Girokonto Test

80 Euro gespart!
Anstoßen auf den Kontowechsel. Er kostet kaum Mühe und bringt mindestens das Geld für zwei Flaschen Champagner ein.

Wer von einem teuren zu einem günstigen Girokonto wechselt, kann sich kleine Extras leisten. Im besten Fall bringt der Wechsel eine Ersparnis von über 200 Euro im Jahr.

Vor zehn Jahren brach ein Bankangestellter in einem Werbespot noch in irres Gelächter aus, als ein Herr die Bankfiliale betrat und um ein kostenloses Girokonto bat. Die damalige BfG Bank, heute SEB, beschrieb mit diesem Filmchen die Konkurrenz und machte damit auf das eigene Gratiskonto aufmerksam. In der Branche war das damals eine Seltenheit. Seitdem werben immer mehr Banken mit Gratiskonten und die SEB befindet sich in einer illustren Runde überregionaler und regionaler Banken. Das zeigt unsere Untersuchung von 140 Kontomodellen für Lohn-, Gehalts- und Rentenkonten von 64 Banken und Sparkassen.

Zwei Drittel kostenlose Konten

Girokonto Test

120 Euro gespart!
Vor Freude in die Luft gehen. Ein Kurztrip von Berlin nach Wien mit einem günstigen Flug ist drin, wenn unser Modellkunde sein Girokonto bei der Deutschen Bank kündigt und zu einem kostenlosen Anbieter wechselt.

Vor einem Jahr hatte die Hälfte der 62 untersuchten Banken und Sparkassen kostenlose Girokonten. Im aktuellen Test sind es gut zwei Drittel der 64 Kreditinstitute. Neue kostenlose Konten bieten seitdem zum Beispiel die Commerzbank, die MBS in Potsdam und die Direktbanken ING-Diba, 1822 direkt und DAB Bank an. Und auch immer mehr Sparkassen und Volksbanken folgen dem Beispiel. Alle kostenlosen Konten stehen in der Tabelle.

Der Girokonten-Vergleich zeigt auch, dass zwar immer mehr Banken kostenlose Konten anbieten, aber nicht wenige mit Haken und Ösen. Entweder gibt es die Gratiskonten nur für Onlinekunden oder nur für Kunden aus bestimmten Regionen. Manche Banken verlangen einen regelmäßigen Gehalts- oder Renteneingang zwischen 750 Euro und 1 250 Euro oder geben ein Durchschnittsguthaben vor.

Es gibt keinen überregionalen Anbieter, der ein Gratiskonto inklusive ec- und Kreditkarte sowohl für Filial- als auch Onlinekunden ohne Wenn und Aber anbietet.

Die Hypovereinsbank hat mit dem Willkommenskonto ein neues kostenloses Kontomodell eingeführt. Der Kunde muss nun kein Durchschnittsguthaben von 1 500 Euro mehr vorweisen, aber einen Sparplan monatlich mit 25 Euro besparen. Bei der überregionalen BBBank bekommen Filial- und Onlinekunden ein kostenloses Konto, auch die ec-Karte ist umsonst. Wer aber eine Kreditkarte haben will, muss 30 Euro für das Doppel bezahlen.

Die Direktbanken DKB, ING-Diba und Wüstenrot Bank sind zwar für alle Kunden im Bundesgebiet da, ihre Gratiskonten müssen aber per PC geführt werden. Zudem eröffnet die DKB ein Girokonto nur, wenn der Kunde „ausreichend Bonität“ vorweist, weil die Kreditkarte obligatorisch ist. Und wann die Bonität ausreicht, ist nicht klar bestimmt.

Regionale Angebote besser

Girokonto Test

60 Euro gespart!
Familienvergnügen. Eintrittskarten ins Legoland Deutschland oder einen anderen Vergnügungspark springen heraus, wenn Mutter oder Vater zum Beispiel von der Ostsächsischen Sparkasse zur Degussa Bank wechseln.

Die besten Adressen für Gratiskonten sind regionale Banken. Bei den PSD Banken Berlin und Nord sowie bei den Sparda-Banken Berlin, Hamburg, Hannover und Hessen gibt es Gratiskonten mit ec- und Kreditkarte sowohl für Filial- als auch für Onlinekunden. Einige Sparda-Banken verlangen zwar, dass der Kunde einen Genossenschaftsanteil erwirbt. Das werten wir aber nicht als Nachteil, weil die Banken darauf Dividende zahlen.

Auch Onlinekunden haben bei den regionalen Anbietern eine größere Auswahl kostenloser Konten. Allerdings ist die Kreditkarte selten inklusive, meist sind 20 Euro im Jahr fällig.

Wer bei den kostenlosen Konten nicht fündig wird, schaut in die Tabellen „... Filialkunden“, „... Onlinekunden“. Um vergleichen zu können, haben wir dort für Modellkunden den Jahrespreis für ein Filial- und Onlinekonto ermittelt. Die Unterschiede sind enorm.

Wechsel lohnt sehr häufig

Bankkunden, die für ihr Girokonto inklusive Kreditkarte bei einer Filiale mehr als 80 Euro im Jahr bezahlen und für ein Onlinekonto über 40 Euro, sollten sich nach günstigeren Konten umsehen. So spart zum Beispiel ein Filialkunde, der das Bestkonto der Deutschen Bank kündigt und zu einem kostenlosen Anbieter wechselt, knapp 120 Euro im Jahr. Dafür kann er mit einem günstigen Flug von Berlin nach Wien und zurück fliegen. Wer bei der Deutschen Bank bereits Onlinekunde war, kann so immerhin noch 80 Euro sparen und beim nächsten Geburtstag zwei Flaschen Champagner spendieren.

Gut 100 Euro im Jahr spart ein Filialkunde der Sparkasse Hannover, wenn er zur Sparda-Bank Hannover wechselt. Im Extremfall sind sogar über 200 Euro drin: bei einem Wechsel vom Plus-Konto der Citibank zu einem kostenlosen Anbieter.

Doch auch wer die Bedingungen für ein kostenloses Konto nicht erfüllt, kann sparen. In den Tabellen „... Onlinekunden“, „... Filialkunden“ gibt es immerhin fünf Onlinekonten und 16 Filialkonten, die die Grenzwerte unterschreiten.

Wenn unser Modellkunde zum Beispiel vom Filialkonto saxx perfekt der Ostsächsischen Sparkasse zum Girokonto bei der Degussa Bank wechselt, spart er gut 60 Euro. So viel kostet etwa der Eintritt für ein Kind und einen Erwachsenen ins Legoland Deutschland oder einen anderen Vergnügungspark.

Ein Onlinekunde der Stadtsparkasse Düsseldorf, der künftig bei der Santander Consumer Bank Onlinebanking macht, spart noch knapp 40 Euro im Jahr und kann dafür öfter mal ins Kino gehen.

Kostenfrei Bargeld ziehen

Neben dem Jahrespreis ist die Bargeldbeschaffung das wichtigste Kriterium für die Auswahl des Girokontos. Der Preisvorteil der kostenlosen Kontoführung kann verpuffen, wenn bei jeder Abhebung Gebühren fällig werden, lange Fahrten zum Automaten nötig sind oder ständig Porto für Kontoauszüge fällig wird. Diese Überlegung ist besonders wichtig für alle, die mit einer Direktbank liebäugeln.

Kostenlos Bargeld gibt es immer an den Automaten der kontoführenden Bank und an den Automaten von Banken, die sich zu diesem Zweck zu Verbünden zusammengetan haben.

Die Kunden der Sparkassen, der Volks- und Raiffeisenbanken und der PSD Banken haben die meisten Möglichkeiten, kostenlos Bargeld zu bekommen. Ihnen stehen 21 000 beziehungsweise 18 000 Automaten zur Verfügung.

Die privaten Banken haben sich auch zusammengeschlossen. Doch Cash Group und Cashpool (siehe Tabelle „Kostenlos Bargeld“) besitzen mit 7 000 und 2 300 vergleichsweise wenig Geldautomaten.

Es ist deshalb wichtig, dass Geldautomaten der eigenen Bank auf dem Weg zur Arbeit liegen oder in Wohnortnähe. Günstig dran sind Kunden der Volkswagen Bank direct. Bankeigene Geldautomaten gibt es zwar nur 22. Mit der Visa-Karte können sie aber innerhalb Eurolands kostenfrei an allen Automaten mit Visa-Zeichen Geld ziehen (mindestens 250 Euro pro Abhebung).

Wer an fremden Automaten Geld abhebt, muss kräftig bezahlen, mindestens 3 bis 5 Euro bei jeder Abhebung. In der Übersicht links steht auch, an welchen Automaten die Kunden im Ausland kostenlos an Bargeld kommen.

Dispozinsen gestiegen

Kurzfristigen Geldbedarf können Girokontokunden meist mit dem Dispositionskredit überbrücken. Doch das lassen sich die Banken gut bezahlen. Im Vergleich zur Finanztest-Untersuchung vor einem Jahr sogar noch teurer.

Zwei Drittel der getesteten Banken haben den Dispozins erhöht, in der Spitze um 2,1 Prozentpunkte. Im Schnitt zahlen Kunden jetzt gut 12 Prozent. Ein guter Dispozins liegt unter 10 Prozent.

Viele Banken werben auch mit der Verzinsung der Guthaben auf dem Girokonto. Ein Auswahlkriterium für ein Girokonto ist es nicht, denn die höchste Verzinsung von 3 Prozent ist eher die Ausnahme. Wenn man bedenkt, dass bei Tagesgeldkonten mittlerweile 3,5 Prozent ab dem ersten Euro möglich sind (siehe Infodokument Tagesgeldkonten und Festgelder), könnten die Girokontokunden nun ihrerseits in irres Gelächter ausbrechen und überzähliges Geld lieber dort anlegen.

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