Giro­konto wechseln Test

Die Werbung klingt viel­versprechend: „Konto­umzug in weniger als 10 Minuten“, „mit wenigen Klicks alles erledigt“ oder „ohne Aufwand wechseln“. So oder ähnlich versuchen viele Banken, Kunden einen Giro­konto­wechsel schmack­haft zu machen. Finanztest hat ausprobiert, wie bequem der Konto­umzug wirk­lich ist – und wie lange er dauert.

Neues Gesetz soll Konto­wechsel vereinfachen

Bisher musste ein Bank­kunde einige Fleiß­arbeit absol­vieren, wenn er das Giro­konto wechseln wollte: Konto­auszüge von mehreren Monaten durch­forsten, Last­schriften, Dauer­aufträge und Geld­eingänge sortieren, die Adressen von Zahlungs­part­nern heraus­suchen und zahlreiche Briefe zur Post bringen. Seit 18. September 2016 sind Banken und Sparkassen durch das Zahlungs­kontengesetz verpflichtet, ihren Kunden einen Service anzu­bieten, der den Giro­konto­wechsel vereinfachen und beschleunigen soll.

Alte und neue Bank müssen nun zusammen­arbeiten

Die bisherige Bank muss eine Über­sicht aller Buchungen der letzten 13 Monate liefern, die künftige soll alle Zahlungs­partner von der neuen Konto­verbindung schriftlich unter­richten. Beide Banken haften für Schäden aus einem fehl­geschlagenen Konto­wechsel, der inner­halb von zwölf Geschäfts­tagen erledigt sein soll – unabhängig davon, ob jemand Online- oder Filial­kunde ist.

DKB, Berliner Sparkasse und Comdirect Bank unter der Lupe

Finanztest hat drei zufäl­lig ausgewählte Banken beim Wort genommen. Wir wollten wissen, ob der Konto­wechsel tatsäch­lich einfacher ist als bisher und wie lange er dauert. Mit drei Test­personen haben wir den digitalen Konto­wechsel­service der DKB, der Berliner Sparkasse und der Comdirect Bank ausprobiert. Digital heißt, dass der Bank­kunde alle Schritte von zu Hause aus erledigen kann. Alle Test­personen hatten bei ihren Filial­banken zuvor ein Konto mit Online­zugang und wollten diesen auch bei der neuen Bank nutzen.

Keine Bank schaffte es in der vorgeschriebenen Zeit

Das Ergebnis war durch­wachsen. Zweimal klappte alles gut. Der dritte Wechsel gelang nur, weil die Test­person ihn selbst in die Hand nahm. Bei keiner der drei Banken war der Konto­umzug in den vorgeschriebenen gut zwei Wochen erledigt. Das hatte verschiedene Gründe: Mal versagte die Technik, mal waren die Test­personen unsicher und mal lag es an den Zahlungs­part­nern.

Giro­konten im Vergleich

Das kostenlose Giro­konto, bei dem alle Buchungen inklusive sind, die Girocard nichts kostet und keine Bedingungen zu erfüllen sind – es wird immer seltener, doch noch gibt es das. In unserem Vergleich von Girokonten finden Sie – regel­mäßig aktualisiert – die Preise von mehr als 200 Konten, darunter etliche Banken, die bundes­weit ein Gratis­konto ohne Bedingungen anbieten. Es müssen nur monatlich Gehalt oder Rente auf das Konto eingehen.

Digi­taler Konto­wechsel­service

Es gibt viele Gründe, sein bisheriges Giro­konto aufzugeben: Es ist zu teuer, bietet für den Preis zu wenig Service, es gibt Ärger mit der Bank oder ein Kunde zieht um. Unsere Test­personen hatten bisher Konten bei der Sparkasse Leipzig, der Förde Sparkasse und der Hypo­ver­eins­bank. Sie suchten sich passendere Angebote – und eröff­neten ein Giro­konto bei der DKB, der Berliner Sparkasse und der Comdirect Bank. Alle drei Banken bieten Neukunden den digitalen Konto­wechsel­service an, sobald das Giro­konto bei ihnen eröffnet ist.

Zahlungs­partner über die neue Bank­verbindung informieren

Dafür mussten sich unsere drei Test­personen zunächst im neuen Konto einloggen, dann den Namen der Bank eingeben, bei der sie bisher ihr Giro­konto hatten, und sich auch mit den Zugangs­daten für das alte Giro­konto anmelden. Bis hierher lief alles glatt. Doch das blieb nicht so. Bei zwei Testern erschien sofort eine Über­sicht aller Buchungen der letzten 13 Monate auf dem Bild­schirm – sortiert nach Last­schriften, Dauer­aufträgen und Geld­eingängen. Diese konnten sie einzeln ankli­cken und entscheiden, ob der Zahlungs­partner über die neue Bank­verbindung informiert werden soll. Das über­nimmt die neue Bank per Brief, also etwa an angeklickte Strom­versorger, Versicherer, Arbeit­geber und Kredit­geber.

Unter­schrift per Smartphone-Display

Nötig ist dafür die Kunden­unter­schrift, die ebenfalls digital erzeugt wird: entweder per Finger auf dem Display seines Smartphones oder mit der Maus am heimischen PC. In beiden Fällen wird der Schrift­zug einge­scannt und für Anschreiben an die Zahlungs­partner genutzt. Das funk­tionierte bei zwei Test­personen problemlos.

Praxis­test mit Hinder­nissen

Den idealen Ablauf eines Konto­wechsels zeigen unsere Grafiken. Wo genau es noch holperte, beschreiben wir im Folgenden.

1. Problem Last­schrift. In der Buchungs­liste tauchen nicht nur die regel­mäßigen Abbuchungen von Versicherern, Strom­anbietern, Vereinen oder Kredit­gebern auf – sondern auch Last­schriften von Lebens­mittel­märkten, Bekleidungs­firmen oder Onlineversendern. Doch vom neuen Konto müssen nur diejenigen Zahlungs­partner erfahren, die regel­mäßig Geld bekommen. Einmalige Zahlungen – zum Beispiel mit Girocard und Unter­schrift in einem Geschäft veranlasst – kann der Bank­kunde hier ignorieren.

2. Problem Adressen. Teil­weise fehlen in der Buchungs­liste noch Adressen von Zahlungs­part­nern. Die im Internet zu suchen, ist mühsam. Schneller geht es, wenn der Kunde vor dem Konto­wechsel die Verträge der wichtigsten Zahlungs­partner mit Adresse und Vertrags- oder Kunden­nummer parat legt.

3. Problem Dauer­aufträge. Dauer­aufträge lassen sich nicht einfach auf das neue Konto über­tragen. Hilf­reich ist die Schritt-für-Schritt-Anleitung der neuen Bank: Damit fällt das Löschen von Dauer­aufträgen bei der alten Bank und das Einrichten beim neuen Institut leichter.

4. Problem Zahlungs­partner. Bei manchen Zahlungs­part­nern muss ein Kunde die Bank­verbindung in seinem Kunden­profil selbst ändern, zum Beispiel bei Paypal, Amazon und Ebay. Die Bank weist den Konto­inhaber aber explizit darauf hin und gibt ihm eine Hand­lungs­anweisung.

5. Problem Unter­schrift. Es kommt vor, dass Zahlungs­partner die von der Bank auto­matisch erstellten und mit der gescannten Unter­schrift versehenen Schreiben nicht akzeptieren. Der Kunde muss dann noch einmal schriftlich bestätigen, dass sich die Konto­verbindung geändert hat. In einem Testfall über­nahm der Empfänger, ein Versicherer, immerhin das Porto.

Probleme beim Wechsel von der Hypo­ver­eins­bank

Bei unserer dritten Test­person, die von der Hypo­ver­eins­bank zur Comdirect Bank wechseln wollte, klappte der digitale Wechsel nicht. Nach dem Einloggen im alten Konto erschien keine Liste der Buchungen. Auf Nach­frage bestätigte der Mitarbeiter der Comdirect Bank, dass es beim Wechsel von der Hypo­ver­eins­bank schon öfter Probleme gegeben habe: Es sei eine Frei­schaltung für HBCI notwendig, einen tech­nischen Stan­dard für die sichere Über­tragung von sensiblen Daten zwischen Banken.

Konto­wechsel selbst durch­führen

Andernfalls über­trage die Hypo­ver­eins­bank die Daten nicht. Es habe aber auch schon Kunden gegeben, bei denen es nach dem dritten oder vierten Versuch geklappt habe. Darauf­hin versuchte auch unser Tester es noch einmal. Nun erschienen zwar Buchungen, die Liste war jedoch auf den ersten Blick nicht voll­ständig. Grund genug für unsere Test­person, den Konto­wechsel nun selbst in die Hand zu nehmen.

Schwierig­keiten auch bei anderen Banken

Von ähnlichen Problemen könnten auch Kunden betroffen sein, die ihr altes Konto bei der Commerz­bank, der Consors­bank oder der Targo­bank haben, berichtet das Unternehmen Fino Digital auf seiner Internetseite. Fino Digital ist einer von mehreren spezialisierten Finanz­dienst­leistern, die den digitalen Konto­wechsel für Banken durch­führen.

Ahnungs­lose Mitarbeiter in der Filiale

Banken müssen auch jene Kunden unterstützen, die dem digitalen Konto­wechsel nicht trauen oder die kein Online­banking machen wollen. Unsere Test­person, die zur Berliner Sparkasse wechselte, hatte es zuerst auch in einer Filiale versucht. Die Mitarbeiterin dort war aber ahnungs­los. Trotz mehr­maligem Nach­fragen und dem Verweis auf die gesetzliche Verpflichtung zur Hilfe beim Konto­wechsel hieß es, man habe so etwas früher mal gemacht – jetzt gebe es das nicht mehr. Das ist nicht richtig. Es gibt sogar ein Formular, mit dem ein Kunde seine neue Bank schriftlich ermächtigt, alle für einen Wechsel nötigen Daten bei der alten Bank anzu­fordern. Doch unsere Test­person musste auf den digitalen Wechsel­service umsteigen.

Wechsel­service meist kostenlos

Wir haben bei rund 50 Banken nach Kosten für den Wechsel­service gesucht. Bei der Nürn­berger Sparkasse sind wir fündig geworden: der Service ist nur kostenlos, wenn der Kunde die Schreiben an die Zahlungs­partner selbst ausdruckt und verschickt. Sonst muss er bei seiner neuen Bank gleich einmal 14,90 Euro bezahlen – für etwas, was andere kostenlos anbieten. Die Banken dürfen ein Entgelt nehmen, aber es gehört unserer Meinung nach wenigs­tens ins Preis- und Leistungs­verzeichnis – das hat die Nürn­berger Sparkasse versäumt.

Sicheres Online­banking

Nahezu alle Banken bieten nach heutigem Stand der Technik sichere Verfahren für Online­banking an. Einen Über­blick über die einzelnen Verfahren finden Sie in unserem Vergleich von Girokonten.

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