Viele Girokonten sind in den vergangenen Monaten teurer ­geworden. Doch Finanztest hat im Dschungel der Bankangebote 25 Banken ­gefunden, die kostenlose Konten anbieten.

Die schlechte Nachricht zuerst: Banken und Sparkassen haben in den vergangenen zwölf Monaten die Preise für die Führung eines Girokontos deutlich angehoben. Sie verlangen von ihren Kunden jetzt im Schnitt rund 85 Euro pro Jahr für ein normal genutztes Girokonto, an das keine besonderen Bedingungen geknüpft sind. Vor einem Jahr wollten sie dafür weniger als 80 Euro.

Die Postbank hat vor gut einem Jahr mit der Preiserhöhung angefangen. Seit 1. April 2002 verlangt sie monatlich 5,90 Euro (vorher 4,35 Euro) von allen, deren monatlicher Mindesteingang unter 1 000 Euro liegt. Dazu kommen noch 20 Euro im Jahr für die Kreditkarte. Das sind im Jahr insgesamt 90,80 Euro für das Konto.

Die gute Nachricht: Es gibt weiterhin Girokonten zum Nulltarif. Die Sparda-Banken Berlin und Hamburg führen ohne Wenn und Aber das Konto kostenlos. Auch die Maestro-Karte (früher ec-Karte) und eine Kreditkarte kosten nichts. Von den 65 Banken, die wir untersucht haben, machen diese beiden Banken damit das beste Angebot.

Bei der Sparda-Bank Hamburg muss der Kunde zwar durch den Kauf eines Genossenschaftsanteils Mitglied werden. Das ist aber kein Nachteil, denn auf den Anteil zum Preis von 52 Euro gibt es jährlich eine Dividende von zuletzt 5,6 Prozent. Bei der Sparda-Bank Berlin muss der Kunde nur Mitglied werden, wenn er eine Maestro-Karte und einen Dispokredit haben möchte.

Kostenlos mit Bedingungen

Girokonto Test

Drei Fragen führen zum Ziel: Welche Bedingungen gelten für das kostenlose Konto? Wie teuer ist ein normales Konto? An wie vielen Automaten gibt es kostenlos Bargeld?

Kostenlose Konten bieten noch 23 andere Banken an. Doch sie haben einen oder zwei Haken: Bei vielen entfällt die monatliche Grundgebühr nur, wenn der Kunde Bedingungen erfüllt. Zudem kosten die Karten oft extra.

Kostenlos sind viele Konten nur dann, wenn der Kunde sie ausschließlich per Telefon oder PC führt. Viele Banken fordern einen regelmäßigen Gehaltseingang in bestimmter Höhe oder ein vorgegebenes Durchschnittsguthaben.

Einen Mindesteingang von 1 000 Euro verlangt zum Beispiel die Allbank. Bei der SEB und der Sparkasse Hannover muss sogar so viel Gehalt eingehen. In Hannover darf der Kunde das Konto nur per PC und Telefon nutzen. Das will auch die American Express Bank. Und sie vergibt bei kostenloser Kontoführung eine Maestro-Karte erst ab einem Gehaltseingang von 1 300 Euro.

Viele Banken haben Preise erhöht

Wenn ein Kunde kein kostenloses Konto bekommt, dann soll es wenigstens billig sein. Finanztest hat insgesamt 137 Kontomodelle untersucht. In der Tabelle „Was ein Girokonto kostet“ ist für jedes der 65 untersuchten Kreditinstitute das günstigste Konto aufgeführt.

Um die Preise der Konten vergleichbar zu machen, haben wir einen Modellkunden geschaffen, der die für einen Bankkunden typischen Buchungen abwickelt. Wir haben den Jahrespreis für seine Kontonutzung ermittelt.

Der Preisunterschied zwischen einem billigen und einem teuren Konto beträgt mehr als 90 Euro. Das teuerste Girokonto in der Finanztest-Tabelle bietet mit 124 Euro pro Jahr die Citibank, das günstigste die Bank 1822 direkt mit 30 Euro Jahreskosten.

Viele Banken und Sparkassen haben den monatlichen Grundpreis erhöht. Einige verlangen jetzt mehr für die Kreditkarte als vorher. Auch die Preise für Überweisungen per Beleg oder per Telefon, für die Einrichtung oder Änderung von Daueraufträgen oder für Lastschriften sind bei manchen teurer geworden.

Die ABC-Privatkundenbank glänzte im vergangenen Jahr noch mit einem kostenlosen Girokonto ganz ohne Bedingungen. Jetzt hat das Konto einen monatlichen Grundpreis von 3,50 Euro, ein Onlinekonto mit einem Grundpreis von 2,50 Euro ist neu im Angebot. Bei beiden Konten kostet eine Überweisung per Beleg 1 Euro, wenn der Kunde mehr als drei Überweisungen per Beleg im Monat macht. Im vorigen Jahr war das noch kostenlos.

Für den Modellkunden kostet das Konto nun gut 55 Euro im Jahr. Der Preis setzt sich zusammen aus dem ­monatlichen Grundpreis von 2,50 ­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­Euro ­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­(x 12 = 30 Euro) und dem Kreditkartenpreis von 25,56 Euro im Jahr. Da unser Modellkunde nicht so viele Überweisungen per Beleg macht, kommen keine weiteren Kosten hinzu.

Ein Jahrespreis für die Kontoführung von 55 Euro ist akzeptabel. Steigt der Preis aber deutlich über 60 Euro im Jahr, sollte der Kunde lieber nach einem günstigeren Angebot Ausschau halten.

Bei der Landesbank Baden-Württemberg werden Kunden jetzt ins Grübeln kommen. Im vergangenen Jahr zahlte unser Modellkunde noch 61,20 Euro im Jahr für sein Konto. Jetzt sind es schon 79,50 Euro, weil der Grundpreis höher ist und Überweisungen per Beleg mehr kosten.

Geringe Preissenkungen

Wir haben in unserer aktuellen Untersuchung aber auch festgestellt, dass ein paar Preise gesunken sind. Allerdings macht das nicht viel aus.

Einige Banken senkten den Grundpreis. Die Bank 1 Saar hat ihn für das Premium-Konto von 8 Euro auf 7 Euro gesenkt. Die Kölner Bank senkte den Grundpreis von 4,60 Euro auf 3,95 Euro im Monat.

Andere Verbilligungen ergaben sich aus Glättungen von krummen Euro-Preisen: Die Kreditkarte bei der Sparda-Bank Hannover kostet jetzt 20 Euro statt vorher 20,45 Euro, die Maestro-Karte der Vereins- und Westbank kostet nun 5 Euro anstatt 5,11 Euro.

Fremdgehen ist teuer

Es kommt nicht nur auf die Kosten für die Kontoführung an. Wichtig ist auch, wie der Bankkunde an Bargeld kommt, und zwar kostenlos.

Am besten kommen da die Sparkassenkunden weg: Sie können an über 22 000 Geldautomaten kostenlos Geld ziehen. Auch die Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken haben es noch gut. Das Bankcard-Servicenetz dieser Bankengruppe umfasst gut 16 000 Automaten.

Mehrere private Banken haben sich zu zwei Verbünden zusammengeschlossen, damit ihre Kunden eine größere Zahl von Automaten kostenlos nutzen können. Die Cashgroup hat 7 600, der Cashpool immerhin 2 000 Automaten.

Wer Geldautomaten außerhalb des Verbunds der eigenen Bank nutzt, wird hart bestraft. Das Fremdgehen kann mit bis zu 5 Euro pro Abhebung zu Buche schlagen. Viele Banken berechnen 1 Prozent der abgehobenen Summe, mindestens zwischen 2 Euro und 4,50 Euro. Das ist teurer als vor ein paar Monaten.

Anlass ist die seit 1. Juli 2002 gültige EU-Verordnung zu grenzüberschreitenden Zahlungen. Sie verlangt, dass die Kunden an Geldautomaten in anderen Euro-Ländern nicht mehr zahlen müssen als zu Hause.

Die Anpassung geschah prompt, allerdings in die falsche Richtung: Die Kosten für die Nutzung der Automaten im Inland stiegen. Inzwischen nehmen viele Banken Pauschalen, egal wie viel die andere Bank tatsächlich verlangt.

Kunden der American Express Bank können zusätzlichen Kosten beim Geldabheben kaum entgehen. Die Bank hat keinen eigenen Geldautomaten.

Die Augsburger Aktienbank hat nach wie vor nur einen einzigen Automaten am Firmensitz. Beide Institute berechnen ihren Kunden beim Bargeldziehen das, was die Fremdbank haben will.

Guthabenzinsen kein Thema mehr

Ein Auswahlkriterium für ein Girokonto war in den vergangenen Jahren auch, ob die Bank Zinsen für Guthaben auf dem Konto zahlt.

Diese Zeiten sind fast vorbei. Zwar bieten noch 23 Banken und Sparkassen eine Verzinsung an, 12 sogar ab dem ersten Euro. Doch die Zinsen haben gerade mal Sparbuchniveau.

Sie liegen meist zwischen 0,25 Prozent (zum Beispiel Volksbank Main-Taunus ab einem Durchschnittsguthaben von 2 500 Euro) und 1,5 Prozent (zum Beispiel Volksbank Braunschweig ab 2 500 Euro Guthaben).

Nur sechs Banken zahlen mehr Zinsen. Die Diba zahlt 2 Prozent vom ersten Euro an. Die Bank 1 Saar zahlt nur so viel, wenn der Kunde ein Durchschnittsguthaben von 1 500 Euro hat.

Höhere Zinssätze gibt es erst für Summen, die auf einem Girokonto eher unüblich sind. In der Spitze sind es 3 Prozent bei der OLB Direkt und der Netbank ab 50 000 Euro Guthaben.

Dispozinsen kaum gesunken

Wer kurzfristig Geld braucht, kann die finanzielle Lücke meist mit dem Dispositionskredit überbrücken. Doch das lassen sich die Banken gut bezahlen.

Die Finanztest-Untersuchung ergab einen durchschnittlichen Dispozins von 12,10 Prozent. Er liegt nur 0,13 Prozentpunkte unter dem Zinssatz vor einem Jahr (12,23 Prozent). Dabei hat die Europäische Zentralbank in diesem Zeitraum die Leitzinsen von 3,25 Prozent auf 2,50 Prozent gesenkt, also um 0,75 Prozentpunkte.

Gute Dispozinsen bieten die drei Direktbanken Diba (8,75 Prozent), Netbank (9,95 Prozent) und comdirect bank (10 Prozent) sowie die PSD Bank Berlin-Brandenburg (8,95 Prozent).

Interessant ist der Vergleich der Dispozinsen und der Guthabenzinsen: Drei Banken haben in den vergangenen Monaten die Guthabenzinsen gesenkt, aber die Sollzinsen erhöht.

Bei der ABC-Privatkundenbank gibt es jetzt einheitliche Guthabenzinsen von 1 Prozent (vorher 2 Prozent bis 2 499 Euro), der Dispozins stieg um 0,5 Prozentpunkte. Die CC-Bank senkte die Guthabenzinsen von 1 Prozent auf 0,25 Prozent, der Dispozins liegt jetzt um 1 Prozent höher.

Die Landesbank Baden-Württemberg zahlt den Zins von 0,5 Prozent jetzt nur noch ab einem Durchschnittsguthaben von 1 250 Euro, nicht mehr ab dem ersten Euro. Die Sollzinsen hat sie einheitlich um 0,5 Prozent angehoben.

Die zögerliche Weitergabe der Zinssenkung bei den Dispozinsen können sich die Banken leisten. Kaum ein Kunde wechselt wegen hoher Dispozinsen die Bank. Und nutzt ein Kunde den Dispo erst einmal, kann er sowieso nur schwer wechseln.

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