Giro­konto Special

Die Europäische Kommis­sion will, dass jeder Mensch in der EU ein Recht auf ein Giro­konto hat. Außerdem soll es für die Bürger einfacher werden die Preise der Konto­führung zu vergleichen. Finanztest beschreibt, wie weit deutsche Banken auf diesem Gebiet sind.

Gibt es in Deutsch­land einen Rechts­anspruch auf ein Giro­konto?

Nein. Die Deutsche Kredit­wirt­schaft – der Branchen­verband der deutschen Geld­institute – hat 1995 zwar eine freiwil­lige Selbst­verpflichtung abge­geben, dass jeder Mensch unabhängig von seinen wirt­schaftlichen Verhält­nissen ein Giro­konto auf Guthabenbasis bekommen soll. Doch das reicht offen­bar nicht: In Deutsch­land gibt es schät­zungs­weise 670 000 Menschen ohne Konto. Setzt sich die EU-Kommis­sion durch, könnten auch Menschen in schwierigen finanziellen Situationen ein Giro­konto einklagen.

Gibt es Banken, bei denen ein Konto leichter zu haben ist als bei anderen?

Bei den Sparkassen scheinen die Chancen besser zu stehen. In zehn Bundes­ländern legen die Sparkassengesetze fest, dass jeder Mensch auf Wunsch ein Konto auf Guthabenbasis bekommen muss. Im September 2012 haben mehr als 400 Sparkassen dafür das Bürger­konto einge­führt. Das soll nicht teurer sein als ein vergleich­bares Konto mit Über­ziehungs­möglich­keit. Die Monats­preise reichen von 3 Euro bis 7,90 Euro.

Kann eine Bank einem Kunden ein Giro­konto verwehren?

Ja, das kann sie und muss das nicht einmal begründen. Der Branchen­verband empfiehlt aber eine schriftliche Stellung­nahme. Dafür gibt es sogar einen Vordruck. Eine Bank kann ein Giro­konto auch kündigen, wenn der Kunde Leistungen miss­braucht, zum Beispiel für Geld­wäsche. Weitere Gründe: Der Kunde macht falsche Angaben, belästigt oder gefährdet Mitarbeiter. Oder auf dem Konto geht inner­halb eines Jahres weder Geld ein noch aus, sodass die Bank sicher sein kann, dass sie die Konto­führungs­kosten nicht bekommt.

Wie leicht sind Konto­kosten und andere Bank­gebühren zu vergleichen?

Viele Banken machen es dem Kunden schwer, die Preise rund ums Konto zu vergleichen. In einer Finanztest-Unter­suchung im Jahr 2012 haben zum Beispiel von rund 1 500 Banken und Sparkassen nur gut 350 Institute freiwil­lig ihre Dispozinsen mitgeteilt. Mit einiger Mühe konnten wir die Daten für 600 weitere Institute ermitteln. Erschwerend kommt hinzu, dass die Preise nicht immer an derselben Stelle stehen und zum Teil unterschiedlich heißen. Die EU-Kommis­sion will, dass jeder Kunde künftig auf einem Blatt sieht, welchen Preis die Bank für welche Leistung verlangt.

Wie lange dauert ein Bank­wechsel und worauf muss ein Kunde achten?

Eine feste Zeitspanne für einen Wechsel gibt es derzeit nicht. Wir empfehlen, erst eine neue Bank zu suchen und dort ein Giro­konto zu eröffnen. Das alte und neue Konto sollten zwei bis drei Monate parallel laufen (Check­liste Bankwechsel leicht gemacht). Wenn es nach der EU geht, soll der Wechsel inner­halb eines Landes in nicht mehr als zwei Wochen erledigt sein und die alte Bank soll sich um alles kümmern.

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