Giro­konten Test

Etwa drei Viertel der Banken im Test bieten ein Gratis­konto an. Wenn außerdem genug Geld­automaten in der Nähe sind, lohnt sich der Wechsel.

Warum jeden Monat etwa 5 Euro für das Giro­konto zahlen, wenn es auch kostenlos geht? Maria Hormann hat sich gegen die Konto­gebühren entschieden und sich eine neue Bank gesucht.

Die 26-Jährige lebt in Bergen in der Nähe von Celle und war etwa zwei Jahre Kundin der Volks­bank Südheide: „Für das Konto musste ich zusätzlich zu einer Grund­gebühr viele Posten einzeln bezahlen, das gefiel mir nicht mehr“, sagt die Betriebs­wirtin, die die meisten Bank­geschäfte online erledigt hat. Von Kunden, die das VR-Direkt-Konto der Volks­bank führen, kassiert die Bank zum Beispiel 35 Cent für die Ausführung eines Dauer­auftrags und 15 Cent für jede Last­schrift. Dazu kommen 5 Euro im Jahr für die Girocard (ec-Karte).

Inzwischen hat Hormann ein Cash-Konto bei der DKB, der Deutschen Kredit­bank, eröffnet. Dort zahlt sie keine Gebühren.

Ihr Konto wechseln will auch Tina Piechulik aus Stutt­gart. Seit Ende der Schul­zeit hat die 26-Jährige ihr Konto bei der Berliner Bank, doch inzwischen ist ihr der Preis dafür zu hoch: „Seitdem ich keine Studentin mehr bin, zahle ich jeden Monat eine Pauschale von 10 Euro.“

Konto und Girocard kostenlos

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Für die beiden jungen Frauen lohnt sich der Wechsel. Dass es für sie gleich etliche deutlich güns­tigere Giro­konten gibt, zeigt unser Test: Wir haben die Angebote von 77 Banken und Sparkassen untersucht und allein 23 Lohn-, Gehalts- und Renten­konten gefunden, die ohne Bedingungen für Kunden kostenlos sind.

Im Test waren über­regionale Groß­banken, Direkt­banken ohne Filialnetz sowie regionale Kredit­institute wie Sparkassen und Genossen­schafts­banken. Als kostenlos ohne Bedingungen stufen wir ein Konto ein, wenn die Bank keine monatliche Konto­führungs­gebühr verlangt, keine Kosten für die Girocard in Rechnung stellt und auf weitere Vorgaben wie eine Mindest­höhe für den Geld­eingang verzichtet.

Wir akzeptieren sowohl Angebote, bei denen der Kunde in einer Filiale betreut werden kann, als auch solche, die online und per Telefon geführt werden können. Ob die Kreditkarte gratis ist, spielt für die Einstufung als kostenloses Konto keine Rolle, denn kein Kunde ist gezwungen, die Kreditkarte seiner Bank zu nehmen. Er kann ganz darauf verzichten oder sich anderswo eine Karte nach seinen Wünschen besorgen.

Zusätzlich zu den Gratis­konten ohne Bedingungen gibt es viele weitere Angebote, die kostenlos sind, wenn die Kunden eine oder mehrere Voraus­setzungen erfüllen.

Ganz ohne Bedingungen hat auch Maria Hormann das neue Konto ihrer Wahl samt Kreditkarte und Girocard nicht bekommen: Die Bank hat erst über­prüft, ob sie kreditwürdig genug ist, um diese Karten zu bekommen. Hormann, die gerade in Eltern­zeit ist, hat diese Hürde genommen. Sie hatte wenige Tage nach dem Antrag ihre Bank­karten in der Post.

Große Auswahl für Online­kunden

Die meisten kostenlosen Konten sind On-line­konten. Unter den über­regionalen Banken bietet die noris­bank mit ihrem Top-Giro­konto als einzige ein Konto ohne Bedingungen, das sowohl für Online- als auch für Filial­kunden umsonst ist.

Wählen die Kunden ein reines Online­konto oder ein Konto, das sie auf eigenen Wunsch online führen, finden sie heute bei fast allen Banken zumindest ein sicheres Verfahren, um die Geld­geschäfte über das Internet zu erledigen. Entscheidend ist, wie der Kunde die Trans­aktions­nummer (Tan) erhält, mit der er einen Auftrag am Computer bestätigt. Die Tan wechselt mit jedem neuen Vorgang.

Als sicher gilt es nach heutigem Stand zum Beispiel, wenn die Bank dem Kunden die Tan auf sein Handy sendet. Dieses Verfahren heißt je nach Bank smsTan-Verfahren oder mobileTan-Verfahren. Viele Banken bieten auch das smartTanplus oder chipTan-Verfahren an. Dafür können jedoch Kosten entstehen.

Auf die Bedingungen achten

Stellen die Banken Bedingungen für ihre kostenlosen Konten, können diese ganz unterschiedlich ausfallen. Die Post­bank hat sogar mehrere Varianten im Angebot: Einen monatlichen Geld­eingang von 1 000 Euro verlangt sie für ihr Konto Giro Plus. Für ihr Giro extra plus setzt sie dagegen sogar einen Geld­eingang von 4 000 Euro voraus. Können Kunden diese 4 000 Euro vorweisen, bekommen sie mehr Leistungen. Sie müssen zum Beispiel nichts für ihre Kreditkarte zahlen, mit der sie im gesamten Euro­land kostenlos Geld abheben können.

Nied­riger ist die Hürde für ein kostenloses Konto bei den Sparda-Banken. Neukunden müssen meist nur für 52 Euro einen Genossen­schafts­anteil kaufen, der verzinst wird.

Die Sparda-Banken Baden-Württem­berg und München verlangen zusätzlich von Kunden, die den Service einer Filiale in Anspruch nehmen, dass sie über die Girocard mindestens 50 Einkäufe im Jahr abrechnen, bei der Sparda-Südwest sind es 60.

Erfüllen Kunden die Bedingungen nicht, auf die sie sich einge­lassen haben, ist es mit der kostenlosen Konto­führung vorbei. Die Sparda-Bank-Kunden, die nicht häufig genug mit der Girocard einkaufen, müssen eine Karten­gebühr von 5 Euro im Jahr zahlen.

Die Post­bank langt kräftiger hin: Fehlt der geforderte Geld­eingang für das Konto Giro Plus sind 5,90 Euro im Monat fällig, für das Giro extra plus sind es sogar 9,90 Euro.

Nicht ganz umsonst – aber günstig

Finden wechselwil­lige Kunden kein passendes Konto zum Null­tarif, haben sie immer noch viele güns­tige Konten zur Auswahl. Für ein Filial­konto sollten sie nicht mehr als 80 Euro im Jahr zahlen. Ein Online­konto sollte höchs­tens 40 Euro kosten.

Im Test haben wir neben den kostenlosen Konten zum Beispiel noch 15 Online­konten gefunden, für die der Modell­kunde weniger als 40 Euro im Jahr zahlen muss. Die Bank für Kirche und Caritas und die Degussa Bank haben zum Beispiel mit ihren Angeboten den Sprung unter die kostenlosen Konten nur deshalb knapp verpasst, weil sie im Jahr 5 Euro für die Girocard nehmen. Ansonsten ist die Konto­führung auch hier kostenlos.

Günstig Bargeld bekommen

„Wichtig bei einem neuen Konto ist mir neben dem Preis, dass ich weiter so wie jetzt ohne viel Mühe kostenlos an Bargeld komme“, sagt Tina Piechulik. „Hier in Stutt­gart habe ich in der Nähe gleich mehrere Banken, bei denen ich abheben kann.“

Diese Auswahl hat die 26-Jährige, weil ihre jetztige Bank, die Berliner Bank, zur Cash Group gehört. Zu diesem Verbund haben sich mehrere Institute, darunter auch die Deutsche Bank und die Post­bank, zusammen­geschlossen. Als Kundin einer Bank aus diesem Verbund kann Pieschulik an rund 9 000 Geld­automaten in Deutsch­land kostenlos an Bargeld kommen, davon stehen 1 300 Auto­maten an Shell-Tank­stellen (siehe Tabelle).

Deutlich größer ist allerdings das Auto­matennetz für Kunden einer Sparkasse mit rund 25 700 Auto­maten in Deutsch­land. Wer bei einer Volks- oder Raiff­eisen­bank sein Konto hat, findet über das Bank­card Service­netz knapp 19 300 Auto­maten im Land, um kostenlos an Bargeld zu kommen.

Nutzen Bank­kunden keinen Auto­maten aus ihrem Verbund, müssen sie Gebühren zahlen. Je nach Bank werden zwischen 1,75 Euro und 7,50 Euro für jede Abhebung fällig. Welche Bank wie viel fürs Fremd­abheben kassiert siehe Tabelle.

Weniger Auswahl auf dem Land

Maria Hormann hat in der ländlichen Region bei Celle wenig Auswahl an Geld­automaten: „Im Ort haben wir eine Volks­bank und eine Sparkasse. Zu den Auto­maten vieler anderer Banken müsste ich mehrere Kilo­meter fahren, zum Beispiel direkt nach Celle.“

Um sich diesen Weg zu sparen, hat sich die Betriebs­wirtin für das Cash-Konto der DKB entschieden. Die DKB gehört wie zum Beispiel Cortal Consors und die Wüstenrot Bank zu einer Gruppe von Geld­instituten, deren Kunden mit der Kreditkarte an allen Geld­automaten mit Visa-Zeichen kostenlos Geld abheben können.

Mit dem Dispo in die Kostenfalle

Über­ziehen Kunden ihr Konto ständig, kommen sie trotz Gratis­konto nicht mehr ohne Kosten davon. Denn sobald sie den Dispokredit nutzen, verlangt die Bank hohe Zinsen. Seit unserer Unter­suchung im Mai 2010 sind die Zins­sätze zwar bei mehreren Banken gesunken, einige Institute mit kostenlosem Konto haben sie aber auch erhöht.

Noch immer müssen zahlreiche Kunden mit Zins­sätzen von deutlich über 10 Prozent rechnen: Die Targo­bank verlangt 13,99 Prozent für den Dispo zum Aktiv-Konto, die Bremische Volks­bank nimmt 13,5 Prozent. Den nied­rigsten Zins unter den Banken mit kostenlosem Konto erhebt die Deutsche Skat­bank mit 6 Prozent.

Zinsen für ein Guthaben auf dem Giro­konto zahlen etwa ein Drittel der untersuchten 77 Banken. Die Zins­sätze liegen maximal bei 1,5 Prozent. Das ist ein schöner Bonus, sollte aber nicht entscheidend für die Wahl der neuen Bank­verbindung sein. Denn Kunden ohne Guthaben­verzinsung können ihr Geld auf einem Tages­geld­konto anlegen und trotzdem täglich darüber verfügen.

Wechsel ist gar nicht so schwer

Tina Piechulik hat sich in den letzten Wochen bei mehreren Banken nach einem neuen Konto umge­sehen und im Freundes- und Familien­kreis nachgefragt. Endgültig entschieden hat sie sich noch nicht. „Vor dem Aufwand, der mit dem Wechsel verbunden ist, schrecke ich noch etwas zurück“, sagt sie.

Sobald sie ein neues Konto hat, muss sie sich die Zeit nehmen und zum Beispiel ihren Arbeit­geber, den Vermieter und ihre Versicherungs­gesell­schaften über die geänderten Konto­daten informieren. Um niemanden zu vergessen, sollten sich Wechsler die Auszüge der vergangenen drei Monate vornehmen und prüfen, an wen Geld gegangen ist und wer etwas über­wiesen hat.

Viele Banken unterstützen ihre Neukunden, sobald das Konto eröffnet ist. Sie stellen ihnen zum Beispiel Post­karten mit den neuen Daten zur Verfügung.

Als Erstes sollten Arbeit­geber oder Renten­träger Bescheid wissen, damit die nächste Zahlung gleich aufs neue Konto geht. Sobald das Geld da ist, können die neuen Konto­inhaber Zug um Zug zum Beispiel Dauer­aufträge für das alte Konto löschen und für das neue einrichten.

Dauert es noch längere Zeit, bis das nächste Gehalt oder die nächste Rente kommt, können die Konto­wechsler sich vorab selbst eine kleinere Summe über­weisen, um über die neue Bank­verbindung erste Über­weisungen tätigen zu können.

Maria Hormann hat diese Schritte bereits erledigt und ihr altes Konto aufgelöst. Wer die Bank wechselt, sollte zur Sicherheit das alte und das neue Konto für etwa drei Monate parallel führen, um Fehl­buchungen zu vermeiden. Danach können die Kunden das alte Konto formlos und ohne jede Frist kündigen. Dafür müssen sie nichts bezahlen. Die bisherige Bank schließt das Konto und über­trägt das Guthaben auf die neue Bank­verbindung.

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