Gläserner Steuerzahler Special

Beim Bundes­zentral­amt für Steuern in Bonn werden die Daten gesammelt.

Löhne, Renten, Beiträge – vieles erfährt das Finanz­amt auto­matisch. Da Fehler passieren, sollte jeder seinen Steuer­bescheid prüfen und etwaige Unstimmig­keiten in den elektronischen Steuer­daten lieber melden.

Das Finanz­amt weiß fast alles

Arbeit­geber melden die Lohn­daten ihrer Mitarbeiter, Renten­versicherer über­mitteln Auszahlungen und Krankenkassen – nach Einwilligung des Versicherten – die geleisteten Beiträge. Banken und Fonds­gesell­schaften müssen der Behörde steuer­pflichtige Erträge ihrer Kunden mitteilen. Das alles läuft zumeist voll­automatisch, ohne dass ein Steuerzahler davon etwas mitbekommt. Sogar von der Heirat erfährt das Finanz­amt ohne eigenes Zutun und teilt das Paar umge­hend in die Steuerklasse IV ein – nicht für alle ist das die optimale Wahl.

Den Daten nicht blind vertrauen

Problematisch werden diese zunächst unsicht­baren Daten­ströme, wenn etwas dabei schief­geht. Sei es, weil ein Sach­bearbeiter Zahlen falsch abtippt oder ein tech­nischer Fehler passiert. So kann schon mal das Krankengeld ins falsche Bezugs­jahr rutschen oder der Zusatz­beitrag für die Krankenkasse fehlen. Im Juli 2015 bekamen Tausende Arbeitnehmer wegen eines Fehlers in der Daten­bank zu viel Lohn­steuer abge­zogen. Deshalb warnt Steuer­experte Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohn­steuer­hilfe­ver­eine (NVL) davor, den Daten blind zu vertrauen.

Alle Daten lassen sich prüfen

Der Steuerzahler ist der Auto­matisierung aber nicht hilf­los ausgeliefert. Über das Service­portal der Finanz­verwaltung im Internet (Elsteronline.de) können registrierte Nutzer seit 2014 die über sie gemeldeten Daten sehen und – wenn sie möchten – in ihre elektronische Steuererklärung über­tragen. Rund 20 Millionen Steuerzahler nutzen inzwischen diese Möglich­keit. Bis spätestens Ende Februar eines Jahres sollten die Daten des abge­laufenen Steuer­jahres dem Finanz­amt elektronisch vorliegen.

Belege helfen beim Abgleich

Diese Daten im Onlineportal sollten registrierte Nutzer dann unbe­dingt prüfen (Special Vorausgefüllte Online-Steuererklärung, Finanztest 3/2016). Das geht am besten mit Belegen, etwa der Lohn­steuer­bescheinigung vom Arbeit­geber oder der Leistungs­mitteilung vom Riester-Anbieter. Sie verraten, wie viel der Zahler eigentlich abführen sollte (Grafik Wer was ans Finanzamt meldet). Liegt der Steuer­bescheid dann später im Brief­kasten, helfen die Belege auch beim Daten­abgleich. Ist der Bescheid fehler­haft, lässt er sich vergleichs­weise einfach korrigieren (Fehler im Steuerbescheid korrigieren).

Kein Bank­geheimnis für Anleger

Auch in Sachen Geld­anlage fließen auto­matisch Daten zum Finanz­amt. Banken, Bausparkassen und Fonds­gesell­schaften sind verpflichtet, jeweils bis Ende Februar dem Bundes­zentral­amt für Steuern (BZSt) zu melden, welche inländischen Erträge einem Kunden im Vorjahr aufgrund von Frei­stellungs­aufträgen steuerfrei zugeflossen sind. Über­steigt deren Summe den Sparerpausch­betrag, informiert das BZSt das Finanz­amt. Dieses fordert den Steuerzahler dann auf, eine Anlage KAP abzu­geben und sämtliche Kapital­erträge zu deklarieren.

Ohne Frei­stellungs­auftrag wird Abgeltungs­steuer auto­matisch abge­zogen

Hintergrund: Bis zur Höhe des Sparerpausch­betrages bleiben Zinsen, Dividenden sowie Veräußerungs­gewinne bei Wert­papieren steuerfrei. Erst wer die Grenze von 801 Euro (Ehepaare: 1 602 Euro) im Jahr über­schreitet, zahlt auf darüber hinaus anfallende Erträge 25 Prozent Abgeltung­steuer. Hat der Kunde seiner Bank, Bausparkasse oder Fonds­gesell­schaft keinen Frei­stellungs­auftrag erteilt, zieht diese die Steuer auto­matisch ab dem ersten Euro Gewinn ab. Diesen Steuer­abzug verhindert der Kunde mit seinem Frei­stellungs­auftrag. Wer mehrere Geld­anlagen hat, kann mehrere Aufträge erteilen und seinen Sparerpausch­betrag darauf verteilen.

Auch von steuerfreien Kapital­erträgen erfährt das Finanz­amt

Ist einer von mehreren Frei­stellungs­aufträgen allerdings zu knapp bemessen, führt die Bank auf weitere Gewinne Steuern ab. Der Anleger kann sich dieses Geld mit der Steuererklärung über die Anlage KAP zurück­holen – aber nur, wenn seine Kapital­erträge insgesamt nicht über dem Pausch­betrag lagen.

Übrigens: Auch von Kapital­erträgen, die Anleger aufgrund einer Nicht­ver­anlagungs­bescheinigung steuerfrei einfahren, erfährt das BZSt auto­matisch. Diese Bescheinigung kann jeder beantragen, dessen Einkünfte im laufenden Steuer­jahr den Grund­frei­betrag von 8 652 Euro (Ehepaare: 17 304 Euro) für 2016 nicht über­steigen.

Zeit für den Einspruch

„Grund­sätzlich ist das Finanz­amt verpflichtet, Abweichungen zwischen auto­matisch gemeldeten Daten und Steuererklärung aufzuklären“, sagt NVL-Experte Rauhöft. „In der Praxis über­nimmt jedoch der Sach­bearbeiter oft einfach die gemeldeten Daten.“ Wer mit seinem Bescheid nicht einverstanden ist, kann dagegen inner­halb eines Monats nach Erhalt Einspruch einlegen. Oft haben Steuerzahler sogar bis zu vier Jahren Zeit, den Bescheid korrigieren zu lassen – etwa wenn sie beim Steuer­programm einen Tipp­fehler gemacht haben. Laut Bundes­finanzhof muss das Finanz­amt bloße Eingabefehler auch noch nach der Einspruchs­frist anerkennen (Az. IX R 18/14). Nach Ablauf der vier Jahre ist der Bescheid rechts­kräftig. Dann geht nichts mehr – auch nicht bei Fehlern aufgrund elektronischer Daten­über­mitt­lung.

Fehler im Bescheid korrigieren

Finanz­amt und Steuerzahler können Fehler machen. Wer diese korrigieren will, sollte einige Regeln kennen.

Fehler vom Amt. Oft über­nehmen Sach­bearbeiter ungeprüft elektronisch über­mittelte Daten. Führt das zu einer nied­rigeren Steuerlast, weil etwa eine von mehreren Lohn­steuer­bescheinigungen nicht vorlag, müssen Sie gar nichts tun – voraus­gesetzt, Ihre Steuererklärung enthielt die korrekten Angaben. Offen­bare Unrichtig­keiten wie Zahlendreher und Rechen­fehler bean­standen Sie mit einem Antrag auf Berichtigung inner­halb von vier Jahren. Gegen gestrichene Ausgaben und unklare Abweichungen legen Sie inner­halb eines Monats Einspruch ein.

Fehler vom Steuerzahler. Haben Sie selbst Angaben vergessen, können Sie diese inner­halb der Fest­setzungs­frist (vier Jahre) schriftlich berichtigen. Eine Selbst­anzeige ist nur bei grob fahr­lässigen und vorsätzlichen Fehlern nötig – und sollte nur nach professioneller Beratung erfolgen!

Dieser Artikel ist hilfreich. 12 Nutzer finden das hilfreich.