Giro­konto Meldung

Obdachlose und Asyl­suchende müssen die höchsten Konto­gebühren zahlen: Der Verbraucherzentrale Bundes­verband (vzbv) mahnt sechs Geld­institute ab, weil sie zu hohe Gebühren für ihr Basis­konto kassieren. Ein solches Guthaben­konto, das jedermann offen steht und vor allem von Menschen in schwieriger finanzieller Situation genutzt wird, müssen Banken seit dem 19. Juni 2016 anbieten. Bank­kunden sollen zudem Konto­kosten besser vergleichen und leichter das Konto wechseln können.

Verbraucherschützer rügen sechs Institute

Vor drei Monaten hat der Gesetz­geber alle Banken und Sparkassen dazu verpflichtet, sogenannte „Jedermann-Konten“ einzuführen. Dieses Giro­konto auf Guthabenbasis muss alle grund­legen­enden Funk­tionen enthalten und allen Menschen offen­stehen, unabhängig von ihren wirt­schaftlichen Verhält­nissen. Nun hat der vzbv in einem „stich­probenhaften Vergleich“ fest­gestellt, dass diese Basis­konten in der Praxis oftmals teurer sind als herkömm­liche Konten. Wegen zu hoher Gebühren für ihr Basis­konto mahnt der vzbv gleich sechs Geld­institute ab:

  • Deutsche Bank,
  • Post­bank,
  • Targo­bank,
  • Sparkasse Holstein,
  • Volks­bank Karls­ruhe,
  • BBBank.

Die Geld­institute haben nun zwei Wochen Zeit, auf die Abmahnung zu reagieren. Ändern sie die Gebühren für ihre Basis­konten nicht, droht ihnen eine Klage des vzbv.

Eine Bank hat den Preis für ihr Basis­konto gesenkt

Die Volks­bank Karls­ruhe hat bereits die Gebühren für ihr Basis­konto gesenkt und sie an die haus­eigene Variante „Komfort-Konto“ angepasst. Damit zahlen Inhaber des Basis­kontos künftig 5,90 Euro im Monat anstatt bisher 7,90 Euro. „Die Volks­bank Karls­ruhe folgt damit dem Vorschlag des Bundes­verbandes der Verbraucherzentralen, der eine entsprechende Korrektur angemahnt hat“, sagte Bank­sprecher Thomas Nusche auf Anfrage von test.de.

Basis­konto-Inhaber zahlen mehr

In einigen Fällen müssen Basis­konto-Inhaber jedoch immer noch mehr zahlen als Kunden mit vergleich­baren Konten, kritisieren die Verbraucherschützer. Für den Vergleich habe der vzbv nach eigener Darstellung nicht nur den Grund­preis geprüft, sondern auch Preise zum Beispiel für einzelne Über­weisungen. Die Verbraucherschützer berufen sich bei ihren Rügen auf das Zahlungs­kontengesetz (ZKG). Es besagt, das insbesondere die „Entgelte angemessen“ sein müssen.

Obdachlose und Asylbewerber sollen profitieren

Vor dem 19. Juni 2016 gab es in Deutsch­land nur die freiwil­lige Selbst­verpflichtung der Deutschen Kredit­wirt­schaft, dass jeder Mensch unabhängig von seinen wirt­schaftlichen Verhält­nissen ein Giro­konto auf Guthabenbasis bekommt. Trotzdem hatten schät­zungs­weise 670 000 Menschen in Deutsch­land kein Konto. Oft sind es Menschen, die in einer schwierigen finanziellen Situation sind, keinen festen Wohn­sitz oder keine Ausweis­papiere haben. Mit der neuen gesetzlichen Regelung sollen nun auch Obdachlose, Asyl­suchende und geduldete Flücht­linge ein Basis­konto eröffnen können. Einzige Bedingung: Sie halten sich legal in der EU auf und sind geschäfts­fähig.

Basis­konto mit grund­legenden Funk­tionen

Das Basis­konto muss die gleichen Zahlungs­dienste ermöglichen wie ein normales Giro­konto: also Ein- und Auszahlungen, Last­schriften und Über­weisungen. Der Konto­inhaber bekommt auch eine Zahlungs­karte, darf sein Konto aber nicht über­ziehen: Das Konto wird in der Regel auf Guthabenbasis geführt.

Konto­kosten nicht geregelt

Laut Gesetz dürfen die Kredit­institute „nur angemessene Entgelte verlangen“. Ober­grenzen wurden nicht fest­gelegt. Bisher boten nur Sparkassen ein Bürger­konto für Menschen ohne regel­mäßiges Einkommen an, das nicht teurer als ein vergleich­bares Konto mit Über­ziehungs­möglich­keit sein sollte. Die Monats­preise reichten bisher von 3 Euro bis 8,99 Euro.

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Einfacher Konto­wechsel und trans­parente Kosten

Das Gesetz enthält auch Vorgaben zum vereinfachten Wechsel des Giro­kontos sowie neue Trans­parenz­vorschriften für die Konto­kosten. Sie sind zum 19. September 2016 in Kraft getreten. So können Verbraucher nun ihre neue Bank beauftragen, die Dauer­aufträge und Last­schriften des alten Kontos zu über­nehmen und Vertrags­partner über die geänderte Konto­verbindung zu informieren. Mehr Trans­parenz sollen Kosten­über­sichten und Vergleichs­webseiten schaffen, die neben Konto­führungs­kosten und Dispozins auch Aspekte wie die Größe des Filialnetzes und die Zahl der Geld­automaten darstellen sollen.

Verbraucherschützer fordern Nachbesserung

Bereits vor Einführung der neuen Regelung hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) bemängelt, dass die Rege­lungen über das angemessene Entgelt der neuen Basis­konten noch zu vage seien, und es für Basis­konto-Inhaber noch zu schwierig sei, zu einem güns­tigeren Anbieter zu wechseln. Mehr zum Thema lesen Sie auch in unserem Special Recht auf Girokonto für jeden.

Diese Meldung erschien erst­mals am 30. Oktober 2015 auf test.de. Sie wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 21. September 2016.

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