Girokonto Test

Immer mehr Banken werben mit kostenlosen Konten. Trotzdem scheuen viele Kunden den Wechsel und verschenken mehr als 200 Euro im Jahr.

Drei von vier Männern kennen sich sehr gut mit Autos und PS-Zahlen aus, jeder zweite mit alkoholischen Getränken. Aber nur jeder dritte weiß auch, wie viel er für seine Kontoführung bezahlen muss. Das ergab eine Studie von TNS Infratest im Auftrag der Commerzbank.

Dabei würde sich das Wissen über den Preis eines Girokontos lohnen. Denn im besten Fall kann ein Kontoinhaber gut 200 Euro im Jahr sparen, wenn er von einem teuren zu einem kostenlosen Konto wechselt.

Beispiel Berliner Sparkasse: Hier zahlt unser Modellkunde mit einem BerlinKonto Classic im Jahr 143 Euro. Die kann er komplett sparen, wenn er zur norisbank wechselt. Das Top-Girokonto kann er genauso wie sein Sparkassenkonto nutzen.

Einfach kostenlos

Der Trend, Kunden mindestens ein kostenloses Girokonto anzubieten, ist bei den regionalen und überregionalen Banken ungebrochen. Das zeigt unsere Untersuchung von Lohn-, Gehalts- und Rentenkonten von 73 Banken und Sparkassen. Selbstständige, Freiberufler und Empfänger von staatlicher Unterstützung haben allerdings selten Chancen auf ein kostenloses Konto.

Bei der Untersuchung vor zwei Jahren hatte die Hälfte der 62 getesteten Banken ein Gratiskonto. Vor einem Jahr waren es fast zwei Drittel. Auch dieses Jahr bieten von den 73 Banken knapp 50 kostenlose Konten an (siehe Tabelle). Neu hinzugekommen sind zum Beispiel die norisbank, Cortal Consors und die SKG Bank.

Doch nur eine überregionale Bank hat sowohl für Online- als auch Filialkunden ein Konto, das ohne Bedingungen inklusive ec- und Kreditkarte kostenlos ist. Das Top-Girokonto der norisbank bekommen alle unabhängig von Mindestumsatz, Einkommen oder Höhe des Guthabens.

Ein Wermutstropfen trübt den guten Eindruck: Den Onlinekunden bietet die Bank nur ein eingeschränkt sicheres Bankingverfahren an, sodass es Betrügern unter Umständen unnötig leichtgemacht wird. Für Filialkunden hingegen ist dieses Konto das günstigste im Test.

Auch die Hypovereinsbank wäre mit ihrem Willkommenskonto fast an der Spitze gelandet. Aber sie verpflichtet ihre Girokontokunden zum Zwangssparen: Mit der Kontoeröffnung müssen sie monatlich 25 Euro in einen Sparplan einzahlen. Immerhin sind Online- und Filialkunden bei der Hypovereinsbank gleichermaßen willkommen und bekommen ec- und Kreditkarte kostenlos dazu.

Kostenlose Girokonten fürs Gehalt oder die Rente ohne Einschränkungen für Filial- und Onlinekunden gibt es in unserem Test nur bei fünf Regionalbanken. Das sind die Sparda-Bank Berlin sowie die PSD Banken Berlin-Brandenburg, Hessen-Thüringen, Nürnberg und Nord.

Kostenlos, aber ...

Ungebrochen ist auch der Trend, die Kostenfreiheit an bestimmte Bedingungen zu knüpfen. Der Kunde muss bei vielen Anbietern genau hinschauen, unter welchen Bedingungen er von den Kontoführungskosten befreit ist. Vergleichsweise geringe Anforderungen stellen die ING-Diba und die getesteten Sparda-Banken.

Die ING-Diba ist eine Direktbank und führt deshalb die Girokonten nur für Onlinekunden kostenlos.

Die Kunden der meisten Sparda-Banken müssen einmalig einen Genossenschaftsanteil für 52 Euro kaufen. Da die Banken eine Dividende zahlen, ist das kein Nachteil. Oft ist bei ihnen die Kreditkarte kostenlos.

Da beim Cash-Konto der DKB und der SKG Bank die Kreditkarte obligatorisch zum Girokonto gehört, prüfen sie schon bei der Kontoeröffnung, ob die Bonität der Kunden ausreicht. Aber die Kriterien dafür sind nicht nachvollziehbar: Ob der Kunde zum Beispiel ein bestimmtes Einkommen haben soll oder ein Guthaben in einer bestimmten Höhe, entscheidet die Bank.

Andere Banken haben schärfere Bedingungen. Kunden der Dresdner Bank müssen monatlich einen Geldeingang von 650 Euro erbringen. Die Postbank verlangt für das Giro-plus-Konto schon 1 250 Euro monatlich, die Nassauische Sparkasse sogar 1 500 Euro. Die Kreditkarte kostet bei allen drei Banken dann noch zusätzlich. Wer für diese Karte im Jahr nicht mehr als 20 Euro zahlt, ist günstig dran.

Bankkunden, die die Bedingungen für eine kostenlose Kontoführung nicht erfüllen können oder die Bank nicht wechseln wollen, finden preiswerte Konten in den Tabellen „Girokonten für Onlinekunden“ und „Girokonten für Filialkunden“.

Kostenloses Bargeld ist wichtig

Kunden, die ein neues Girokonto suchen, sollten nicht nur auf die Kontogebühren schauen. Genauso wichtig ist die Bargeldbeschaffung.

Geldabheben ist an den Automaten der kontoführenden Bank immer kostenlos. Außerdem haben sich Banken mit einem kleinen Automatennetz zu Verbünden zusammengetan, damit ihre Kunden mehr Möglichkeiten haben, kostenlos Bargeld zu besorgen (siehe Tabelle „Kostenlos an Geldautomaten abheben“).

Teuer wird es aber, wenn ein Kunde einen Geldautomaten außerhalb seines Bankenverbundes nutzt. In unserer Untersuchung zahlen Kunden, die „fremdgehen“, für jede Abhebung im Schnitt um 4 Euro. Die MBS in Potsdam verlangt sogar 5,50 Euro, die GE Money Bank mindestens 5,95 Euro.

Unser Beispielkunde, der von der Berliner Sparkasse zur norisbank wechselt, hat künftig weniger Geldautomaten zur Verfügung. Vom vorher größten Verbund mit 24 300 Geldautomaten wechselt er zu einer Bank mit rund 200 eigenen Geldautomaten und weiteren rund 7 000 Automaten der Cash Group. Wenn er die anderen Automaten nutzt, muss er mindestens 6 Euro bezahlen. Wer das häufig macht, büßt schnell die Ersparnis durch ein kostenloses Girokonto ein.

Aufpassen müssen vor allem die Kunden der DKB und der SKG Bank. Wer bei diesen Banken – so wie er es gewohnt ist – mit der ec-Karte Geld abhebt, muss jedes Mal 10 Euro bezahlen. Denn bei diesen Banken muss der Kunde mit der Kreditkarte Geld abheben – das ist dann aber sogar weltweit kostenlos. An welchen Automaten andere Kunden im Ausland kostenlos an Bargeld kommen, steht in der Tabelle „Kostenlos an Geldautomaten abheben“.

Dispozinsen weiter leicht gestiegen

Ebenfalls im Blick haben sollten die Kunden die Zinsen für einen Dispositionskredit. Damit können sie kurzfristigen Geldbedarf überbrücken.

Wie schon bei der Finanztest-Untersuchung im letzten Jahr, sind die Dispozinsen in diesem Jahr wiederum leicht gestiegen. Im Schnitt müssen Kunden jetzt 12,35 Prozent bezahlen gegenüber 12,27 Prozent im vorigen Jahr.

Die Hälfte aller untersuchten Banken hat erhöht. Die Hypovereinsbank hat im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 Prozentpunkte auf 14,15 Prozent angezogen und damit – wie bereits im vergangenen Jahr (plus 2,1 Prozentpunkte) – eine der höchsten Steigerungsraten.

Es geht aber auch anders. Unser Kunde, der von der Berliner Sparkasse zur norisbank wechselt, würde sich auch beim Dispokredit verbessern. Die Bank verlangt zwar immerhin 12,95 Prozent, die Berliner Sparkasse liegt aber sogar bei 13,50 Prozent.

Ein guter Dispozins liegt unter 10 Prozent. Spitzenreiter sind die DAB Bank mit 6,95 Prozent sowie die DKB und die SKG Bank mit 7,9 Prozent und die PSD Berlin-Brandenburg mit 8,2 Prozent.

Kein entscheidendes Auswahlkriterium für ein Girokonto sind die Zinsen, die einige Banken für Guthaben auf dem Girokonto zahlen. Erwähnenswert sind nur die 4 Prozent, die die Skatbank für Guthaben ab 1 500 Euro zahlt. Bei fast allen anderen liegt das Zinsniveau im Schnitt zwischen 0,5 und 2 Prozent und damit gerade mal auf Sparbuchniveau.

Wechsel ist einfach

Das ideale Girokonto gut verzinst, mit kostenloser ec- und Kreditkarte und vielen Geldautomaten ist rar und nicht für jeden zu finden. Aber mit drei Fragen kann jeder leicht seinen persönlichen Kontocheck machen: Wie teuer ist mein Konto im Vergleich zu anderen Bankangeboten? Welche Bedingungen kann ich ohne Mühe erfüllen? An wie vielen Automaten gibt es kostenlos Bargeld?

Wer die Antworten auf diese Fragen hat, für den ist der Wechsel zu einer günstigeren Bank schnell erledigt. Für Autos, PS-Zahlen und Cocktails bleibt auf jeden Fall genug Zeit.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1374 Nutzer finden das hilfreich.