Girokonto Test

Es lohnt sich, für den bankeigenen Geldautomaten Umwege zu gehen. Denn wenn ein Kunde der Deutschen Bank bei der Berliner Sparkasse 100 Euro abhebt, muss er dafür 4,25 Euro zahlen.

Bei gut einem Drittel der Banken und Sparkassen bekommen die Kunden kostenlose Girokonten. Doch wer nicht aufpasst, verliert das gesparte Geld wieder am Geldautomaten.

Jeder Bankkunde hat wohl den Traum vom idealen Girokonto: Es kostet nichts, die Maestro- und eine Kreditkarte sind inklusive, an jeder Ecke steht ein Geldautomat für kostenlosen Bargeldbezug und obendrein zahlt die Bank auch noch Zinsen auf das Guthaben.

Der Traum kann in Erfüllung gehen, wenn der Kunde sein Konto ausschließlich per PC führt. Das Cash-Konto der Deutschen Kreditbank erfüllt alle Wünsche. An sämtlichen Geldautomaten in Euroland können die Kunden kostenlos Bargeld abheben und ab dem ersten Euro zahlt die Bank 0,5 Prozent Zinsen.

Filialkunden haben es schwerer. Zwar ist das Girokonto bei den Sparda-Banken in Berlin und Hamburg auch kostenlos und es gibt eine Maestro- und Kreditkarte dazu. Zinsen auf Guthaben zahlen die Banken aber nicht und die Kunden können nur an 2 200 Geldautomaten kostenlos Geld ziehen. Das kann auf Reisen problematisch werden.

Findet der Kunde keinen Automaten des Cashpools, zu dem die Sparda-Banken gehören, muss er bei einem fremden Institut Geld abheben. Das ist in den vergangenen zwei Jahren teurer geworden.

Kostenfrei Bargeld ziehen

Girokonto Test

Kunden der Deutschen Kreditbank bekommen an jedem Geldau­to­maten in Euroland kostenlos Bargeld, Sparkassenkunden bundesweit an über 22 000. (Eine gößere Version dieser Grafik enthält das pdf, welches Sie sich auf Ihrer Festplatte speichern sollten.)

Die meisten Kreditinstitute berechnen wie die Sparda-Banken für das Geld­holen an fremden Automaten 1 Prozent vom abgehobenen Betrag, nehmen aber eine Mindestgebühr. Ihre Höhe hängt davon ab, bei welcher Bank der Kunde Geld holt, und liegt zwischen 1,30 Euro und 4 Euro.

Am teuersten ist das Fremdgehen für die Kunden der ABC Privatkunden-Bank. Die müssen außerhalb des Cash-pools mindestens 7,50 Euro bezahlen.

Die Kosten an Fremdautomaten sind vor allem für Kunden solcher Banken wichtig, die wenige Geldautomaten haben. Die Mainzer Volksbank zum Beispiel hat nur 113 eigene Automaten und gehört zu keinem Automatenverbund.

Immerhin sind hier die Kosten für Fremdnutzung nicht ganz so hoch wie bei anderen Banken. Die Kunden zahlen eine Pauschale von 1,02 Euro an ­Automaten der Genossenschaftsbanken, 2,05 Euro bei den Sparda-Banken und 4 Euro bei allen anderen Banken.

Kostenlose Bargeldbeschaffung ist auch für viele Kunden der Direktbanken schwierig. Die virtuelle Netbank stellt 800 Geldautomaten bundesweit zur Verfügung, die Diba bietet ihren Kunden 1 250 und die comdirect bank 7 000 Automaten.

Gut sieht es dagegen bei der Haspa- Direkt aus, der Tochter der Hamburger Sparkasse. Die Kunden dieser Direktbank können alle Geldautomaten der Sparkassenorganisation nutzen: über 22 000 Geräte mit dem roten S stehen in ganz Deutschland.

Kostenlose Konten

Girokonto Test

Gut ein Drittel der von Finanztest untersuchten 61 Kreditinstitute bietet kostenlose Lohn-, Gehalts- und Rentenkonten an. Doch häufig trügt der Schein. Ganz ­ohne Bedingungen ist kaum ein Konto zum Nulltarif zu bekommen.

Die Kreissparkasse Kaiserslautern ­berechnet für das Privatgirokonto zwar 0 Euro, die Maestro-Karte kostet aber 5 Euro im Jahr, die Kreditkarte 20 Euro.

Doch nicht nur Maestro- und Kreditkarte verteuern das Girokonto. Bei 14 der 26 Banken kostet das Konto nur dann nichts, wenn der Kunde das Konto per PC und Telefon führt, einen regelmäßigen Geldeingang oder ein Gehalt in einer bestimmten Höhe hat.

Wer die Bedingungen nicht erfüllt und sein Konto nicht online führen will, muss für die Kontoführung und ­einiges mehr bezahlen. Die Preisspannen sind groß. Bei der Kölner Bank muss ein Filialkunde für ein durchschnittlich genutztes Konto mehr als 130 Euro im Jahr bezahlen, bei der Deutschen Bank über 120 Euro und bei der Dresdner Bank mehr als 115 Euro.

Im Durchschnitt der Angebote muss der Filialkunde 30 Euro mehr im Jahr hinlegen als ein Onlinekunde.

Onlinekonten sind günstiger

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Wie viel ein Onlinekunde bei den verschiedenen Banken gegenüber dem Filialkunden spart, der auch die Mitarbeiter in den Filialen für die Kontoführung beansprucht, zeigt die Tabelle „Die Girokonten für jeden“. Finanztest hat zwei Modellkunden geschaffen, einen reinen On­line­kunden und einen Filialkunden. Beide wickeln die typischen Buchungen ab.

Überrascht hat uns, dass bei elf Banken das Onlinekonto auch dann günstiger ist, wenn der Kunde die von uns vorgegebenen Buchungen doch mithilfe der Filiale erledigt. Nicht alle Kreditinstitute bestrafen ihre Onlinekunden für Dienste in der Filiale so hart wie die Sparkasse Stormarn. Sie verlangt für ­eine Überweisung per Beleg 2,50 Euro.

Kaum noch Guthabenzinsen

Die Zeiten, in denen ein Kunde ein ­Girokonto auch nach der Höhe der Guthabenzinsen aussucht, sind vorbei.

Zwar verzinsen 26 der 61 untersuchten Kreditinstitute Guthaben auf dem Girokonto. Doch das Zinsniveau ist nicht der Rede wert. Es hat mit 0,25 Prozent (zum Beispiel CC-Bank) bis 1 Prozent (ABC Privatkunden-Bank) gerade mal Sparbuchniveau.

Nur vier Banken zahlen ab dem ersten Euro deutlich mehr: die Diba und die Mainzer Volksbank 2 Prozent, die Netbank 2,25 Prozent und die Volkswagen Bank direct 2,15 Prozent jeweils bis zu einem Guthaben von 49 999 Euro.

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