Girokonto Test

Alles ist möglich. Bei vergleichbarer Leistung kostet ein Girokonto im besten Fall gar nichts, im schlechtesten mehr als 120 Euro.

So ändern sich die Zeiten. Wer heute ein Girokonto eröffnen will, sucht zuerst nach Kreditinstituten, die es kostenlos anbieten. Dabei wird er mittlerweile schneller fündig als noch vor einigen Jahren. Finanztest hat die Girokontopreise von 55 Kreditinstituten untersucht. Immerhin 26 Banken und Sparkassen bieten eine kostenlose Kontoführung an.

Vor nur fünf Jahren war das noch nicht so. Da erregte ein Werbespot der damaligen BfG-Bank (heute SEB) noch Aufsehen: Ein Herr mit Hund betrat die Bankfiliale und erbat vom Bankangestellten ein kostenloses Girokonto. Damals brach der Banker noch in irres ­Lachen aus und ließ den Kunden vom Sicherheitsdienst hinausschleifen. Das war natürlich ein Banker von der Konkurrenz, denn bei der BfG gab es eines der damals noch seltenen Gratiskonten.

Kostenlos meist mit Bedingungen

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Gratiskonto heißt jedoch nicht immer, dass der Kunde keinen einzigen Euro an die Bank zahlen muss. Das klingt paradox, ist aber einfach zu erklären.

Erstens berechnen 8 der 26 Banken eine Jahresgebühr von meist 5 Euro für die ec-Karte. Sie wissen, dass viele Kunden die ec-Karte nicht missen wollen.

Zweitens schlägt bei mehr als zwei Dritteln der kostenlosen Girokonten die Kreditkarte mit einem Jahrespreis von rund 20 Euro zu Buche.

Drittens verbinden die meisten Banken und Sparkassen mit einem kostenlosen Girokonto bestimmte Bedingungen. Am häufigsten verlangen sie, dass der Kunde ausschließlich den Computer oder das Telefon zur Kontoführung nutzt. Bei fünf Instituten ist ein monatlicher Mindesteingang gefordert.

Das bedeutet zum Beispiel bei der Postbank, dass alle Privatkunden, auf deren Girokonto weniger als der geforderte Mindesteingang von 1 000 Euro eintrifft, eine monatliche Kontoführungsgebühr zahlen müssen. Laut Postbank betrifft das zwar nur ein Viertel der Kontoinhaber, darunter sind aber viele Rentenempfänger. Und die wurden gerade noch einmal gestraft: Am 1. April 2002 ist der Kontoführungspreis um gut 35 Prozent gestiegen: von 4,35 Euro auf 5,90 Euro pro Monat.

Direktbanken auf ersten Plätzen

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Wer die von den Banken geforderten Bedingungen zur kostenlosen Kontoführung nicht erfüllt, muss bezahlen. Wie viel, ist wegen des Preiswirrwarrs gar nicht so leicht zu durchschauen.

Finanztest hat insgesamt 114 Kontomodelle von 55 Kreditinstituten untersucht. In der Tabelle ist nur das jeweils güns­tigste kostenpflichtige Girokonto der 55 Banken und Sparkassen aufgeführt. Die komplette Übersicht finden Sie unter Downloads.

Um die Preise von Girokonten vergleichbar zu machen, haben wir einen Modellkunden geschaffen, der die für einen Bankkunden typischen Buchungen auf dem Girokonto abwickelt. Für seine Kontonutzung haben wir den ­Jahrespreis ermittelt. Knapp 98 Euro beträgt für ihn der Preisunterschied ­zwischen dem besten und schlechtesten Anbieter aus der Tabelle.

Für denjenigen, der kein Gratiskonto bekommt, ist die 1822direkt mit dem 1822direkt-girokonto für Onliner und die comdirect bank mit dem Broker Konto am günstigsten. Bei beiden bezahlt der Modellkunde jeweils 30,72 Euro im Jahr. Auf dem vierten Platz folgt die Diba mit dem Direkt-Konto für 48 Euro im Jahr.

Wer diese kostengünstigen Direktbanken für sein Girokonto wählt, muss wissen, worauf er sich einlässt: der Kontakt erfolgt nur virtuell, also per Computer, Telefon oder Fax. Das ist nicht ­jedermanns Sache.

Wer lieber sehen will, dass es die Bank tatsächlich gibt, und auch mal die Möglichkeit haben will, einem Bankmitarbeiter gegenüberzutreten, der muss zu einer Filialbank gehen. Die CC-Bank hat mit dem Telegirokonto für 36 Euro im Jahr das günstigste Girokonto einer Filialbank.

Auch die Hypovereinsbank liegt mit einem Jahrespreis von 57,89 Euro für das 3D Konto (ohne Durchschnitts­guthaben) gerade noch im Limit von 60 Euro pro Jahr. Diesen Preis hält ­Finanztest für einen akzeptablen Jahreskontoführungspreis. Alles, was darüber liegt, sollte Anlass sein, die eigene Trägheit zu überwinden und ein günstigeres Girokonto zu suchen.

Ein hoher Jahrespreis für die Kontoführung ergibt sich selten aus der einfachen Multiplikation des monatlichen Grundpreises. Die Kreditinstitute haben die unterschiedlichsten Abrechnungsmodelle: mal wird jede einzelne Buchung berechnet, mal eine Pauschale, bei Onlinekonten sind Überweisungen per Beleg teuer, mal ist die ec-Karte inklusive, mal kostet Plastikgeld extra.

Zum Beispiel liegt die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen mit dem Privatgirokonto für günstige 1,50 Euro im Monat beim Jahrespreis mit 80,58 Euro auf einem unteren Platz. So ergeht es auch Kunden der norisbank: monatlicher Grundpreis 2,55 Euro, Jahrespreis für den Finanztest-Modellkunden 76,01 Euro. Das liegt daran, dass jede Überweisung per Beleg 1,50 Euro kostet.

Niedrige Guthabenzinsen

Viele Banken werben auch mit der Verzinsung der Guthaben auf dem Girokonto. Doch der Kunde sollte sich dreimal überlegen, ob die Höhe der Zinsen ein Auswahlkriterium für ein Girokonto sein kann. Denn in den meisten Fällen liegen die Zinsen gerade mal so hoch wie für ein normales Sparbuch oder den guten Zins gibt es für Summen, die auf den Girokonten unüblich sind. Positiv heben sich da nur die Diba (ab dem ersten Euro 3 Prozent), die Allianz Vermögens-Bank (ab dem ersten Euro 2,75 Prozent), die Netbank (2,85 Prozent bis 49 999 Euro) und die Volkswagen Bank direct (2,75 Prozent bis 4 999 Euro) ab.

Wer eine gute Verzinsung für sein Geld sucht und trotzdem jeden Tag die ­Möglichkeit haben will, darüber zu verfügen, sollte sich nach einem kosten­losen Tagesgeldkonto umsehen.

Aufschlussreich ist der Vergleich der Guthabenzinsen mit den Zinsen für Dispositionskredite auf dem Girokonto. Während die Guthabenzinsen in den letzten 12 Monaten erkennbar gesunken sind, kann man das von den Zinsen für Dispokredite nicht sagen. Beispiel comdirect bank: Bei einem gleich bleibenden Zins für den Dispokredit von 10 Prozent sind die Guthabenzinsen von 2,9 Prozent für Guthaben bis 4 999 Euro auf 1,4 Prozent gesunken. Bis 24 999 Euro gab es vor einem Jahr noch 3 Prozent, jetzt nur noch 1,55 Prozent.

Ähnlich ist es bei der Stadtsparkasse Hannover: bis 4 999 Euro gibt es derzeit 1,8 Prozent, vor einem Jahr 2 Prozent, bis 12 499 Euro gibt es jetzt 2,3 Pro­zent, vor einem Jahr 2,8 Prozent. Das Ganze bei einem unveränderten Überziehungskredit von 12,75 Prozent.

Viele Geldautomaten

Wichtiger als die Verzinsung von Guthaben auf dem Girokonto ist die Möglichkeit, kostenlos an Bargeld zu kommen. Sonst fressen die Kosten für das Abheben an fremden Geldautomaten den Zinsvorteil wieder auf.

Hart trifft es die Kunden der Ameri­can Express Bank. Sie verzinst keine Gut­haben und hat keinen eigenen Geld­automaten. Die Kunden der Allianz Vermögens Bank können nur einen Geldautomaten am Firmensitz in Augsburg kostenlos nutzen. Nach Angaben der Verbände steht Sparkassenkunden dagegen ein Netz von 20 000 Automaten zur Verfügung, den Kunden der Genossenschaftsbanken mit 15 000 Automaten nicht viel weniger.

Die große Präsenz nutzen die Sparkassen aus. Holen Fremdkunden ihr Bares an den Automaten mit dem roten S, wird es teuer. Die meisten kassieren dann 1 Prozent vom abgehobenen Betrag, mindestens aber rund 3 Euro. Bis 5 Euro kann es gehen.

Verschiedene Banken haben sich zu Verbünden zusammengeschlossen, innerhalb deren sie keine Gebühren für das Geldabheben verlangen. Zur Cash-Group mit rund 8 000 Geldautoma­­ten gehören Dresdner Bank, Deutsche Bank 24, Commerzbank, Hypovereinsbank und Postbank einschließlich ihrer Töchter, zum Beispiel der Advance Bank, comdirect bank, norisbank, OLB Direkt, Vereins- und Westbank. Der Cashpool mit 1 900 Automaten setzt sich zusammen aus SEB Bank, BW Bank, Citibank, Allbank, den Sparda-Banken, CC-Bank und weiteren elf Kreditinstituten.

Manchmal trägt auch die Bank die Kosten. Die Diba hat nur 1 200 eigene Geldautomaten. Ihre Kunden können aber mit der zum Konto gehörenden Kreditkarte 12-mal im Jahr kostenlos an Fremdautomaten Geld ziehen. Goodwill zeigt auch die Volkswagen Bank direct, die erst seit kurzem ein Girokonto anbietet: Sechsmal innerhalb eines Quartals kommen die Kunden kostenfrei an allen Geldautomaten in Euroland an Scheine.

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