Geld holen im Supermarkt

Bares gibt es nicht nur am Geldautomaten, sondern auch an der Kasse von Rewe und Penny. Andere Händler wollen nachziehen.

Girokonto Test

Zufriedene Kundin. Durch den Bargeldservice von Penny hat Andrea Rohde aus Berlin mehr Möglichkeiten Bargeld abzuheben. Zum gebührenfreien Geldholen mit der ec-Karte stehen ihr 25600 Automaten zur Verfügung, künftig bundesweit auch noch 5000 Rewe- und Penny-Märkte.

Schnitzel, Brot, Gemüse – der Vorzug der Supermärkte war schon immer das große Angebot. Ideal, wenn die Kunden dort auch noch Bargeld holen können und nicht extra zum Geldautomaten müssen.

„Diesen Service bietet Rewe seit 2003 an, mittlerweile in rund 3 000 Märkten bundesweit“, sagt Andreas Krämer von der Rewe-Pressestelle. Seit Dezember 2008 machen auch mehr als 2 000 der zur Rewe-Gruppe gehörenden Penny-Märkte mit.

Der Kunde muss nur für eine Mindestsumme einkaufen, bei Penny für 25 Euro, bei Rewe für 20 Euro, und mit seiner ec-Karte (neu: girocard) und der persönlichen Identifikationsnummer Pin bezahlen. An der Kasse lässt er sich den Abrechnungsbetrag erhöhen und bekommt die zusätzliche Summe von der Kassiererin direkt aus der Ladenkasse bar ausgezahlt.

Bis zu 200 Euro kann er auf diese Weise pro Tag und Markt abheben. Extrakosten fallen nicht an. „Cash back“ heißt der Vorgang im Fachjargon auf Englisch, zu deutsch: Bargeld zurück.

Da einige Rewe-Märkte bei dem Service noch nicht mitmachen, müssen die Kunden auf die Werbung achten. Geworben werde für die Bargeldauszahlung bei Rewe und Penny „wie für andere Serviceangebote auch, regelmäßig in den Handzetteln, dem Ladenfunk oder im Internet“, sagt Krämer. In einigen Märkten hängen über den Kassen auch Hinweisschilder.

Finanztest hat auch andere große Handelsketten befragt: Doch bisher wollen nur die Discounter Lidl und Netto diesen Service einführen, andere wie Norma, Plus und Aldi Süd verneinten unsere Anfrage oder reagierten nicht wie Aldi Nord.

„In Deutschland war Cash back bisher aufgrund regulativer Hürden kaum möglich“, sagt Ulrich Binnebößel vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels. „Händler, die das anbieten wollten, mussten sich bei der Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) eine Ausnahmegenehmigung einholen. Das Verfahren war sehr aufwendig und teuer.“

Mittlerweile habe sich das aber gelockert. Binnebößel denkt, dass dies mit der Europäischen Zahlungsdienste-Richtlinie zusammenhängt, die bis November 2009 national umgesetzt werden soll. Sie sieht vor, dass Händler im Rahmen eines Warengeschäfts und eines gesicherten Zahlungsverfahrens Bargeld auszahlen dürfen.

„Wenn die Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt ist, werden sicher auch andere Händler Cash back durchführen“, erwartet der Handelsexperte.

Fremde Automaten sind teuer

Bis noch mehr Händler den Bargeldservice anbieten, sollten Bankkunden bei der Auswahl des Girokontos neben dem Jahrespreis auch auf die Zahl der Geldautomaten achten, an denen sie kostenfrei Bargeld ziehen können. Der Preisvorteil der kostenlosen Kontoführung kann verpuffen, wenn bei jeder Abhebung Gebühren fällig werden oder lange Wege nötig sind.

Kostenlos Bargeld gibt es üblicherweise mit der ec-Karte an den Automaten der kontoführenden Bank und ihrer Partner. Bestens aufgestellt sind Institute mit einem starken Filialnetz wie die Sparkassen (25 700 Geldautomaten) und die Volks- und Raiffeisenbanken (18 600 Geldautomaten). Auch Kunden der PSD Banken sind gut dran: Sie können ebenfalls alle Automaten der genossenschaftlichen Bankengruppe gratis nutzen.

Private Banken haben sich in zwei Gruppen zusammengetan. Doch Cash Group und Cashpool besitzen mit 7 000 und 2 500 vergleichsweise wenig Automaten.

Man sollte denken, dass Kunden von Direktbanken ohne Filialen noch weniger Möglichkeiten haben, kostenlos an Bargeld zu kommen. Doch entweder sind diese Banken in die Verbünde der privaten Banken integriert oder sie haben einen anderen Weg geschaffen: Kunden mehrerer Direktbanken bekommen mit einer Kreditkarte kostenlos Bargeld, und das nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland.

Beispiel ING-Diba: Mit der ec-Karte gibt es nur an 1 200 Automaten bundesweit kostenlos Bargeld, mit der Visa-Kreditkarte dagegen überall in Euroland an allen Automaten mit Visa-Zeichen.

Bei der DKB gibt es sogar weltweit mit der Visa-Karte Bargeld ohne Gebühren – auch in Deutschland. Bei beiden Banken ist die Kreditkarte kostenlos zum Konto zu haben.

Die netbank hat fürs kostenlose Abheben mit der ec-Karte nur 2 500 Automaten zur Verfügung. Sie erlaubt ihren Kunden aber fünfmal im Monat weltweit das Geldziehen ohne Gebühren mit der Mastercard-Kreditkarte an Automaten mit Mastercard-Symbol. Die Karte kostet zwar 20 Euro im Jahr, doch je höher der Umsatz mit der Karte ist, desto mehr sinkt ihr Preis.

Die Tabellen „Kostenlos Bargeld im In- und Ausland“ zeigen, welche Bank zu welchem Verbund gehört und wie viele Automaten zur kostenlosen Bargeldversorgung zur Verfügung stehen – im In- und Ausland.

Wer außerhalb der Verbünde Geld holt, muss das teuer bezahlen. Für Auszahlungen in Deutschland oder anderen Euroländern sind 1 Prozent der abgehobenen Summe üblich, mindestens aber 3,50 Euro.

Kunden der norisbank müssen sogar 6 Euro fürs Fremdgehen zahlen und die der Ostseesparkasse Rostock 7,50 Euro. Da suchen sie doch lieber einen bankeigenen Automaten und machen einen Umweg.

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