Kinder: An den alkoholfreien Punschgetränken gab es Einiges auszusetzen.

Kurz, aber intensiv ist die Saison des Glühweins. Mit den Aromen von Zimt und Nelke ist er Bestandteil vorweihnachtlicher Trinkkultur und wird hauptsächlich im November und Dezember genossen. Das alte Rezept, Rotwein mit Zucker und Gewürzen zu erhitzen, ist durch fertige Glühweinmixturen im vergangenen Jahrzehnt fast schon in Verges­senheit geraten. Von diesem Fertigwürz­wein trinkt jeder erwachsene Deutsche etwa einen halben Liter im Winter. Je eisiger das Wetter, desto besser das Geschäft mit dem Glühwein. Das meiste wird nicht zu Hause aufgewärmt, sondern fließt auf Weihnachtsmärkten oder beim Schlittschuhlaufen in Gläser und Becher.

Uns interessierte die Qualität des Glühweins. Deswegen haben wir 25 Produkte untersucht und von Wein-Experten in Geruch und Geschmack beschreiben lassen. Weil es unter Kindern inzwischen beliebt ist, alkoholfreien Punsch zu trinken, kam der gleich mit unter die Lupe.

Kein Fusel, kein Brummschädel

Glühwein und Kinderpunsch Test

Gedränge um den heißen Sud: Glühwein sorgt für Weihnachtsgefühle

Viele Weinkenner halten den Fertigglühwein für „billigen Fusel“. Der Verdacht liegt nahe: Ein Großteil der Testprodukte kostet nur etwa einen Euro je Liter. Und meistens handelt es sich beim Grundwein um preisgünstige Ware aus Italien, Spanien, Marokko und Zypern. Bei der Weiterverarbeitung zu Glühwein dürfen Zucker und Gewürze Fehltöne übertünchen.

Doch unser Testergebnis entlastet die Fertigglühweine vom Vorwurf der Brummschädelei: Fast alle Produkte bekamen ein „Gut“ im Prüfpunkt Fuselöle. Diese entstehen immer als Nebenprodukt der Alkoholgärung und können in großen Mengen in minderwertigem Wein vorkommen. Der Körper baut Fuselöle zu Giftstoffen ab. Kopfschmerzen, Übelkeit und Müdigkeit sind die Folgen.

Einen Glühweinkater dürfte von unseren Testprodukten nur bekommen, wer zu viel davon bechert. Das passiert schnell, denn die Glühweine schmecken oft harmlos süß. Kein Wunder: Zucker und andere Süßungsmittel dürfen Hersteller nach Herzenslust zugeben.

Dabei sind die Alkoholgehalte hoch. Die unserer Glühweine pendeln zwischen 8,8 und 13,1 Prozent und liegen damit deutlich über dem Mindestgehalt von 7 Prozent. Für viel Alkohol sorgen oft Cabernet-Trauben. Die sind tiefrot und haben ordentlich Zucker. Je süßer die Früchte, desto mehr Alkohol entsteht. Manch guter Vorsatz gerät ins Wanken, weil der Alkohol schneller als erwartet zu Kopf steigt. Das passiert, weil Mund- und Magenschleimhaut den gezuckerten Alkohol sehr schnell aufnehmen. Gemeinsam treiben Alkohol und Zucker auch den Brennwert hoch. Ein 0,2-Liter-Becher Glühwein hat im Schnitt 180 Kilokalorien.

Doch sollte man deswegen nicht gleich beim Essen kürzertreten. Ernährungsexperten raten, vor dem Glühweintrinken gut zu speisen und zwischendurch Wasser zu trinken. Ob heiße Alkoholika am nächsten Morgen einen böseren Kater hinterlassen als kalte, ist ungewiss. Das hängt von der persönlichen Konstitution, Menge und Alkoholgewöhnung ab.

Eins aber ist sicher: Das Gefühl, Glühwein könne kalte Füße und Nasen wieder warm machen, ist trügerisch. Bei frostigen Temperaturen erweitert Alkohol die Blutgefäße, sodass mehr Blut an die Hautoberfläche gelangt. Aber die wohlige Wärme ist nur auf Stippvisite. Wenn der Körper rasch so viel Energie spendiert, kommt er auch schnell ins Defizit. Dann friert man stärker als zuvor.

Nachlässigkeiten auf den Etiketten

Im hektischen Glühweingeschäft scheint manchmal das Etikett vernachlässigt zu werden. In sechs Produkten fanden wir den Konservierungsstoff Sorbinsäure (E200), obwohl nichts davon deklariert war. Sorbinsäure wirkt gegen Hefen, Schimmelpilze, teilweise auch gegen Bakterien. Beim Wein kommt der Konservierungsstoff oft zum Einsatz, um ein Nachgären zu verhindern. Sorbinsäure gilt als unbedenklich. Sie sollte aber angegeben sein, da einige Menschen sie nicht vertragen.

Durch einen Fehler auf dem Etikett ist auch der spanische Bio-Glühwein der Firma Voelkel aufgefallen: Er hat deutlich weniger Alkohol als deklariert.

Schimmelpilzgift im Kinderpunsch

Der alkoholfreie Punsch ist oft für Kinder ausgelobt. Überraschenderweise haben diese Mixturen in unserem Test gravierendere Probleme als der Glühwein. Beim Sternthaler Glühpunsch ist im Traubensaftanteil die gesetzliche Höchstmenge für das Schimmelpilzgift Ochratoxin A überschritten. Der Punsch hätte gar nicht auf den Markt kommen dürfen. Ochratoxin A kann die Nieren und das Immunsystem schädigen und zeigt im Tierversuch krebserzeugende Wirkung. Das Gift ist natürlichen Ursprungs und gelangt oft über schimmelige Trauben in den Saft.

Zu viel Cumarin in billigem Zimt

Im Kinderpunsch fanden wir öfter etwas vom kritischen Zimtaromastoff Cumarin. Am meisten enthielt Gerstacker Christkindles Kinder Punsch. Cumarin kann, in großen Mengen und regelmäßig genossen, Leberschäden verursachen und steht zudem noch in Verdacht, Krebs auszulösen. Cumarin ist aber nicht notwendig, damit Zimt nach Zimt schmeckt. So ist im guten und teuren Ceylon-Zimt der natürliche Cumarinanteil ja kaum aufzuspüren. Genauso wenig wie im Zimtöl für das Lebensmittelgewerbe.

Viel Cumarin steckt vor allem in billigem Cassia-Zimt. Dort liegt der Cumaringehalt laut einem Bericht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) oft um ein Vielfaches über dem 1988 auf EU-Ebene beschlossenen Grenzwert. Zwar unterschreitet der Cumaringehalt von Gerstacker Christkindles Kinder Punsch die gesetzliche Höchstmenge. Doch wenn ein 16 Kilo schweres Kind mehr als 2 Liter davon tränke, hätte es seine täglich duldbare Cumarinmenge ausge­schöpft. Eine unwahrscheinliche Rechnung? Das Kind könnte auch nur einen halben Liter von dem Punsch trinken und dazu noch cumarinbelastete Zimtsterne knabbern – schnell hätte es mehr Cumarin im Körper als zuträglich. Bei Lebensmitteln muss auch nicht deklariert werden, ob mit Cassia- oder Ceylon-Zimt gewürzt wurde. Als Gewürz finden Sie Ceylon-Zimt, gemahlen oder als Rinde, im Gewürzhandel, in Reformhäusern, Bioläden, Apotheken.

Punsch braucht besonderen Anlass

Süßer Getränke nie schmecken: Ein Glas alkoholfreier Punsch enthält mehr Zucker als viele Colagetränke oder Fruchtsäfte. Schon deswegen sollten diese Getränke eine Ausnahme bleiben. Besorgte Eltern fürchten zudem, dass der Punsch das Interesse an Glühwein und damit an Alkohol wecken könne. Jugendschützer geben weitgehend Entwarnung. Als kritisch gelten nur bestimmte Trinkgewohnheiten. Bringen sich die Eltern allabendlich mit Glühwein in Stimmung, könnten Kinder daraus ein bedenkliches Vorbild ziehen.

Zu besonderen Anlässen aber dürfen Kindergetränke ruhig heiß sein und nach Apfel, Zimt und Mandelkern schmecken.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2673 Nutzer finden das hilfreich.