Gläser und Besteck im Geschirrspüler Test

Zu einem gut gedeckten Tisch gehören blitzende Gläser und blankes Essbesteck. Doch die Pracht ist schnell dahin, wenn sie das Bad im Geschirrspüler übel nimmt. Der Test zeigt: Nicht alles, was als spülmaschinenfest verkauft wird, ist es tatsächlich.

Jeder, der einen Geschirrspüler benutzt, kennt den Ärger: Die vormals glänzenden Bier- und Weingläser kommen blind, milchig-trüb oder voller Kratzer aus der Maschine, das schöne Edelstahlbesteck zeigt plötzlich Rostflecken oder die Griffe aus Kunststoff werden von Mal zu Mal blasser. Bei Billigware für den täglichen Gebrauch mag man das noch zähneknirschend hinnehmen und irgendwann für Ersatz sorgen. Tragen die teuren Teile wohlklingende Namen und wurden womöglich als spülmaschinenfest ange­priesen, ist die Enttäuschung riesengroß. War die Maschine Schuld? Oder der Reiniger? Oder ist alles nur schöner Schein trotz des hohen Preises und der Kennzeichnung „spülmaschinenfest“?

Alles kann Schuld sein. Das zeigen unsere regelmäßigen Tests von Geschirrspülmaschinen und Reinigern. Selbst pures Wasser befördert auf Dauer Unregelmäßigkeiten im Glas ans Tageslicht. Große Temperaturschwankungen und ein ständiger Wechsel zwischen feuchter und trockener Umgebung begünstigen das noch. Doch es gibt typische Glas- und Besteckschäden, die eindeutig auf minderwertiges Material zurückzuführen sind.

Von billig bis teuer

Gläser und Besteck im Geschirrspüler Test

Von schwarzen Griffen keine Spur mehr: Oben das No-Name-Besteck aus einem Möbelladen im Neuzustand, rechts nach 500 Spülgängen.

Genau denen wollten wir im Härtetest auf die Spur kommen. Dazu kauften wir 40 Wein- und Bier- oder Longdrinkgläser sowie 9 Bestecksets ein und jagten alles durch die Spülmaschine. Das meiste war als spülmaschinenfest deklariert oder soll es nach Auskunft der Anbieter sein. Dabei waren billige Teile aus Kalknatronglas wie zum Beispiel der Svepa-Becher von Ikea für 25 Cent. Aber auch edle Teile aus Kristall und Bleikristall wie die Sommeliers-Serie von Riedel. Das Wasserglas kostet 38 Euro, das Weinglas sogar 43 Euro. Beim Edelstahlbesteck mit Kunststoffgriffen reichte die Bandbreite vom 24-teiligen namenlosen Produkt für 15 Euro bis zum superteuren WMF Materia II. Je sechs Messer, Gabeln, Suppenlöffel, Teelöffel und Kuchengabeln sind für 750 Euro zu haben.

Alle Trinkgläser und Besteckteile mussten 500 Spülgänge über sich ergehen lassen – immer in der gleichen Haushaltsmaschine, immer mit dem gleichen Reiniger. Aber unter harten Bedingungen im 65- Grad-Programm und bei weichem Wasser, weil das besonders aggressiv ist. Zwischendurch und zum Schluss haben Experten genau protokolliert, ob und welche Schäden die Teile davontrugen.

Mehr Chancen bei Markengläsern

Gläser und Besteck im Geschirrspüler Test

Von wegen spülmaschinenfest: Linienkorrosion auf dem Torino-Weinglas von Villeroy.

Die als spülmaschinenfest propagierten Gläser von Nachtmann, Riedel, Rosenthal, Schott-Zwiesel und WMF glänzten ausnahmslos. Ebenso die zwei Bouquet-Teile von WMF, die nicht entsprechend ausgelobt waren. Bei diesen Markenan­bietern kann sich der Kunde offensichtlich auf die Qualität und auf die Zusagen verlassen. Doch das hat seinen Preis. Sind Kristallgläser oft noch vergleichsweise gün­stig zu bekommen (zum Beispiel Nachtmann Vivendi Longdrink für knapp 3 Euro pro Stück), gibt es anständiges Bleikristall erst ab etwa 8 Euro. Ausnahmen bestätigen wie üblich die Regel. Zwei renommierte Marken zeigten große Schwankungen innerhalb einer Serie: Das Vino Grande Highball-Bierglas von Spiegelau und das Torino Longdrinkglas von Villeroy & Boch waren „sehr gut“, die dazu passenden Weißweingläser aber nur „mangelhaft“ spülmaschinenfest, obwohl beide Anbieter angaben, dass ihre Gläser in den Geschirrspüler dürfen.

Das sagt auch Leonardo. Tatsächlich zeigten sich aber auf allen Kristallgläsern der Bad Driburger Glaskoch-Werke mehr oder weniger starke Schäden. Sehr uneinheitlich verhielten sich auch die Ikea-Produkte. Hier reichte die Palette von „gut“ bis „mangelhaft“. Gerade Firmen, die nicht selbst produzieren, sondern von Zulieferern beziehen, haben wohl Schwierigkeiten, durchgängig Qualität zu bieten. Sehr unterschiedliche Erfahrungen mach­ten wir auch mit den Gläsern von Bohemia, Cristal d'Arques und Luminarc. Allerdings behaupten diese Firmen auch nicht, dass ihre Gläser spülmaschinenfest sind. Findet der Verbraucher weder auf dem Karton noch auf den Beipackzetteln solche Angaben, sollte er die Teile lieber mit der Hand spülen. Oder in Kauf nehmen, dass sie auf Dauer leiden.

Typisch: Linienkorrosion

Gläser und Besteck im Geschirrspüler Test

Die Trübungen am Glasrand entpuppen sich unter dem Mikroskop als löchrige Oberfläche.

Tauchen schneeweiße Kalkbeläge, Wasserflecken, ein schillerndes Farbenspiel, Kratzer oder Risse auf, liegt das meist nicht am Glas. Entweder es war der falsche Reiniger, die Teile wurden schlecht einsortiert oder die Maschine war nicht ordentlich mit Klarspüler beziehungsweise Enthärtersalz versorgt.

Fehler bei der Glasherstellung machen sich durch bleibende Trübungen und Linien bemerkbar. Gab es im Test Schäden, dann fast ausnahmslos als diese typische Linienkorrosion. Sie zeigt sich erst nach etlichen Spülgängen. Das Auge sieht lange Schlieren im Glas. Unter dem Mikroskop erkennt man Erhebungen, die Metalloxide enthalten.

Die Ursache liegt meist schon in der Produktion. Die Glasschmelze wurde nicht gut genug verrührt, sodass sich Aluminium- und Zirkoniumoxide nur schlecht mit den anderen Glaskomponenten vermischen konnten. Das Glas ist dann teilweise nicht homogen, was während des maschinellen Spülens in Form von Schlieren sichtbar wird. Verhindern lässt sich dieser Effekt, wenn der Rohstoff durch Platindüsen gedrückt und vom Platinrührer durchmischt wird. Solche Anlagen sind teuer und lohnen sich kaum für die Produktion von Billigware.

Die milchige Trübung am Kelch des Optimal-Weinglases aus dem Hause Ikea hat einen anderen Grund. Hier hat der Stielansatz durch die thermische Behandlung nachhaltig gelitten. Beim Bad im Geschirrspüler entstehen genau dort kleine Löcher in der Oberfläche, die wir als Trübung sehen.

Nur ein Besteck makellos

Gläser und Besteck im Geschirrspüler Test

Längliche Schlieren sind in der Vergrößerung als Erhebungen zu erkennen.

Schäden an Edelstahlbestecken sind naturgemäß anders. Messer, Gabeln und Löffel der Auerhahn-Ebony-Serie zeigten weder Veränderungen am Kunststoff noch Rost am Stahl: „sehr gut“ für die Spülmaschinenfestigkeit. An den anderen Esswerkzeugen verblasste der Kunststoff mit der Zeit – mal ganz leicht, mal sehr stark. Winzige Rostflecken, typische Korrosion auf einfachem Edelstahl, zierten die Messerschneiden von Ikea Bubblor, etwas größere den Griffbereich von Ikea Sigill. Vorsicht ist also geboten, auch dann, wenn die Bestecke als spülmaschinenfest deklariert sind.

Kein Verlass auf „spülmaschinenfest“

Der Test zeigt: Auf die Angaben ist häufig kein Verlass. Dabei ist der Begriff „spülmaschinenfest“ für Besteck eindeutig definiert. Nach den RAL-Güte- und Prüfbestimmungen des Deutschen Instituts für Gütesicherung und -kennzeichnung in Bonn muss Edelstahlbesteck 1 000 Spülgänge unbeschadet überstehen, damit der Anbieter es als spülmaschinenfest kennzeichnen darf. Für Gläser gibt es bislang nur einen Normenentwurf, in dem von Spülmaschinenbeständigkeit die Rede ist. In Prospekten oder im Internet findet man auch „spülmaschinengeeignet“. Spätestens jetzt weiß der Verbraucher gar nicht mehr, was Sache ist. Industrie und Handel benutzen die drei Begriffe gerade so, wie es ihnen passt – ganz unverbindlich und für den Verbraucher mehr als verwirrend. Rechtes Vertrauen in die Spülmaschinenfestigkeit ihrer Produkte schei­nen manche Hersteller selbst nicht zu haben. So betont Spiegelau auf einem Handzettel, dass seine Gläser „natürlich spülmaschinengeeignet“ sind, schreibt aber davor: „Spülen Sie ihre Gläser immer sehr sorgfältig, am besten mit der Hand.“ Riedel verweist im Internet ebenfalls auf die Spülma­schineneignung, haftet aber „nicht für eventuelle Glastrü­­bung, Oberflächenbe­schädigung und Beläge“. Da bleibt der Kunde mit dem Schaden allein.

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