Girokonto Test

Diesmal haben wir die Kosten von Girokonten noch strenger geprüft als sonst. Und siehe da: 17 Konten sind kostenlos ohne Tücken. Bankkunden sparen leicht über 100 Euro im Jahr.

Geiz muss nichts Schlechtes sein. Immerhin war der sprichwörtliche Geiz der Schotten eher Sparsamkeit. Sie soll aus der früheren Armut der schottischen Landbevölkerung entstanden sein. Ihre Not zwang die Menschen, mit jedem Penny sorgsam umzugehen.

So groß ist die Not heute nicht, aber schon die Finanzkrise lässt die Verbraucher stärker auf den Cent achten. Deshalb haben wir uns in unserem großen Test der Girokonten diesmal auf die kostenlosen Angebote konzentriert. Knapp drei Viertel der befragten 67 Banken und Sparkassen haben ein Gratiskonto im Angebot, oft zusätzlich zu kostenpflichtigen Kontomodellen.

Beispiel Citibank: Ausgesprochen teuer ist das Girokonto mit Einzelabrechnung. Der Kunde bezahlt zwar keinen Grundpreis, aber jede Nutzung des Kontos kostet Geld. Ein durchschnittlicher Filialkunde kommt damit auf 375 Euro im Jahr. Dagegen müsste er für das Best-Konto gar nichts bezahlen, wenn er ständig ein Guthaben von 2 500 Euro bei der Citibank angelegt hat.

Alle Großbanken bieten inzwischen ein kostenloses Konto an, mal als eigenes Kontomodell, mal über eine Tochterbank. Gratis sind Girokonten außerdem oft bei Direktbanken und mittlerweile auch bei Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparda- und PSD-Banken.

Strengere Anforderungen

Unser Maßstab für ein kostenloses Girokonto ist strenger geworden. Um in die Übersicht rechts zu gelangen, mussten die Konten ohne jede Einschränkung gratis für den Kunden sein, auch die ec-Karte musste kostenlos sein. Eine Kontoführung ausschließlich per PC und Telefon haben wir nicht als Einschränkung gewertet.

17 Konten wurden unserem Anspruch gerecht. Für Filialkunden ist die Auswahl aber beschränkt. Nur das Top-Girokonto der norisbank ist bundesweit zu haben und es spielt keine Rolle, ob der Kunde das Konto per PC oder Telefon führt oder die Filiale nutzt. Auch die Kreditkarte zum Girokonto kostet bei der Discounttochter der Deutschen Bank mit bundesweit 96 Filialen nichts. Bargeld bekommen die Kunden an rund 7 000 Geldautomaten gebührenfrei.

Ein vergleichbares Angebot für Filial- und Onlinekunden machen sonst nur regionale Anbieter im Test: die PSD-Banken Nord, Berlin-Brandenburg, Rhein-Ruhr und Hessen-Thüringen. Konto und Karten sind ohne Einschränkungen gratis. Die Kunden können an rund 18 600 Automaten Bargeld ziehen – bei fast allen Genossenschaftsbanken (siehe „Unser Rat“).

Kunden, die das Konto per PC und Telefon führen wollen, haben mehr Möglichkeiten, der Kontoführungsgebühr zu entgehen. Im Test fielen vor allem Direktbanken auf, darunter die ING-Diba, die Wüstenrot Bank und die comdirect mit ihrem neuen Girokontomodell. Alle drei haben vergleichsweise wenige Geldautomaten zur Verfügung. Den Nachteil gleicht aber zumindest die ING-Diba aus, weil sie Kunden erlaubt, mit der Visa-Kreditkarte kostenlos Bargeld zu ziehen (siehe Tabellen „Kostenlos Bargeld im In- und Ausland“).

Am meisten Automaten für die Bargeldbeschaffung bieten die MBS in Potsdam und die Saalesparkasse ihren Onlinekunden mit Gratiskonto an: insgesamt 25 700.

Kostenlos mit Bedingungen

Banken und Sparkassen haben noch viel mehr kostenlose Konten als die genannten 17 Modelle im Angebot. Doch ein Blick in die allgemeinen Geschäftsbedingungen und das Preisverzeichnis offenbart die Hürden, die der Kontoinhaber nehmen muss, um in den Genuss der Kostenfreiheit zu kommen.

In unserer Untersuchung fielen 37 der 141 geprüften Kontomodelle in diese Gruppe (siehe Tabelle „Kostenlose Konten mit Bedingungen“).

Am häufigsten fordern die Banken von den Kunden einen bestimmten monatlichen Geldeingang. In unserem Test sind es mindestens 1 000 Euro. Vor einem Jahr lag die Untergrenze noch bei 650 Euro. Doch selbst die Dresdner Bank hat inzwischen den verlangten Mindesteingang fast verdoppelt, auf 1 200 Euro.

Postbank-Kunden können ein Lied davon singen, was passiert, wenn sie die Bedingung von 1 250 Euro Geldeingang (Konto Giro plus) einmal nicht erfüllen: Teuer wird es zum Beispiel, wenn das Gehalt mal am ersten Tag, mal schon am letzten Tag des Vormonats kommt. Die Bank berechnet dann meist in dem Monat, in dem vermeintlich kein Gehalt einging, 5,90 Euro Gebühr für die Kontoführung.

Vergleichsweise leicht sind die Bedingungen für ein kostenloses Konto bei den Sparda-Banken zu erfüllen: Die Kunden müssen nur einen Genossenschaftsanteil kaufen. Er kostet meist 52 Euro und es gibt darauf jährlich eine Dividende.

Manchmal sind die Anforderungen für ein Gratiskonto aber auch skurril: Bei der Berliner Volksbank und der Bremischen Volksbank gibt es keinen elektronischen Kontoauszug für Onlinekunden – wie sonst üblich. Der Onlinekunde muss den Kontoauszugsdrucker nutzen. Er könnte sich die Auszüge auch von der Bank schicken lassen, doch dann berechnet sie 55 Cent.

Automatengebühr und Dispozinsen

Girokontokunden müssen aufpassen, dass sie das beim Jahrespreis gesparte Geld nicht an anderer Stelle verlieren – am Geldautomaten oder für den Dispokredit.

Die Banken lassen es sich teuer bezahlen, wenn der Kunde nicht an den Automaten der eigenen Bank oder der Automatengruppen Geld abhebt, sondern fremdgeht.

Nahezu flächendeckend Automaten gibt es für Kunden, die ihr Konto bei einer Sparkasse, Volks- oder Raiffeisenbank haben. Weniger Möglichkeiten haben Direktbankkunden, wobei einige den Kunden die Kreditkarte zum kostenlosen Geldziehen freischalten (siehe Tabellen „Kostenlos Bargeld im In- und Ausland“).

Das Überziehen des Girokontos bleibt weiterhin sehr teuer, auch bei den Gratiskonten. Von den 48 Banken mit einem kostenlosen Girokonto haben nur 17 die Dispozinsen seit Juni 2008 gesenkt.

Dabei können sie sich zu immer günstigeren Konditionen Geld leihen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im vergangenen Jahr den Leitzins von 4 Prozent mehrere Male auf inzwischen 1 Prozent gesenkt.

Diesen Vorteil reichen die Kreditinstitute nicht an ihre Kunden weiter. Sie begründen das oft damit, dass die Kunden den Dispo zurzeit vermehrt in Anspruch nehmen. Die Bank gehe jetzt ein höheres Risiko bei der Kreditvergabe ein.

Einige Banken sagen, sie hätten den Zins vorher länger nicht verändert. Sechs haben den Dispo sogar erhöht, darunter die ING-Diba und die PSD Berlin-Brandenburg. Positiv anrechnen kann man ihnen nur, dass ihr Zins mit 9,92 Prozent und 8,90 Prozent trotzdem noch unter dem Durchschnittsdispozins von rund 12 Prozent bleibt.

Dreist ist die Postbank: Wenn Kunden mit dem Kontomodell Giro plus in den Dispo rutschen, berechnet sie 14,25 Prozent – eine Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte seit dem Vorjahr. Damit ist sie zusammen mit der Volksbank Mittelhessen Schlusslicht unter den Anbietern kostenloser Konten.

Angesichts dieser Werte sollten Kunden, die ihr Konto regelmäßig überziehen, bei der Auswahl eines Girokontos viel mehr auf günstige Sollzinsen achten als auf die kostenlose Kontoführung. Noch besser ist es, auf einen günstigen Ratenkredit umzuschulden.

Von Guthabenzinsen aufs Girokonto sollte sich kein Bankkunde locken lassen. Derzeit gibt es für Beträge, die üblicherweise auf dem Girokonten liegen, maximal 1 Prozent. Selbst für 50 000 Euro gibt es nur 2 Prozent (PSD Nord).

Günstige Konten mit Gebühren

Ein kostenloses Lohn-, Gehalts- oder Rentenkonto kann fast jeder eröffnen. Selbstständige und Empfänger von Sozialleistungen bekommen diese Konten allerdings kaum angeboten. Andere wechseln nicht zu einem Gratiskonto, weil sie eine Filiale vor Ort haben wollen oder sich von ihrem bisherigen Bankberater gut betreut fühlen.

Doch auf den Preis achten sollten auch sie: Girokonten bei einer Filialbank, die bei einer durchschnittlichen Nutzung inklusive Kreditkarte im Jahr nicht mehr als 80 Euro kosten, sind immer noch preisgünstig. Wenn man für die Kreditkarte einen Jahrespreis von üblicherweise 20 Euro ansetzt, muss der monatliche Kontoführungspreis unter 5 Euro liegen.

Für die günstigsten kostenpflichtigen Konten im Test zahlt ein Durchschnittskunde etwa 60 Euro im Jahr (Gesamtübersicht)

Oft können Bankkunden den Jahrespreis für ihr Konto schon verringern, wenn sie die Bank von Handarbeit befreien und den Kontoauszugsdrucker regelmäßig nutzen. Überweisungen sollten sie nicht per Beleg abgeben, sondern am Selbstbedienungsterminal eingeben. Dann bleibt sogar ohne Kontowechsel genug für eine Flasche guten schottischen Whisky übrig.

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